Ein rotes Kreuz, und dann geht es weiter zum Nächsten. Diese Feststellung haben zwei in Biel tätige Lehrpersonen, Bastien Muster und Quentin Joliat, in ihren Klassen gemacht: Die meisten Quiz-Tools prüfen das Wissen der Schülerinnen und Schüler, helfen ihnen aber nicht beim Lernen. Ihre Antwort darauf heisst Kwiiz, eine Edtech-Plattform, die dieses Jahr in Biel lanciert und von Startupticker.ch vorgestellt wurde.
Eine Erklärung zu jeder Antwort
Bei Kwiiz wird jede Antwort von einer Erklärung begleitet. Die Idee: den Fehler zu einer Gelegenheit zum Lernen machen statt zu einer blossen Sanktion. Anschliessend können die Schülerinnen und Schüler das Gelernte mit Lernkarten (Flashcards), Hausaufgaben, interaktiven Spielen und Lern-«Expeditionen» festigen, die sich über mehrere Wochen erstrecken.
Für die Lehrpersonen bietet die Plattform eine detaillierte Verfolgung des Lernfortschritts jeder Schülerin und jedes Schülers, verknüpft mit den Kompetenzen der Lehrpläne, sowie mit künstlicher Intelligenz erstellte Berichte, die angeben, was nochmals geübt werden muss, und mit wem.
Lancierung im Juli, deutsche Version im September
Kwiiz wurde im Juli 2026 in Biel lanciert. Laut Startupticker.ch hat die Plattform bereits mehr als 420 Lehrpersonen und Eltern aus über 150 Schweizer Schulen gewonnen, und es wurden darauf mehr als 6700 Spiele gestartet. Ebenfalls gemäss derselben Quelle bietet sie über 2600 sofort einsetzbare Quiz an, die auf die Schweizer Lehrpläne abgestimmt sind: den PER in der Romandie, den Lehrplan 21 in der Deutschschweiz, aber auch die Sekundarstufe II und die Berufsbildung.
Die deutsche Version ist seit September 2026 verfügbar, was dem Tool die Tür zur Deutschschweiz öffnet.
Das Hosting gehört zum Verkaufsargument. Kwiiz wird vollständig in der Schweiz entwickelt und gehostet, auf der Infrastruktur von Infomaniak in Genf, und stützt sich auf Apertus, das öffentliche Schweizer KI-Modell, das von der EPFL und der ETH Zürich entwickelt wurde. Die Schülerinnen und Schüler können spielen, ohne ein Konto zu erstellen, und ihre Daten bleiben in der Schweiz. Die Plattform trägt die Labels swiss made software, swiss hosting und +AI.
Ein Freemium-Modell mit Fokus auf die Schulen
Die Basisversion ist kostenlos: Lehrpersonen können Quiz erstellen, auf die Bibliothek zurückgreifen und live mit ihrer Klasse spielen, ohne zeitliche Begrenzung. Das Abonnement Kwiiz Pro, das laut Startupticker.ch CHF 59 pro Jahr kostet, schaltet unter anderem die individuelle Kompetenzverfolgung, mit KI erstellte pädagogische Berichte, das Erstellen von Quiz aus bestehenden Unterrichtsmaterialien, personalisierte Repetitionsaktivitäten, druckbare Arbeitsblätter und eine unbegrenzte Nutzung frei. Das Angebot Kwiiz Famille für CHF 39 pro Jahr richtet sich an Eltern, die ihre Kinder zu Hause begleiten möchten.
Das grösste Wachstumspotenzial sieht Mitgründer Bastien Muster gegenüber Startupticker.ch jedoch bei den Schulen. Diese können Lizenzpakete zu reduzierten Preisen kaufen, zum Beispiel für CHF 690 pro Jahr für 20 Lehrpersonen. Über die Lizenzen hinaus arbeitet das Team mit einigen von ihnen direkt an Funktionen und Inhalten: Für eine Orientierungsschule (Cycle d'orientation) in Orsières im Wallis hat es auf Grundlage der Rückmeldungen der Lehrpersonen einen neuen Fragetyp entwickelt.
Eigenfinanziert, ohne Finanzierungsrunde
Kwiiz hat kein Kapital aufgenommen. Laut Startupticker.ch ist das Start-up vollständig eigenfinanziert und hat die Gewinnschwelle seiner Anfangsinvestition bereits erreicht. Ein bewusster Entscheid: «Wir haben uns bewusst entschieden, in dieser Phase kein externes Kapital aufzunehmen. Unsere Priorität ist es, ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen, das auf einer echten Nutzung im Unterricht, soliden Partnerschaften mit den Schulen und einem zuverlässigen Produkt beruht», erklärt Bastien Muster (aus dem Englischen übersetzte Aussagen). «Wir wollen, dass unser Team mit dem Erfolg von Kwiiz wächst, nicht vorher.»
Die beiden Gründer arbeiten übrigens nicht Vollzeit an dem Projekt, auch das aus freier Wahl. Bastien Muster, Lehrer am Gymnase français de Bienne, promoviert an der EPFL und ehemaliger Chief Data Officer von SwissBorg, widmet Kwiiz 50 Prozent seiner Arbeitszeit. Quentin Joliat, Primarschulleiter und Lehrer, treibt die Produktentwicklung parallel zu seinen schulischen Aufgaben voran. Im Unterricht zu bleiben erlaubt es ihnen zu überprüfen, ob jede Funktion einem echten Bedürfnis entspricht, und sie direkt mit Schülerinnen und Schülern zu testen. Das Unternehmen, Scolabe SNC, hat seinen Sitz in Biel.
Kurs auf die Deutschschweiz und die Kantone
Das erklärte Ziel: Kwiiz zur führenden Plattform für Quiz und Repetition an Schweizer Schulen zu machen. «Unser Wettbewerbsvorteil beruht auf drei Säulen: Schweizer Technologie und Datensouveränität, auf die Schweizer Lehrpläne abgestimmte Inhalte und ein Produkt, das von Lehrpersonen für Lehrpersonen entwickelt wurde», fasst Bastien Muster zusammen.
Die nächsten Prioritäten sind die Expansion in die Deutschschweiz, Beziehungen zu den kantonalen Schulbehörden, ein besseres Erlebnis auf Mobilgeräten und neue Tools für die Schulen. Längerfristig nimmt das Team die Nachbarländer ins Visier, wobei das Wachstum weiterhin von der Nutzung getragen werden soll. In einem System, in dem das öffentliche Bildungswesen Sache der Kantone ist, dürfte dieser Dialog mit den Schulbehörden wohl unumgänglich sein, um von der überzeugten Lehrperson zur ausgerüsteten Schule zu gelangen.




