Die nächsten Startup-Gründerinnen und -Gründer in Genf schon im Hörsaal ausbilden: Darauf setzt Geneva Student Entrepreneurs (GSE), ein Verein, der am 22. Oktober 2026 angekündigt wurde. Er startet mit einer Zusage von 300'000 Franken der Proton-Stiftung, von Sonar und der Genfer Stiftung für technologische Innovation (FONGIT), um das Unternehmertum an den Hochschulen des Kantons sichtbar zu machen.

Die Initiative wurde in einer Medienmitteilung vorgestellt, die Startupticker.ch verbreitet hat. Unterstützt wird sie auch von der Universität Genf (UNIGE) und vom Kanton Genf. Erster öffentlicher Termin: ein Glaswürfel auf der Plaine de Plainpalais, vom 26. bis 30. Oktober 2026.

Wer finanziert Geneva Student Entrepreneurs, und mit welchen Mitteln?

Die Finanzierung stützt sich auf drei Genfer Akteure. Die Proton-Stiftung ist die Hauptaktionärin der Proton AG, des Genfer Technologieunternehmens. Sonar, ein weiteres Genfer Technologieunternehmen, wird zusammen mit Proton als eines der beiden Einhörner des Kantons vorgestellt. Die FONGIT ist der traditionsreiche Startup-Inkubator des Kantons.

Gemeinsam verpflichten sie sich laut Medienmitteilung zu 300'000 Franken. Der Text nennt weder den Anteil der einzelnen Partner noch die Dauer dieser Zusage.

Man muss die Dinge klar auseinanderhalten. Es handelt sich nicht um eine Finanzierungsrunde: GSE ist ein Verein, kein Startup. Es ist eine Lancierung, getragen von einer Partnerschaft zwischen privaten und öffentlichen Akteuren. Proton, Sonar und die FONGIT bringen Geld, ihre Erfahrung als Unternehmer und eine erste Plattform für den Aufbau des Clubs ein.

Für wen: alle Studierenden des Kantons, ohne Businessplan

GSE lässt sich an der UNIGE nieder, mit einem «Hacker»-Raum, der den Studierenden vorbehalten ist. Doch der Club versteht sich als kantonal. Er steht Studierenden und jungen Forschenden aller Genfer Hochschulen und Forschungseinrichtungen offen.

Seine Website nennt die UNIGE, die Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) und die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN). Physikerinnen, Biologen, Ingenieurinnen, Designer, Juristinnen oder Ökonomen: Alle sind angesprochen, vom ersten Studienjahr bis zum Doktorat.

Die Einstiegshürde ist tief, so die Website des Vereins:

  • Die Mitgliedschaft ist für Studierende kostenlos;
  • es braucht weder eine Idee noch ein Team noch eine betriebswirtschaftliche Ausbildung;
  • niemand verlangt einen Businessplan.

Die Leitung soll an die Studierenden übergehen. Vorerst sitzen Andy Yen, Gründer und CEO von Proton, und Olivier Gaudin, Gründer und Präsident von Sonar, im Vorstand des Vereins. Ziel ist es, studentische Verantwortliche zu rekrutieren und ihnen nach und nach das Steuer zu übergeben, nach dem Motto «von Studierenden, für Studierende».

Für den Start stützt sich GSE auf Néstor Kontaxakis, ehemaliger Vizepräsident des ETH Zurich Entrepreneurs Club, des Unternehmerclubs der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Der Verein rekrutiert bereits Studierende, um die Veranstaltungen zu organisieren und die Community an jedem Campus wachsen zu lassen.

Erster Termin: ein Glaswürfel auf der Plainpalais

GSE startet mit der InCube Challenge, einem Wettbewerb, der in der ganzen Schweiz präsent ist. Vom 26. bis 30. Oktober 2026 beziehen studentische Gründerinnen und Gründer einen Glaswürfel mitten auf der Plaine de Plainpalais. Fünf Tage lang arbeiten sie an echten technologischen Herausforderungen, vor den Augen der Passantinnen und Passanten.

Das weitere Programm wird nur in allgemeinen Zügen angekündigt. Die Medienmitteilung und die Website erwähnen:

  • praktische Workshops zu Team, Finanzierung, Schutz einer Idee und Pitch;
  • Hackathons und Startup-Wettbewerbe;
  • direktes Mentoring durch Unternehmerinnen und Unternehmer;
  • Unterstützung auf dem Weg in die Inkubation, sobald ein Projekt bereit ist.

Warum einen studentischen Unternehmerclub in Genf gründen?

Die Ausgangsdiagnose ist streng. «Im Vergleich zu anderen grossen Hochschul-Ökosystemen in der Schweiz und im Ausland wird Unternehmertum an den Genfer Hochschulen weder besonders gefeiert noch ist es sehr sichtbar», sagt Andy Yen in der Medienmitteilung. Viele Talente denken seiner Ansicht nach gar nicht daran oder wissen nicht, wo sie anfangen sollen.

