Seit Anfang 2026 hat der Migros-Pionierfonds mehrere neue Projekte in sein Förderprogramm aufgenommen, berichtet Startupticker.ch in einem am 6. Oktober 2026 veröffentlichten Artikel. Darunter: mehrere im Energiebereich tätige Deeptech-Start-ups, ein Healthtech-Unternehmen, aber auch ein Projekt zur Förderung der Biodiversität in der Landwirtschaft und eine Initiative, die geflüchteten Menschen beim Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt hilft.

Ein Fonds, der seine Projekte selbst auswählt

Laut Startupticker.ch vergibt der Förderfonds der Unternehmen der Migros-Gruppe seit 2012 finanzielle Mittel an Projekte in verschiedenen Bereichen, die einen konkreten und langfristigen gesellschaftlichen Nutzen anstreben. Besonderheit des Modells: Das Team des Migros-Pionierfonds sucht aktiv nach den zu fördernden Projekten und nimmt weder Bewerbungen noch Gesuche entgegen.

Der Fonds verfügt laut derselben Quelle über rund 16 Millionen Franken pro Jahr. Er wird von Unternehmen der Migros-Gruppe finanziert, darunter Denner, die Migros Bank, Migrol, migrolino und Ex Libris. Die ausgewählten Projekte erhalten während drei bis fünf Jahren finanzielle Unterstützung. Die Beträge, die den einzelnen hier vorgestellten Projekten zugesprochen werden, sind nicht angegeben.

apricot 366: Energie in Aluminium speichern

apricot 366 mit Sitz im Kanton St. Gallen wurde 2023 gegründet und ist ein Spin-off der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Gründer und CEO Michel Haller und sein Team wollen erneuerbare Energie langfristig speichern und über grosse Distanzen transportieren, mit Aluminium als Träger. Das Prinzip: In einem energieintensiven Prozess wird Aluminiumoxid mithilfe erneuerbarer Energie in Aluminium umgewandelt, wodurch diese Energie im Metall gespeichert wird. Dieses kann anschliessend an den Bestimmungsort transportiert und dort erneut oxidiert werden, um die Energie freizusetzen.

Was die Partnerschaft betrifft, übernimmt ein Partner in Island die Produktion des Aluminiums und damit die Speicherung der Energie: Die Stromproduktion beruht dort ausschliesslich auf erneuerbaren Energien, und die Technik der CO2-freien Aluminiumproduktion ist dort sehr weit fortgeschritten, erklärt Startupticker.ch. Die Technologie zur Rückgewinnung der Energie wurde an der OST entwickelt und hat das Stadium des Proof of Concept im Labor durchlaufen.

Mit der Unterstützung des Fonds will das Start-up den nächsten Schritt machen: ein MVP («Minimum Viable Prototype», laut Quelle) und Feldtests. Dazu muss das noch relativ grosse Umwandlungsgerät verkleinert und automatisiert werden. Das Herstellungsverfahren für das benötigte Aluminiumgranulat muss weiterentwickelt und anschliessend an Produzenten unterlizenziert werden. Bei der Finanzierung wurde das Unternehmen mit privaten Investoren von einer GmbH in eine AG umgewandelt und bezeichnet sich nun als bereit für eine nächste Finanzierungsrunde. Weder der Betrag noch der Zeitplan dieser Runde sind angegeben.

Windworks: kompakte Windturbinen für Bauernhöfe und Gemeinden

Windworks, ein 2025 gegründetes Waadtländer Start-up, entwickelt kompakte Windturbinen mit vertikaler Achse und einer Höhe von maximal 30 Metern. Herzstück des Systems ist eine selbst entwickelte Steuerungstechnologie, welche die Ausrichtung der Rotorblätter laufend an die Windschwankungen anpasst. Die Anlagen richten sich insbesondere an Landwirtschaftsbetriebe, Fabriken und Gemeinden mit eigenem Grundstück. Dank ihrer geringen Grösse lassen sie sich etwa auf Bauernhöfen oder auf Firmengeländen aufstellen, und das Bewilligungsverfahren ist weniger aufwendig als bei grossen Windparks, so Startupticker.ch. Die Unterstützung des Migros-Pionierfonds soll es ermöglichen, die ersten Turbinen im Pilotbetrieb zu testen und die Technologie zur Marktreife zu bringen.

