Die israelische Wellness-Gruppe movement hat die Technologie und das geistige Eigentum von dacadoo übernommen, dem Zürcher Unternehmen für digitale Gesundheit, das Peter Ohnemus 2010 gegründet hat. Bekannt gegeben wurde die Transaktion am 6. November 2026 in einer Mitteilung, die Startupticker.ch verbreitete. Sie umfasst die Software, den Quellcode und 51 eingetragene Patente. Die Gesellschaft dacadoo ag selbst befindet sich in Liquidation.
Was kauft movement genau?
Movement übernimmt Vermögenswerte, nicht ein Unternehmen. Laut der Mitteilung umfasst der Kauf die Software von dacadoo, ihren Quellcode und ihr geistiges Eigentum, das sich auf 51 eingetragene Patente stützt. Die Plattform von dacadoo für Gesundheitsengagement wird von Versicherern, Gesundheitsorganisationen und grossen Arbeitgebern genutzt.
Diese Kunden befinden sich laut der Mitteilung in Dutzenden von Ländern: in den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Japan, Deutschland und mehreren weiteren europäischen Märkten. Movement stellt die Transaktion als Schritt der kürzlich angekündigten weltweiten Expansion dar.
«Eine stabile Kontinuität für sie ist unsere oberste Priorität», sagt Yogev Matok, Geschäftsführer der Division Wellbeing von movement, über die Kunden von dacadoo. Diese können die Plattform weiterhin nutzen, künftig neben den eigenen Werkzeugen von movement.
Kauf von Vermögenswerten oder Kauf der Gesellschaft: Was ist der Unterschied?
Bei einem Aktienkauf wird der Käufer Eigentümer der Gesellschaft, mit allem, was sie enthält. Hier spricht die Mitteilung nur von Vermögenswerten: der Technologie, den Patenten und dem Code. Movement wird also nicht Eigentümer der dacadoo ag, der Zürcher juristischen Person, die ihr eigenes Liquidationsverfahren durchläuft.
Die Mitteilung erwähnt weder eine Übernahme der Gesellschaft noch eine Übernahme ihres Personals. Für die Kunden bezieht sich das Versprechen auf die Nutzung der Plattform. Sie sagt nicht, wie ihre Verträge von der dacadoo ag auf movement übergehen.
Fünfzehn Jahre dacadoo: Finanzierungsrunden und Partnerschaften
Laut der Enzyklopädie Wikipedia gründete Peter Ohnemus, Schweizer Serienunternehmer, die Gesellschaft 2010 in Zürich unter dem Namen QUENTIQ AG. Im Januar 2012 wird sie zur dacadoo ag. Ihre erste Plattform ist ab Dezember 2011 online.
Das Modell gilt als B2B2C: dacadoo verkauft an Unternehmen, die die App ihren eigenen Kunden anbieten. Versicherer lancieren die Plattform so unter ihrer eigenen Marke. Ihr Kern ist ein Gesundheitsindex, der Health Score, mit einer Bewertung von 0 bis 1000. Laut Wikipedia beruht er auf über 300 Millionen Personenjahren klinischer Daten. Das Unternehmen hält fest, dass dieser Score kein Instrument der medizinischen Diagnose ist.
| Datum | Etappe | Quelle |
|---|---|---|
| 2010 | Gründung der QUENTIQ AG in Zürich durch Peter Ohnemus | Wikipedia |
| Dezember 2011 | Aufschaltung der ersten Plattform | Wikipedia |
| Januar 2012 | Namensänderung in dacadoo ag | Wikipedia |
| Juli 2017 | Partnerschaften mit UnitedHealth Group und dem niederländischen Versicherer Menzis, Lancierung von dacadoo GO | Netzwoche |
| 21. Juli 2017 | Kapitalerhöhung unter der Führung von Rakuten Capital | Moneycab |
| 6. November 2026 | Kauf der Vermögenswerte durch movement, dacadoo ag in Liquidation | Startupticker.ch |
Im Juli 2017 stellt dacadoo der Presse in Zürich seine Strategie vor, wie das Magazin Netzwoche berichtet. Das Unternehmen kündigt damals eine Partnerschaft mit UnitedHealth Group an, einem der grössten Krankenversicherer der Welt. Es soll mit Optum, dessen IT-Sparte, eine Lifestyle-Plattform aufbauen.
