Der Schweizer Handelsdienstleistungskonzern DKSH hat am Montag, 19. Oktober, bekanntgegeben, dass seine Division Healthcare Newbridge Pharmaceuticals übernimmt, einen in Dubai ansässigen Vertreiber von Spezialmedikamenten. Der Preis bezieht sich auf sämtliche Aktien und beläuft sich auf 390 Millionen Dollar, wie aus der von der Nachrichtenagentur Keystone-SDA und von SWI swissinfo.ch aufgegriffenen Mitteilung hervorgeht.

Was DKSH mit Newbridge kauft

Newbridge wurde 2010 gegründet und vertreibt Medikamente gegen seltene und komplexe Krankheiten. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 300 Personen und ist in 14 Märkten im Nahen Osten und in Nordafrika tätig, von denen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die wichtigsten sind. Zu seinen Bereichen gehören insbesondere Onkologie, Neurologie, Immunologie und Gastroenterologie.

Newbridge beschränkt sich nicht auf den Vertrieb: Das Unternehmen begleitet Pharmaunternehmen auch bei der Lancierung ihrer Produkte und beim Marktzugang. Das bisherige Managementteam soll nach der Übernahme im Amt bleiben.

Gesundheit als erklärter Wachstumsmotor von DKSH

In der Mitteilung erklärt DKSH-CEO Stefan Butz, die Erbringung ausgelagerter Marketingdienstleistungen für Pharmaunternehmen sei in den letzten Jahren ein wichtiger Wachstumsmotor gewesen. Mit Newbridge will der Konzern nach eigenen Angaben auch sein Geschäft mit Medikamenten gegen seltene Krankheiten ausbauen. Es handelt sich dabei um eine Aussage der Konzernleitung: Die Zahlen der Division Healthcare sind in der Ankündigung nicht enthalten.

Für 2027 rechnet DKSH bei Newbridge mit einem Umsatz von rund 385 Millionen Dollar und mit einer EBITDA-Marge im hohen einstelligen Bereich. Es handelt sich um Prognosen, nicht um ausgewiesene Ergebnisse. Dem Preis gegenübergestellt zeigen diese Zahlen, dass DKSH ungefähr den Gegenwert eines Jahres der erwarteten Umsätze bezahlt. Der Konzern geht davon aus, dass die Transaktion ab ihrem Abschluss das Umsatzwachstum, die bereinigte EBIT-Marge und den Gewinn pro Aktie verbessern wird.

Eine Premiere im Nahen Osten für die Division Healthcare

Laut der Mitteilung ist diese Übernahme der erste Vorstoss von DKSH Healthcare in den Nahen Osten und nach Nordafrika. Bisher hatte sich die Division auf die Region Asien-Pazifik konzentriert. Die Veränderung ist also in erster Linie geografischer Natur: DKSH überträgt ein Geschäft, das es bereits betreibt, auf eine neue Region, nämlich die Rolle des Vermittlers zwischen Pharmaunternehmen und lokalen Märkten.

Dieses Modell reiht sich in eine lange Geschichte als Familienunternehmen ein. Ein im Februar 2013 veröffentlichter Artikel von swissinfo erinnerte daran, dass die Familien Diethelm und Keller im Vorjahr ihre Kontrolle über DKSH mit dem Börsengang des Konzerns verwässert hatten. Damit trat das damals grösste Privatunternehmen der Schweiz in eine neue Phase ein.

Finanzierung über Fremdkapital und Zeitplan

Die Übernahme wird mit Fremdkapital finanziert. DKSH geht davon aus, dass ihm genügend finanzieller Spielraum für weitere Übernahmen bleibt, und seine derzeitige Dividendenpolitik soll unverändert bleiben. Zwei Lesarten sind möglich: Die zusätzliche Verschuldung belastet die Bilanz, doch der Konzern stellt sie als vereinbar mit der Fortsetzung seiner Akquisitionsstrategie dar. Die Ankündigung nennt nicht die Höhe der Gesamtverschuldung nach der Transaktion, was es unmöglich macht, deren Gewicht genau zu beurteilen.

Der Abschluss wird bis Ende des ersten Quartals 2027 erwartet, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen. Für die Schweiz bleibt die direkte Auswirkung offen: Die Ankündigung erwähnt keine Folgen für die Arbeitsplätze des Konzerns im Land. Die Transaktion betrifft vor allem die internationale Präsenz eines an der Schweizer Börse kotierten Unternehmens.

Quellen

  • SWI swissinfo.ch: «Swiss group DKSH expands into Middle East with major acquisition»