Die Schweizer Sportstech-Branche zählt 402 Unternehmen, wie der erste Swiss Sportstech Report zeigt, der am 23. Oktober 2026 veröffentlicht wurde. Die von Swiss Olympic in Auftrag gegebene Studie schätzt den Umsatz der Branche auf 8 Milliarden Franken und ihre Beschäftigung auf rund 17'000 Vollzeitäquivalente. Der Befund ist zweischneidig: ein junges und dynamisches Gefüge, doch das Wachstumskapital stammt vor allem aus dem Ausland.

Wer die Studie durchgeführt hat und wie

Swiss Olympic hat diese erste umfassende Bestandesaufnahme der Branche mit einer breiten Allianz aus Sport, Industrie und Wirtschaftsförderung lanciert. Swiss Olympic ist zugleich das Nationale Olympische Komitee und der Dachverband des Schweizer Sports. Als Dachverband vereint er gemäss seiner Website 86 nationale Sportverbände und 30 Partnerorganisationen, also rund 18'440 Vereine. Durchgeführt haben die Arbeit die Beratungsunternehmen PwC und Generis, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtet, zitiert von Swissinfo. Der Bericht kann auf der Website von Swiss Olympic heruntergeladen werden.

Erklärtes Ziel ist es, die Branche sichtbar zu machen und ihre Akteure zu identifizieren. Bisher kannte man vor allem die in der Schweiz ansässigen Weltmarktführer wie On und Sportradar. Der Rest der Branche war kaum dokumentiert, hält Startupticker.ch fest.

Welche Unternehmen erfasst werden

Der Untersuchungsrahmen der Studie ist genau umrissen, und er bestimmt sämtliche Zahlen. Ein Unternehmen gilt als Sportstech, wenn seine Lösung ausdrücklich oder hauptsächlich für den Sport entwickelt wurde. Es zählt auch dann, wenn es eine Technologie bewusst für eine sportliche Nutzung angepasst hat.

  • Der Sport muss nicht der Hauptmarkt des Unternehmens sein.
  • Bei diversifizierten Konzernen wird nur der sportbezogene Anteil des Umsatzes berücksichtigt.
  • Arbeitsplätze zählen nur, wenn sie sich in der Schweiz befinden und der Sportstech-Tätigkeit zugeordnet sind.
  • Sie werden in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) ausgewiesen.

Die Kennzahlen der Branche

Die Bestandesaufnahme erfasst 402 Unternehmen, verteilt auf alle 26 Kantone. Start-ups und Scale-ups, also Jungunternehmen in der Expansionsphase, machen knapp zwei Drittel davon aus.

KategorieAnteil der erfassten Unternehmen
Start-ups34 %
Scale-ups28 %
KMU34 %
Grossunternehmen3 %

Die Branche ist laut dem von Swissinfo zitierten Bericht mit der Biotechnologie vergleichbar. Der Umsatz ist jedoch stark konzentriert: Rund 10 % der Unternehmen erzielen mehr als 90 % der Einnahmen. Mehrere Schweizer Firmen nehmen international eine führende Stellung ein.

Die grosse Mehrheit ist kommerziell noch jung. Drei Viertel der befragten Unternehmen erwirtschaften im Sport weniger als eine Million Franken. Ein Fünftel erzielt noch gar keine Einnahmen. Die meisten haben noch keine erste Wachstumsrunde abgeschlossen.

Ein Schweizer Markt, der zu klein ist, um allein zu wachsen

Für viele dieser Unternehmen steht der Export bereits im Zentrum des Geschäftsmodells. 43 % von ihnen erzielen mehr als die Hälfte ihres Sportumsatzes im Ausland. Für die Autoren scheint der Binnenmarkt zu klein, als dass die meisten dieser Modelle aus eigener Kraft eine kritische Grösse erreichen könnten.

Internationalisierte Unternehmen weisen bessere Ergebnisse aus. Die Studie warnt jedoch, dass sie Ursache und Selektionseffekt nicht auseinanderhalten kann. Anders gesagt: Nichts beweist, dass der Export leistungsfähiger macht. Vielleicht sind die besten Unternehmen einfach diejenigen, die exportieren.

Wachstumskapital aus dem Ausland

Die Finanzierung ist die Schwachstelle, die die Studie benennt. In der Stichprobe der veröffentlichten Transaktionen erreicht das beobachtete Volumen insgesamt rund 50 Millionen Dollar pro Jahr. Das ist weniger, als vergleichbare Schweizer Technologiebranchen anziehen.

Schweizer Investoren beteiligen sich an den meisten Finanzierungsrunden. Sie machen jedoch nur rund 12 % des veröffentlichten Volumens aus. Das Wachstumskapital stammt vor allem aus dem Ausland. In der Schweiz gibt es keinen auf Sportstech spezialisierten Fonds.

Die Autoren leiten daraus eine ungleiche Abdeckung ab. Fördergelder und Startkapital bleiben zugänglich, doch Schweizer Kapital für die Skalierung ist knapp.

Eine vor allem physische Branche

Der Schwerpunkt der Schweizer Sportstech liegt bei der Hardware. Dazu gehören Ausrüstung, Bekleidung, Materialien und zunehmend mit Sensoren ausgestattete Produkte. Dieses Know-how dient auch anderen Märkten als dem Sport. Ein Teil der grossen Unternehmen der Branche sind diversifizierte Industriekonzerne, für die der Sport nur eine Anwendung unter vielen ist.

Die Stärken der Schweiz

Die Schweiz startet laut dem Bericht mit soliden Vorteilen. Mehr als 4600 aktive Patente mit Sportbezug zeugen von der Stärke ihrer Forschung. Das Land beherbergt rund 60 internationale Sportverbände, darunter das Internationale Olympische Komitee (IOC), die FIFA und die UEFA. Zudem weist es eine der höchsten Sportbeteiligungsquoten Europas auf.

Der Weltmarkt bietet eine Wachstumsperspektive, die als Prognose und nicht als Gewissheit zu lesen ist. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) rechnet damit, dass die Sportwirtschaft von heute rund 2300 Milliarden Dollar auf 8800 Milliarden im Jahr 2050 wächst.

Was die Autoren empfehlen

Die Studie schlägt vor, die Schaffung einer nationalen Sportstech-Organisation zu prüfen. Es handelt sich um eine Empfehlung, nicht um ein beschlossenes Projekt. Diese Struktur hätte mehrere Aufgaben:

  • Industrie und Sport systematisch zusammenbringen;
  • die Vernetzung der Akteure verbessern;
  • die internationale Sichtbarkeit der Branche stärken und ihr eine Stimme geben;
  • zusätzliches Kapital mobilisieren.

Die Unternehmen bleiben optimistisch: 88 % der Befragten erwarten in den nächsten zwei Jahren einen höheren Umsatz. Für Mike Kurt, Mitautor der Studie, kann die Branche der Schweiz helfen, neue Märkte zu erschliessen, die Innovation zu beschleunigen und den Spitzensport zu stärken.

Was die Studie noch nicht sagt

Die veröffentlichten Berichte schlüsseln die Verteilung der Unternehmen nach Kanton oder Region nicht auf. Man weiss also nicht, welches Gewicht die Romandie, die Deutschschweiz oder das Tessin haben. Sie nennen auch keine Beispiele aus der Romandie.

Weitere Grenzen liegen in der Methode. Umsatz und Beschäftigung sind Schätzungen. Die investierten Beträge beziehen sich nur auf veröffentlichte Transaktionen. Schliesslich bleibt der Zusammenhang zwischen Export und Leistung eine Korrelation, kein nachgewiesener Kausalzusammenhang.

Quellen