ANYbotics, ein Spin-off der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich), das vierbeinige Inspektionsroboter herstellt, hat mit der Auslieferung der ersten ANYmal X begonnen. Laut der von Startupticker.ch am 28. Oktober 2026 verbreiteten Medienmitteilung richtet sich das Modell an Öl-, Gas- und Chemieanlagen, in denen die Atmosphäre explosionsfähig werden kann. Equinor und DSM-Firmenich gehören nach sieben Jahren Entwicklung zu den ersten belieferten Kunden.
Was ANYbotics mit dem ANYmal X liefert
ANYbotics bezeichnet den ANYmal X als weltweit ersten vierbeinigen Inspektionsroboter, der für diese Risikobereiche konzipiert ist. Das ist eine Behauptung des Unternehmens, die die Medienmitteilung mit keinem Vergleich belegt. Der Roboter führt autonome Inspektionsrundgänge durch, ohne dass der Betreiber seine Anlage anpassen muss. Er steigt steile Treppen hinauf und bewegt sich auf schmalen Laufstegen.
Der Roboter ist mit Wärme-, Bild-, Akustik- und Gassensoren ausgestattet. Sie erkennen Überhitzungen, Lecks, ungewöhnliche Geräusche und den Verschleiss von Anlagen. Jede Messung wird der inspizierten Maschine zugeordnet. Die Instandhaltungsingenieure verfügen so über eine Referenz, um den Zustand ihrer Anlagen langfristig zu verfolgen. Das erklärte Ziel: eingreifen, bevor eine kleine Anomalie einen kostspieligen Stillstand des Werks erzwingt.
Der ANYmal X wird nicht als Einzelmaschine verkauft. Er läuft auf Shift, der Betriebsplattform von ANYbotics für die autonome Industrieinspektion. Shift plant die Einsätze, ordnet die Befunde nach Anlage und verfolgt ihre Entwicklung. Die Plattform lässt sich mit der Software verbinden, welche die Werke bereits nutzen, darunter jene von SAP, Yokogawa und SLB. Das Ganze wird nach der Informationssicherheitsnorm ISO 27001 entwickelt und betrieben.
Sieben Jahre Entwicklung und Tests bei Ölkonzernen
Die Entwicklung des ANYmal X begann 2019. Über sein Early-Access-Programm liess ANYbotics ihn von BP, Equinor, Shell, PETRONAS, Petrobras, BASF und SLB testen. Diese ersten Nutzer erprobten ihn in Hunderten von Einsätzen, an Land und auf See. Ihre Rückmeldungen aus der Praxis dienten dazu, die Industrieversion auszuarbeiten.
Der angekündigte Schritt ist eine Markteinführung, keine Finanzierungsrunde und keine neue Partnerschaft. Die Medienmitteilung erwähnt keine Finanzierung. Sie nennt weder den Preis des Roboters noch die Zahl der Einheiten, die derzeit ausgeliefert werden.
Was Explosionsschutz bedeutet
Laut Medienmitteilung ist der ANYmal X darauf ausgelegt, die Explosionsschutznormen zu erfüllen: ATEX (explosionsfähige Atmosphären) in Europa und IECEx weltweit. In einem Bereich, in dem entzündliche Gase in der Luft liegen, genügt ein Funke oder eine zu heisse Oberfläche, um einen Unfall auszulösen. Daher eine defensive Konstruktion, Bauteil für Bauteil:
- der Computer für künstliche Intelligenz (KI) und die Inspektionsinstrumente sitzen in dichten, mit Stickstoff gefüllten Kammern;
- nichtmetallische Schalen isolieren die Metallkomponenten;
- leitfähige Füsse sorgen für die Erdung;
- automatische Abschaltungen überwachen die Temperatur;
- die zwölf Aktuatoren der Beine und die Batterie sind durch druckfeste Gehäuse geschützt;
- Laden und Datenübertragung laufen über Energiebarrieren, sodass keine Verbindung dem Gefahrenbereich ausgesetzt ist.
Die Bordsoftware prüft den Zustand des Roboters vor, während und nach jedem Einsatz. ANYbotics testet zudem seine Beständigkeit gegen Stösse, Vibrationen, Korrosion, Sonneneinstrahlung und Salznebel. Ziel ist es zu überprüfen, dass die Schutzvorkehrungen im normalen Betrieb standhalten.
Für Thierry Obédé, Verkaufsdirektor von ANYbotics, reicht Konformität allein für den Verkauf nicht aus. «Ein zertifizierter Roboter ist nur die Eintrittskarte, um Öl-, Gas- und Chemieanlagen zu inspizieren», sagt er in der Medienmitteilung. Er präsentiert den ANYmal X als vollständige Inspektionslösung, ausgelegt auf Leistung, Betriebssicherheit und Schutz.
