Colt Technology Services wird zum ersten Netzwerkdienstleister, der SCION Unternehmen in Europa, Nordamerika und Asien anbietet. Die von Anapaya entwickelte Technologie ist nach einem zweijährigen Proof of Concept beim Betreiber nun kommerziell verfügbar. Die Ankündigung, über die Startupticker.ch am 13. Oktober 2026 berichtete, stammt aus einer Medienmitteilung: Es handelt sich also um die Darstellung der beteiligten Unternehmen und nicht um eine unabhängige Bewertung.
Eine Architektur, die den Weg der Daten kontrollierbar machen soll
SCION ist das Akronym für «Scalability, Control and Isolation on Next Generation Networks» (Skalierbarkeit, Kontrolle und Isolation in Netzwerken der nächsten Generation). Die Medienmitteilung beschreibt SCION als Internetarchitektur, die sicheres Routing, Widerstandsfähigkeit gegen verteilte Denial-of-Service-Angriffe (DDoS) und hohe Verfügbarkeit bieten soll.
Das Prinzip beruht, wie die Quelle es darstellt, auf der Kontrolle des Übertragungswegs. Klassische Weitverkehrsnetze (WAN), die auf dem Internet oder auf IP basieren, bieten «eine gewisse Sichtbarkeit» darüber, wo die Daten durchlaufen. Mit SCION können Organisationen laut Medienmitteilung genau «festlegen, prüfen und durchsetzen», wie ihre Daten durchgehend fliessen (aus dem Englischen übersetzt). Das erklärte Ziel: regulatorische Anforderungen erfüllen, Bedürfnisse nach Datensouveränität unterstützen und eine besser vorhersehbare Leistung erreichen.
Zur Methode bleibt die Medienmitteilung hingegen allgemein: Sie erläutert weder den Mechanismus der Pfadauswahl noch den technischen Vergleich mit dem heutigen Routing im Internet, noch den wissenschaftlichen Ursprung der Architektur, die sie als Technologie von Anapaya präsentiert.
Was bereits in Betrieb ist
Die Quelle hält fest, dass SCION in kritischen Infrastrukturen «weit verbreitet» sei, insbesondere in der Schweizer Finanzbranche. Während des Proof of Concept testete und validierte Anapaya die Technologie mit mehreren Organisationen aus dem Finanzsektor, die sie bereits nutzen, um mehr Beobachtbarkeit zu gewinnen und ihre kritischen Daten zu schützen.
Diese Organisationen werden nicht namentlich genannt, und keine Zahl gibt Auskunft über die Anzahl der Nutzer oder das betroffene Datenvolumen. Der Einsatz in der Schweizer Finanzbranche wird also als gegeben dargestellt, jedoch ohne überprüfbare Angaben in der Quelle.
Was die Vereinbarung mit Colt ändert
Entscheidend an der Vereinbarung ist die geografische Reichweite. Colt bezeichnet sich als grösster B2B-Betreiber Europas: Das Unternehmen verbindet mehr als 40 Länder, 32'000 Geschäftsgebäude, mehr als 275 Points of Presence und 12 Kabellandestationen und betreibt acht Unterseekabelsysteme. Das Angebot mit dem Namen Colt SCION kombiniert die Technologie von Anapaya mit diesem weltweiten Netz und dem Betrieb durch den Netzbetreiber.
Zielkunden sind Organisationen mit sensiblen, regulierten oder kritischen Netzwerkanforderungen: Energie, Gesundheitswesen, öffentliche Verwaltungen, Verteidigung und grosse internationale Finanzkonzerne.
Peter Coppens, Vice President Product von Colt Technology Services, fasst die Position des Betreibers zusammen: «Vertrauen, Resilienz und Kontrolle sind für Organisationen, die kritische Daten verarbeiten, nicht verhandelbar. Colt SCION bietet alle drei und gibt Unternehmen mehr Gewissheit darüber, wie ihre Daten fliessen. Als erster Anbieter von SCION-fähiger Konnektivität in Europa, Nordamerika und Asien verbindet Colt einen neuen Sicherheitsstandard mit der Reichweite und der Kontrolle seiner eigenen globalen Infrastruktur.» (aus dem Englischen übersetzt)
Belegt, angekündigt, noch zu bestätigen
- Laut Quelle belegt: Colt SCION ist auf drei Kontinenten kommerziell verfügbar, nach einem zweijährigen Proof of Concept mit Anapaya.
- Ohne Einzelheiten behauptet: der «weit verbreitete» Einsatz von SCION in kritischen Infrastrukturen und in der Schweizer Finanzbranche sowie die Nutzung durch mehrere Finanzorganisationen.
- Kommerzielles Versprechen: vollständige Kontrolle über den Weg der Daten, bessere Einhaltung regulatorischer Vorgaben und besser vorhersehbare Leistung. Die Medienmitteilung liefert keine Messwerte, die dies untermauern.
Die Grenzen der Ankündigung
Der Titel von Startupticker.ch spricht von einem «grossen Vertrag» für Anapaya, doch die Quelle nennt weder einen Betrag noch eine Laufzeit noch erste Kunden des Colt-Angebots. Die Medienmitteilung sagt auch nicht, wie SCION mit dem bestehenden Internet zusammenspielt und was ein Unternehmen an seiner Infrastruktur ändern muss, um davon zu profitieren.
Die Frage der Verbreitung bleibt daher offen. Eine Netzwerkarchitektur gewinnt erst an Wert, wenn genügend Akteure sie einsetzen; der Einstieg eines Betreibers von der Grösse Colts erweitert den Zugang zu SCION über die Schweiz hinaus, doch das tatsächliche Ausmass ihrer Nutzung durch Unternehmen auf diesen drei Kontinenten bleibt abzuwarten.
Quellen
- Startupticker.ch – «Anapaya's inks major client deal to launch SCION across three continents», 13. Oktober 2026 (Medienmitteilung)