Am selben Tag gibt dacadoo eine Vereinbarung mit Menzis bekannt, einem niederländischen Versicherer. Laut Peter Ohnemus gewährt Menzis Kunden, die die App nutzen, einen Prämienrabatt. Netzwoche erinnerte zudem an frühere Etappen: eine Investition von Samsung und eine mit Sanagate lancierte Gesundheits-App.
Am 21. Juli 2017 schliesst dacadoo laut Moneycab eine Kapitalerhöhung mit Rakuten Capital als Hauptinvestor ab. Der Risikokapitalarm des japanischen Konzerns Rakuten investiert über seinen Rakuten FinTech Fund. Michael Piechalak von Rakuten Capital zieht damals in den Verwaltungsrat ein.
Was ändert der Kauf für die Versicherer unter den Kunden?
Kurzfristig verspricht die Mitteilung die Kontinuität des Dienstes. Die Kunden von dacadoo behalten die Plattform und erhalten Zugang zu den Werkzeugen von movement. Es handelt sich um Plattformen zur Verhaltensänderung, die mit Krankenversicherern, Krankenkassen und grossen Organisationen entwickelt wurden.
Der neue Eigentümer gibt über 2,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer an. Für dacadoo nennt die Mitteilung keine vergleichbare Zahl. Movement verweist auf eine in Communications Medicine veröffentlichte Studie, einer Zeitschrift aus dem Nature-Portfolio, mit Forschenden der Harvard Medical School und der Universität Tel Aviv.
Laut movement weisen die Nutzerinnen und Nutzer seiner Plattform eine geringere Inzidenz auf als vergleichbare Nichtnutzer:
- 18 Prozent weniger bei Typ-2-Diabetes;
- 9 Prozent weniger bei Schlaganfällen;
- 5 Prozent weniger bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Diese Zahlen betreffen die Werkzeuge von movement, nicht jene von dacadoo. Ein Vergleich mit Nichtnutzern misst für sich allein nicht die Wirkung einer App: Wer sich dafür anmeldet, kann sich von Anfang an von anderen unterscheiden.
Digitale Gesundheit in der Schweiz: Die Technologie eines Zürcher Unternehmens geht in ausländische Hände
Schon 2017 bezeichnete Peter Ohnemus das Schweizer Gesundheitssystem laut Netzwoche als «krank». Er sah in Prävention und Digitalisierung die Antwort auf die steigenden Kosten, die auf den Krankenkassen lasten.
Der Kauf reiht sich in weitere von 2clics verfolgte Übernahmen von Schweizer Jungunternehmen durch ausländische Gruppen ein, etwa die Übernahme von Forentec durch Lineal in der digitalen Forensik. Im Gesundheitsbereich hat 2clics zudem das Aus des Accelerators Tech4Eva verfolgt, eines Westschweizer Programms für Femtech.
Für eine versicherte Person in der Schweiz bleibt die direkte Wirkung schwer messbar. Beim White-Label-Modell sieht die Nutzerin oder der Nutzer den Namen der eigenen Versicherung, nicht jenen des Anbieters. Die Mitteilung nennt keinen aktuellen Schweizer Kunden von dacadoo.
Was noch nicht bekannt ist
- Der Preis: Weder movement noch dacadoo haben den Betrag der Transaktion bekannt gegeben.
- Die Arbeitsplätze in Zürich: Die Mitteilung sagt nichts über das Schicksal des Schweizer Teams von dacadoo.
- Die Liquidation: Die Mitteilung nennt weder das Datum ihrer Eröffnung noch den Namen des Liquidators.




