Der Zuger Konzern Sika hat am 21. Oktober 2026 eine Vereinbarung zur Übernahme des Klebstoffgeschäfts des japanischen Chemiekonzerns Resonac bekannt gegeben. Diese Sparte beliefert vor allem Kunden aus der Automobilindustrie in Asien. Der Preis wird nicht veröffentlicht, der Abschluss wird für Mitte 2027 erwartet.
Was übernimmt Sika von Resonac?
Sika übernimmt ein Geschäft, das Klebstofftechnologien entwickelt, herstellt und verkauft, hauptsächlich für die Automobilindustrie. Laut der Medienmitteilung von Sika nimmt die Sparte beim Kleben von Fahrzeuginnenräumen eine führende Stellung ein.
Der Perimeter ist asiatisch. Die Sparte verfügt über Verkaufsteams und Produktionsstandorte in Japan, China und Taiwan. Drei Produktionsstandorte kommen so zum Netzwerk des Konzerns hinzu, wie die Nachrichtenagentur AWP meldet.
Sika führt drei Argumente an:
- einen verstärkten Zugang zu den grossen Zulieferern der japanischen Automobilhersteller, die Sika weltweit bedienen will;
- ein integriertes Produktionsnetzwerk für die Region Asien-Pazifik, mit als bedeutend angekündigten Kostensynergien;
- in Taiwan eine Basis für neue Segmente, darunter Lösungen für Batterien.
Preis und Umsatz: was Sika nicht veröffentlicht
Weder der Transaktionsbetrag noch der Umsatz der Sparte gehen aus den Mitteilungen hervor. Auch zur Zahl der Mitarbeitenden macht die Medienmitteilung keine Angaben. Es ist daher derzeit unmöglich, das Gewicht der Transaktion in einem Konzern abzuschätzen, der 2025 einen Umsatz von 11,2 Milliarden Franken erzielt hat.
Der einzige bekannte Termin ist der Abschluss, der für Mitte 2027 erwartet wird. Die Frist von mehr als sechs Monaten zwischen Vereinbarung und Abschluss wird in den Quellen nicht erklärt.
Klebstoffe als roter Faden der Übernahmen von Sika im Jahr 2026
Die Übernahme reiht sich in eine Serie von Transaktionen ein, die seit Februar 2026 angekündigt wurden und von denen mehrere Klebstoffe betreffen. Am 1. Oktober 2026 hatte Sika die Investoren zudem in seinem grössten Klebstoffwerk in Düdingen (frz. Guin) versammelt, um seine auf dieses Segment ausgerichtete Wachstumsstrategie vorzustellen.
| Datum | Transaktion | Land | Tätigkeit | Status |
|---|---|---|---|---|
| 13. Februar 2026 | Akkim | Türkei | Klebstoffe und Dichtstoffe | Übernahme am 3. September 2026 abgeschlossen |
| Erstes Quartal 2026 | Finja | Schweden | In den Quellen nicht angegeben | Übernahme abgeschlossen |
| 26. März 2026 | MESH AG | Schweiz | Robotergestützte Fertigung von Bewehrungen | Strategische Beteiligung, Finanzierungsrunde über 2,9 Millionen Franken |
| 9. Oktober 2026 | Azpects | Vereinigtes Königreich | Polymersande für den Garten- und Landschaftsbau | Übernahme vereinbart |
| 21. Oktober 2026 | Klebstoffsparte von Resonac | Japan, China, Taiwan | Klebstoffe für die Automobilindustrie | Vereinbarung unterzeichnet, Abschluss Mitte 2027 erwartet |
Am 9. Oktober 2026 hatte Sika zudem das britische Unternehmen Azpects übernommen. Die Übernahmen tragen bereits zum Wachstum bei: Im ersten Halbjahr 2026 steuerten sie 1,1 Prozentpunkte zum Umsatzplus von 4,0 % in Lokalwährungen bei, gegenüber 2,9 % organischem Wachstum.
Im August 2026 hat Sika ausserdem eine erste Hybridanleihe über 1 Milliarde Euro in zwei Tranchen zu je 500 Millionen Euro platziert.
Asien und die Automobilindustrie in der Strategie von Sika
Mit Resonac stärkt Sika vor allem seine industriellen Absatzmärkte. Der Spezialist für Bauchemie gewinnt damit Kunden in der asiatischen Automobilindustrie sowie ein Technologieportfolio, das als Ergänzung zum eigenen gilt.
Asien bleibt eine erklärte Expansionsachse. Im April 2026 hatte der Konzern eine Tochtergesellschaft in Kirgistan eröffnet und sein Netz damit auf 103 Landesgesellschaften erweitert. «Diese Akquisition wird unser Klebstoffgeschäft in Asien stärken», sagt Philippe Jost, Regionalverantwortlicher Asien-Pazifik von Sika, in der Medienmitteilung.
Was die Übernahme für den Zuger Konzern ändert
Die Auswirkungen auf die Rechnung lassen sich mangels Daten zur Sparte noch nicht beziffern. Der Rahmen hingegen ist bekannt. Per 28. Juli 2026 strebte Sika für das Jahr ein Umsatzwachstum von 3 % bis 6 % in Lokalwährungen und eine EBITDA-Marge, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, von 19,0 % bis 19,5 % an.
Diese Ziele lassen sich auf zwei Arten lesen. Die Wachstumsspanne wurde gegenüber April 2026, als 1 % bis 4 % erwartet wurden, angehoben. Jene der Marge wurde hingegen gesenkt: Sie lag damals bei 19,5 % bis 20,0 %. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte die EBITDA-Marge 19,0 %, gegenüber 18,4 % für das gesamte Jahr 2025.
Sika kündigt Kostensynergien mit Resonac an, ohne sie zu beziffern. Sie kommen zu einem Zeitpunkt, an dem das Sparprogramm Fast Forward im Jahr 2026 Einsparungen von 80 Millionen Franken bringen soll. Sika erwartet davon bis 2028 einen zusätzlichen EBITDA-Beitrag von 150 bis 200 Millionen Franken: Es handelt sich um ein Ziel, nicht um ein Ergebnis.
Was noch nicht bekannt ist
- Der an Resonac bezahlte Preis und die gewählte Art der Finanzierung.
- Umsatz, Rentabilität und Personalbestand der übernommenen Sparte.
- Der Anteil, den Industrieklebstoffe nach der Integration am Umsatz von Sika ausmachen werden.
- Die vor dem Abschluss erforderlichen Genehmigungen: Weder die Medienmitteilung noch die Agenturmeldung erwähnen eine Prüfung durch Wettbewerbsbehörden.
- Allfällige Auswirkungen auf Standorte und Arbeitsplätze in der Schweiz, zu denen sich die Mitteilungen nicht äussern.