Kelva Systems: gespeicherte erneuerbare Wärme für die Industrie

Das 2025 gegründete Zürcher Start-up Kelva Systems geht von einer Feststellung aus: Sonnen- und Windenergie ist nicht immer dann verfügbar, wenn man sie braucht, während die Industrie für ihre Prozesse auf eine zuverlässige Wärmeversorgung angewiesen ist. Das Start-up entwickelt thermische Energiespeicher, die erneuerbare Energie in Wärme umwandeln und in einer thermischen Batterie speichern. Diese Wärme kann bei Bedarf abgegeben werden, mit dem Ziel, mit fossilen Brennstoffen betriebene Industriekessel schrittweise zu ersetzen und die Emissionen zu senken. Mit der Unterstützung des Fonds entwickelt Kelva Systems seine Technologie mit Pilotkundinnen und -kunden weiter und bereitet den Markteintritt vor.

Elysia Solutions: KI-gestützte Gesundheitsprävention

Elysia Solutions (St. Gallen, 2026), das einzige Healthtech auf der Liste, will die Prävention in der Schweiz zugänglicher und zu einem vollwertigen Bestandteil des Gesundheitssystems machen. Das Start-up nutzt künstliche Intelligenz, um individuelle Biomarker zu analysieren und mögliche Ursachen von Gesundheitsrisiken zu identifizieren. Auf dieser Grundlage erhalten Patientinnen und Patienten personalisierte und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen, etwa zu Ernährung, Bewegung, Schlaf oder zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Die Umsetzung wird über eine App und bei ärztlichen Kontrollen begleitet und überprüft, um zu verfolgen, welche Massnahmen Wirkung zeigen. Mit der Unterstützung des Fonds testet Elysia Solutions Ansätze für den Markteintritt und entwickelt sein Angebot bis zur Marktreife.

Path2Work und ReVerde: Beschäftigung von Geflüchteten und Biodiversität in der Landwirtschaft

Path2Work, das laut Quelle noch nicht als Rechtseinheit konstituiert ist, bietet geflüchteten Menschen in der Schweiz kostenlose Unterstützung bei der Stellensuche. Die Plattform hilft ihnen, ihre beruflichen Kompetenzen sichtbar zu machen und passende Bereiche auf dem Schweizer Arbeitsmarkt zu identifizieren, ausgehend von einem Profil, das Fähigkeiten statt Diplome in den Vordergrund stellt. Ein Algorithmus gleicht diese Profile mit offenen Stellen ab und leitet relevante Profile an Unternehmen weiter. Das Projekt wird in Partnerschaft mit dem Bund durchgeführt. Seine Evaluationsphase läuft voraussichtlich von März 2025 bis März 2027; in diesem Zeitraum wird seine Wirksamkeit von Forscherinnen und Forschern der ETH Zürich und der Universität Lausanne untersucht. Parallel dazu soll Path2Work in eine gemeinnützige Struktur überführt werden, um nach der Evaluation einen regulären und dauerhaften Betrieb zu ermöglichen. Der Fonds soll helfen, die Wirksamkeit und Machbarkeit des Projekts nachzuweisen, und es beim Markteintritt begleiten.

Der Verein ReVerde (Zürich, 2025) begleitet Landwirtschaftsbetriebe bei der Planung und Umsetzung von Massnahmen zugunsten der Biodiversität: von der ersten Beratung über eine ökologische und ökonomische Kosten-Nutzen-Analyse bis hin zur Planung, Finanzierung und Realisierung konkreter Massnahmen. Der Fokus liegt auch auf dem wirtschaftlichen Nutzen von Biodiversitätsförderflächen für den Betrieb. Mit der Unterstützung des Migros-Pionierfonds wird das Angebot in einer zwölfmonatigen Pilotphase getestet, bevor die Grundlagen für eine allfällige Skalierung gelegt werden.

CellX Biosolutions und DeltaSpark ergänzen die Liste

Der Migros-Pionierfonds hat zudem 2026 die Start-ups CellX Biosolutions und DeltaSpark in sein Programm aufgenommen, präzisiert Startupticker.ch, das bereits in einem anderen Zusammenhang darüber berichtet hatte. Der Artikel enthält keine weiteren Details zu diesen beiden Förderungen.

Das Wichtigste in Kürze

Die drei Energieprojekte decken unterschiedliche Ansätze ab: Speicherung und Transport von Energie mittels Aluminium, dezentrale Windstromproduktion, gespeicherte Industriewärme. Gemeinsam ist ihnen laut Quelle: Die Unterstützung des Fonds soll Pilot- oder Feldtests, der Entwicklung bis zur Marktreife oder der Vorbereitung des Markteintritts dienen. Es handelt sich um eine mehrjährige Förderung, die nicht mit einer Finanzierungsrunde zu verwechseln ist: Die einzige in der Quelle erwähnte Finanzierungsoperation betrifft die privaten Investoren von apricot 366, ohne kommunizierten Betrag. Die Quelle gibt auch nicht an, welcher Anteil der jährlich rund 16 Millionen Franken auf die vorgestellten Projekte entfällt.

Quellen