ANYbotics in Zahlen
Die verfügbaren Zahlen stammen aus zwei Quellen: der Medienmitteilung vom 28. Oktober 2026 und dem Dossier des Magazins PME zur Schweizer Robotik, das 2clics am 21. Oktober 2026 aufgegriffen hat.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Gründungsjahr | 2016 | PME |
| Beginn der Entwicklung des ANYmal X | 2019 | Medienmitteilung |
| Mitarbeitende | Mehr als 200 | PME |
| Aufgenommenes Kapital | Rund 120 Millionen Franken | PME |
| Kunden in Energie, Metallen und Werkstoffen | Mehr als 50 | Medienmitteilung (Thierry Obédé) |
| Autonome Inspektionen pro Monat | Mehr als 120'000 | Medienmitteilung (Thierry Obédé) |
| Erfasste Inspektionspunkte pro Monat | Mehr als 150'000 | PME |
Die beiden letzten Zahlen messen nicht dasselbe. Die eine zählt Inspektionen, die andere die von der Flotte erfassten Messpunkte. Sie lassen sich nicht addieren und erlauben keine Berechnung eines Wachstums. Laut PME sortiert die KI diese Daten, um Anomalien aufzuspüren, doch bei ihrer Interpretation behält der Mensch das letzte Wort.
Was der Schritt über die Schweizer Robotik aussagt
ANYbotics dient im Dossier von PME über die Stellung der Schweizer Robotik gegenüber China als Referenz. Jan Kerschgens, Co-Leiter des Schweizer Zentrums für digitale Souveränität, sieht den Trumpf des Landes in der Integration eingebetteter KI in die Industrierobotik. Er benennt auch die Schwachstelle: den Mangel an inländischem Wachstumskapital.
Im selben Dossier rät Christian Jansen, Partner bei McKinsey & Company, Schweizer Unternehmen davon ab, bei den Stückzahlen zu konkurrieren. Er empfiehlt, die Sicherheit in die Produkte zu integrieren und vollständige Subsysteme statt Komponenten zu verkaufen. Auf dem Papier erfüllt der ANYmal X diese Kriterien: ein integrierter Explosionsschutz und ein Roboter, der mit seiner Softwareplattform geliefert wird. Ob die Verkäufe folgen, bleibt abzuwarten.
Andere junge Schweizer Robotikunternehmen befinden sich in sehr unterschiedlichen Phasen. Die Tabelle ordnet sie anhand der Artikel von 2clics ein. Sie bietet Anhaltspunkte, keine Rangliste.
| Unternehmen | Spezialgebiet | Letzter bekannter Schritt |
|---|---|---|
| ANYbotics | Vierbeinige Inspektionsroboter | Auslieferung der ersten ANYmal X, Oktober 2026 |
| Distalmotion | Chirurgieroboter DEXTER | Darlehen von bis zu 70 Millionen Dollar, Oktober 2026 |
| Enact Intelligence (Zürich) | Kraft- und berührungsempfindliche Roboter | Pre-Seed-Finanzierung von 30 Millionen Dollar, Oktober 2026 |
| Flexion (Zürich) | «Gehirn» für humanoide Roboter | Finanzierungsrunde von 50 Millionen Dollar im Jahr 2025 |
Der Vergleich zeigt, wie weit ANYbotics bereits ist. Am 22. Oktober 2026 erhielt das Zürcher Start-up Enact Intelligence 30 Millionen Dollar, ohne dass schon ein Roboter im Einsatz ist. Das Medtech-Unternehmen Distalmotion finanziert seinen Chirurgieroboter über Fremdkapital, um in die USA zu expandieren. ANYbotics hingegen geht von Pilotversuchen zur Auslieferung eines Industrieprodukts über. Das Dossier von PME nennt zudem Ascento, ein weiteres Spin-off der ETH Zürich, das auf Sicherheitsroboter spezialisiert ist.
Was noch unbekannt ist
- Der Preis des ANYmal X und sein Vertriebsmodell, Kauf oder Abonnement, sind nicht veröffentlicht.
- Die Zahl der ausgelieferten Roboter und der Zeitplan der Lieferungen bleiben unbekannt.
- Die Medienmitteilung bezeichnet den Roboter als darauf ausgelegt, die Normen ATEX und IECEx zu erfüllen, nennt aber weder die Zertifizierungsstelle noch die abgedeckten Zonenkategorien.
- Unter den ersten belieferten Kunden wird keiner in der Schweiz genannt.
- Umsatz und Rentabilität von ANYbotics finden sich in keiner der Quellen.
Quellen
- Startupticker.ch: erste ANYmal X für explosionsgefährdete Bereiche (auf Englisch, 28. Oktober 2026)
- 2clics.com: «Schweizer Robotik und künstliche Intelligenz: Welcher Platz gegenüber China?» (21. Oktober 2026), nach dem Magazin PME




