Ein kostenloser Workshop, um zu lernen, wie man nicht mehr in die Falle tappt: Die Einladung wirkte wie ein guter Sicherheitsreflex. Laut einer bei der Polizei in Singapur eingereichten Anzeige soll die Veranstaltung «Don’t Get Played», die am Rande der Messe TOKEN2049 organisiert wurde, ihre Gäste jedoch dazu gedrängt haben, eine Software zur Fernsteuerung zu installieren. Was dieses Dokument enthält, was noch zu klären ist und wie diese Art von Betrug funktioniert.

Was in der Anzeige steht

Der Fall stützt sich auf eine einzige Seite. Am 12. Oktober veröffentlichte das Konto SolanaFloor auf X die Seite 2 von 6 eines Berichts der Singapore Police Force, dessen Strichcode das Datum 11. Oktober 2026 trägt, berichtet Journal du Coin. Der Anzeigeerstatter richtet sich darin gegen eine Gruppe, die unter drei Namen auftreten soll: «Apex Accelerator», «Stone Venture» und «Don’t Get Played».

Gemäss dieser Anzeige fand die Veranstaltung am Sonntag, 11. Oktober, von 18 bis 22 Uhr im Singapore EDITION statt, einem Luxushotel. Die Organisatoren sollen dort «Druck auf die Teilnehmenden ausgeübt» haben, damit sie eine Software installieren, die die Fernsteuerung ihres Computers ermöglicht. Das Dokument erwähnt zudem eine Website und eine Telegram-Gruppe, der man nur über diese Website beitreten kann. Der Anzeigeerstatter gibt an, nichts installiert zu haben, und meldet keinen finanziellen Verlust.

Was noch zu klären ist

Eine Polizeianzeige bleibt die Darstellung eines Anzeigeerstatters. Bis zum 13. Oktober hatte sich die singapurische Polizei nicht öffentlich zum Fall geäussert, und in den veröffentlichten Unterlagen ist keine Anklage ersichtlich. Kein Opfer, das einen Schaden erlitten hat, hat sich gemeldet. «Apex Accelerator» und «Stone Venture» haben nicht öffentlich reagiert, und der Name der betreffenden Software ist nicht bekannt.

Wie diese Art von Betrug funktioniert

Der Kontext erklärt das Interesse der Betrüger. Die TOKEN2049 Singapore fand am 7. und 8. Oktober 2026 statt, und die ganze Woche über kreisen Hunderte von Nebenveranstaltungen um die Messe. Gründer und Trader reisen oft mit ihren Krypto-Wallets auf einem Laptop an.

Der Mechanismus ist einfach. Eine Fernwartungssoftware erlaubt es einer Drittperson, den Bildschirm zu sehen und die Dateien des Geräts zu öffnen. Viele Nutzerinnen und Nutzer bewahren ihre Wiederherstellungsphrase, die 12 oder 24 Wörter, die Zugang zu einem Wallet geben, jedoch in einer einfachen Textdatei auf. Sobald diese Datei kopiert ist, kann ein Wallet innert weniger Minuten geleert werden, ohne jede Rückgriffsmöglichkeit: Kryptoüberweisungen lassen sich nicht rückgängig machen.

Das Vorgehen ist nicht neu. Journal du Coin vergleicht es mit den Scheinfirmen, welche die nordkoreanische Gruppe Lazarus gründete, um Entwickler in die Falle zu locken. In einer am 2. Juli 2026 veröffentlichten Mitteilung meldete die Polizei in Singapur zudem mindestens 30 Anzeigen seit Mai im Zusammenhang mit falschem technischem Support, der Microsoft und Crypto.com imitierte, mit Verlusten von mehr als einer Million Singapur-Dollar. Nach falschen Recruitern und falschen Videoterminen erscheint der falsche Cybersicherheitstrainer als eine weitere Variante.

Die richtigen Reflexe

Wer solche Konferenzen besucht, auch von der Schweiz aus, sollte unabhängig vom Rahmen einige Vorsichtsregeln beachten. Niemals auf Aufforderung einer unbekannten Person eine Fernzugriffssoftware installieren, auch wenn sie sich als Trainer oder technischer Support ausgibt. Die Wiederherstellungsphrase nicht in einer Datei auf dem Computer aufbewahren. Im Zweifelsfall den Vorfall der Polizei melden und in der Schweiz dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS).

Personen, die an jenem Abend den Installationsanweisungen gefolgt sind, empfiehlt Journal du Coin, das Gerät als kompromittiert zu betrachten: die Mittel von einem anderen Gerät aus auf eine neue Adresse überweisen, das Tool deinstallieren, die Passwörter ändern und danach das System neu installieren, und vor allem kein zweites Programm von derselben Website herunterladen, «um nachzuprüfen».

Quellen