Zehn Projekte, davon sieben aus der Schweiz, sind im Juli 2026 in den Accelerator InnoJura am Standort des Switzerland Innovation Park Basel Area – Jura gestartet. Die Kohorte wurde am 7. Oktober 2026 in einer Medienmitteilung vorgestellt, die Startupticker.ch verbreitet hat. Das Programm wurde von Basel Area Business and Innovation initiiert und wird vom Switzerland Innovation Park Basel Area unterstützt. Seine Aufgabe laut Mitteilung: Start-ups und Scale-ups in ihrer Entwicklung zu begleiten.
Ein Begleitprogramm, keine Finanzierungsrunde
Zunächst gilt es festzuhalten: Es handelt sich um die Aufnahme in ein Begleitprogramm. Die Mitteilung kündigt keine Finanzierungsrunde an, weder für die Projekte noch für den Accelerator. Sie beschreibt auch den konkreten Inhalt des Programms nicht: weder Dauer noch Mentoring noch bezifferte Ressourcen. Was sie Projekt für Projekt nennt, ist ein «kurzfristiger Bedarf». Und das Bild ist klar: Die meisten suchen Pilotstandorte, industrielle oder wissenschaftliche Partner, Nutzer zum Testen. Nur drei sprechen ausdrücklich von Geld: Mikram will die Finanzierung seines Prototyps abschliessen, Neurobotix sucht eine Finanzierung, um seine Validierungsschritte zu bewältigen, Conceptify sucht Investoren.
Industrie: Präzision, Materialien und lokale KI
Die Hälfte der Kohorte zielt auf die Industrie. In Courrendlin will Mikram Sàrl, ein Spin-off der AdTime SA, einen kompakten Metall-3D-Drucker mit Auflösung im Mikrometerbereich mitentwickeln und industrialisieren, der sich namentlich an die Uhrenindustrie, die Medtech und die Luft- und Raumfahrt richtet. Die Ausgangslage: Die Präzision heutiger Anlagen erfordert oft lange und kostspielige Nachbearbeitungen, vor allem bei Mikrokomponenten. Ein akademisches und industrielles Konsortium wurde gebildet, um dieses Innosuisse-Projekt zu tragen und den Prototyp zu entwickeln.
In Courroux stützt sich Neodustria auf mehr als fünfzehn Jahre Erfahrung in der industriellen Transformation, um eine Plattform für «industrielle Intelligenz» aufzubauen, die 3D-Konstruktion, physikalische Simulationen, Materialien und wirtschaftliche Daten verbindet. Ziel: die Validierungszyklen zu verkürzen, wenn eine Konstruktionsänderung eine vollständige Neuprüfung erfordert. Das Jungunternehmen sucht lokale Industrien, um Pilotprojekte zu starten, sowie wissenschaftliche Partner.
Von Mulhouse aus bietet StorkMind, gegründet von Naïm Samet nach mehr als 15 Jahren in der industriellen Forschung und Entwicklung, Industrie-KMU lokale KI-Lösungen an: Fehlererkennung, Analyse von Produktionsdaten, Abfrage der internen Dokumentation in natürlicher Sprache, ohne die Daten preiszugeben. Poerava aus Lausanne bringt einen KI-gestützten Lean-Coach in den Alltag von Produktionsteams und sucht seine ersten Pilotstandorte in Pharma, Medtech und Präzisionsindustrie. Schliesslich setzt AXXIOS in Enges (NE) bei den Frequenzen von Materialien an: autonome Module oder ein in die Materialien integriertes Pulver, ohne Stromversorgung und ohne Sensoren, um unerwünschte Vibrationen in Industrie, Sport, Verkehr und Medtech zu behandeln. Das Unternehmen sucht industrielle Partner für Pilotprojekte.
Sport, Gesundheit und Neuroradiologie
Zweiter Block: der menschliche Körper. In Porrentruy entwickelt Victor Baute, Pflegefachmann und Sportler, gemeinsam mit Mike Andres ÀNARA, einen Copiloten für Ausdauersportler. Die App verknüpft Aktivität, Erholung, Schlaf, Ernährung und Befinden, um beim Entscheiden zu helfen: forcieren, anpassen oder erholen. Sie tritt in die Phase der Nutzertests ein und sucht Sportler, Coaches, Clubs und Partner aus der Sportphysiologie.
Pentacore, mit Sitz in Nürtingen in Deutschland, aber im Kanton Jura angesiedelt, entwickelt Orbisense, einen digitalen Berater für Fachleute aus Sport und Gesundheit. Das System ersetzt manuelle Körpermessungen durch Daten aus einem «digitalen Zwilling» in 3D. Für seine Pilotphase im Jura sucht das Start-up Sportzentren, Physiotherapiepraxen und Ernährungsfachleute.
Das Projekt mit der weitesten Herkunft kommt aus Doha in Katar. Neurobotix entwickelt eine Plattform für die robotergestützte Navigation von Hirnkathetern, die KI, digitalen Zwilling und magnetische Steuerung kombiniert. Die Initiative entstand 2020 aus einer Zusammenarbeit zwischen Forschung und Ingenieurwesen und wurde 2025 zu einem medizinischen Projekt. Sie sucht Spitalpartner für Tests in präklinischer Umgebung sowie Zugang zu vaskulären Daten und Bildern.
Sensible Daten und Unternehmensentscheide
Zwei Projekte richten sich an Organisationen. Conceptify aus Basel stellt eine SOC-2-zertifizierte Plattform für adaptive Intelligenz vor, die für regulierte Tätigkeiten konzipiert ist und vollständig auf der Infrastruktur des Kunden läuft, ohne dessen Daten zum Trainieren der Modelle zu verwenden. Orentir aus Lausanne nimmt sich der Nachfolgeplanung für Führungspositionen an. Das Projekt stützt sich auf mehr als 60 Gespräche mit HR-Verantwortlichen und positioniert sich laut Mitteilung im Hinblick auf regulatorische Entwicklungen, die zwischen 2027 und 2030 erwartet werden. Es sucht einen technischen Mitgründer und Pilotpartner vor einer kommerziellen Lancierung in grösserem Massstab.
Was die Auswahl erkennen lässt
Die Mitteilung zieht keine Bilanz zum regionalen Ökosystem, doch die Liste lässt eine Lesart zu. Drei Projekte haben ihren Sitz im Kanton Jura (Porrentruy, Courrendlin, Courroux), ein viertes, Pentacore, ist dort angesiedelt. Mehrere Projektträger verankern ihr Vorhaben ausdrücklich im lokalen Gefüge: Neodustria sucht «lokale Industrien», Pentacore gibt an, sich auf «das regionale MedTech-Ökosystem» zu stützen. Die anvisierten Branchen wiederholen sich von Projekt zu Projekt: Uhrenindustrie und Mikrokomponenten, Medtech, Präzisionsindustrie. Ein weiterer roter Faden ist die Vertraulichkeit der Daten, die Conceptify und StorkMind mit Lösungen hervorheben, die beim Kunden bleiben. Schliesslich kommen drei Projekte aus dem Ausland (Katar, Deutschland, Frankreich). Zum jetzigen Zeitpunkt geht es um die Suche nach Partnern und Pilotprojekten, nicht um unterzeichnete Verträge: Die Kohorte wird in den kommenden Monaten zeigen, welche davon konkret werden.
Quelle: Startupticker.ch – L'accélérateur InnoJura dévoile sa cohorte 2026