Olivier Gaudin verweist auf die jüngsten Erfolge. Ihm zufolge hat das Genfer Tech-Ökosystem in 10 Jahren mehrere Einhörner hervorgebracht, ein Beweis dafür, dass die Region mithalten kann. Die Medienmitteilung fügt hinzu, dass ein guter Teil der wissenschaftlichen Exzellenz Genfs noch in neue Unternehmen münden könnte.

Der Kanton folgt dieser Logik. Für Staatsrätin Delphine Bachmann, Vorsteherin des Departements für Wirtschaft, Beschäftigung und Energie, ist die Ausbildung der nächsten Unternehmergeneration einer der vier Pfeiler des Innovations-Masterplans. Sie sieht in GSE das öffentlich-private Modell der Genfer Strategie: Lokale Unternehmer finanzieren, öffentliche Institutionen unterstützen, Studierende steuern.

An der UNIGE sieht Rektorin Audrey Leuba im Unternehmertum ein Mittel, um Wissen und wissenschaftliche Entdeckungen in eine positive Wirkung für die Gesellschaft umzusetzen. Die Medienmitteilung stellt GSE als eine von mehreren sich ergänzenden Initiativen dar, die an der Universität und im Genfer Ökosystem entstehen.

Startup in Genf: Wo sich GSE unter den bestehenden Angeboten einordnet

GSE setzt vor bereits bestehenden Instrumenten an. Die folgende Tabelle vergleicht drei Genfer Angebote, gestützt auf deren eigene Seiten und die Medienmitteilung.

AngebotFür wenWas es bietetAngekündigte Mittel
Geneva Student EntrepreneursStudierende und junge Forschende des KantonsCommunity, Workshops, Hackathons, Mentoring, Weiterleitung in die InkubationZusage von 300'000 Franken (Proton-Stiftung, Sonar, FONGIT)
Inkubationsprogramm der FONGITIdeenträgerinnen und -träger sowie Startups in der GründungsphaseCoaching, rechtliche, administrative und steuerliche Unterstützung, Workshops, Pitch-Training, Vorbereitung auf die FinanzierungMehr als 300 begleitete Startups in Genf, laut FONGIT
FIF, kantonales Programm zur InnovationsfinanzierungProjekte der Genfer Hochschulen und Institute, Startups und Technologie-KMU, die im Genfer Handelsregister eingetragen sindFinanzielle Unterstützung auf GesuchFIF Grant bis 50'000 Franken, FIF Seed bis 100'000 Franken, FIF Growth bis 400'000 Franken

Die FONGIT verweist auf mehr als 30 Jahre Tätigkeit. Ihre Website nennt zudem mehr als 1'800 geschaffene Arbeitsplätze in 10 Jahren, mehr als 1 Milliarde Franken, die von den begleiteten Startups aufgenommen wurden, sowie mehr als 500 Patente und neue Produkte. Diese Zahlen stammen vom Inkubator, ohne Angaben zur Methode.

Proton gilt als Vorzeigebeispiel aus dem eigenen Haus. Auf der Website der FONGIT erscheint Andy Yen unter den Erfahrungsberichten: «Die FONGIT hat weltweit nicht ihresgleichen; sie ermöglicht es, sich auf das Kernprodukt zu konzentrieren.»

Der FIF wiederum finanziert bereits ausgereifte Projekte. Seinem Auswahlkomitee gehören unter anderem Vertreterinnen und Vertreter der UNIGE, der HES-SO und des Kantons Genf an. Laut einer am 22. Oktober 2026 verbreiteten Medienmitteilung hat das kantonale Innovationsprogramm so vier Projekte aus den Genfer Hochschulen unterstützt.

Was sich für Studierende oder ein junges Startup ändert

Für neugierige Studierende ist der Zugang unmittelbar. Die Anmeldung erfolgt über die Website entrepreneurs.ch, und der Würfel auf der Plainpalais steht Besucherinnen und Besuchern zwischen zwei Vorlesungen offen. Interessierte Studierende und Lehrende können dort auch mit der Initiative Kontakt aufnehmen.

Für ein bereits strukturiertes Projekt ersetzt GSE die bestehenden Anlaufstellen nicht. Ein Genfer Startup, das den FIF anpeilt, muss sein Gesuch spätestens am 4. November 2026 einreichen. Das Auswahlkomitee tagt am 9. Dezember 2026.

Was man noch nicht weiss

  • Die Aufteilung der 300'000 Franken zwischen der Proton-Stiftung, Sonar und der FONGIT sowie die Dauer der Zusage.
  • Das Jahresbudget des Vereins und die geplante Verwendung der Mittel.
  • Der Zeitplan für die Übergabe der Leitung an die Studierenden.
  • Die Zahl der Studierenden, die GSE erreichen will, und die Kennzahlen, an denen sein Erfolg gemessen wird.
  • Die genaue Rolle der UNIGE und des Kantons Genf über ihre bekundete Unterstützung hinaus.

Quellen