Drei Jungunternehmen aus der Biotech-Branche melden Fortschritte in ihren klinischen Studien, wie aus einer am 14. Oktober von Startupticker.ch veröffentlichten Übersicht hervorgeht: Muvon Therapeutics bei der Belastungsinkontinenz, Neurosterix bei der Schizophrenie und Nuclidium beim Prostatakrebs. Die Kandidaten befinden sich nicht im gleichen Entwicklungsstadium, und ihre Fortschritte sind als das zu lesen, was sie sind: Meilensteine laufender Studien, keine Therapien, die Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen.
Muvon Therapeutics: Zwischenergebnisse nach 12 Monaten
Von Belastungsinkontinenz sind weltweit mehr als 150 Millionen Frauen betroffen, wie Startupticker.ch in Erinnerung ruft, und keine zugelassene Therapie setzt heute an der zugrunde liegenden Ursache an. Muvon Therapeutics entwickelt eine Therapie aus dem Tissue Engineering namens MPCCOL, die auf Muskelvorläuferzellen beruht. Das Unternehmen hat positive Zwischenergebnisse aus der Langzeit-Nachbeobachtungsstudie über 12 Monate seiner Phase-2-Studie SUISSE-MPC2 (registriert unter NCT05534269) bekannt gegeben. Gemäss dieser Mitteilung zeigte die Studie dauerhafte und klinisch relevante Vorteile für die Blasengesundheit der behandelten Patientinnen.
Die Methode verdient einen genaueren Blick. Unter örtlicher Betäubung wird eine kleine Biopsie aus dem Wadenmuskel entnommen. Daraus werden die körpereigenen Muskelvorläuferzellen der Patientin (man spricht von autologen Zellen) isoliert, vermehrt und anschliessend zum Endprodukt aufbereitet. Dieses wird mithilfe eines firmeneigenen, ultraschallgesteuerten Injektionssystems über die Harnröhre in den äusseren Harnröhrenschliessmuskel injiziert. Ziel ist es, den Muskel zu regenerieren und die Kontinenzfunktion wiederherzustellen.
Was zum jetzigen Zeitpunkt feststeht: Zwischenergebnisse der Phase 2, die das Unternehmen kommuniziert hat. Die Regeneration des Muskels bleibt das Ziel der Therapie, kein Ergebnis, das sich verallgemeinern liesse.
Neurosterix: Phase 1 abgeschlossen, Phase 2 geplant
Neurosterix, ein Ableger von Addex Therapeutics, das 20 Prozent des Kapitals hält, hat eine mehrteilige klinische Phase-1-Studie zu NTX-253 abgeschlossen. Der Wirkstoff ist ein positiver allosterischer Modulator (PAM) des muskarinischen M4-Rezeptors, der zur Behandlung der Schizophrenie entwickelt wird. In die Studien wurden gesunde Freiwillige sowie Patientinnen und Patienten mit stabilisierter Schizophrenie einbezogen. Sie lieferten wichtige Daten zur Sicherheit und zur Pharmakokinetik, also zum Verhalten des Wirkstoffs im Körper.
Auf dieser Grundlage plant Neurosterix, NTX-253 in die Phase 2 zu überführen. Es handelt sich um eine Absicht, nicht um eine bereits gestartete Studie. Zudem betreffen die kommunizierten Daten die Sicherheit und die Pharmakokinetik, nicht die Wirksamkeit gegen die Krankheit.
Nuclidium: ein erster Patient in Phase 2
Nuclidium hat die Bildgebung beim ersten Patienten einer Phase-2-Studie durchgeführt, welche die diagnostische Genauigkeit und die Sicherheit seines Radiotracers 61Cu-NU101 bei Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs untersucht. Das Produkt ist ein Bildgebungsmittel für die Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Es verbindet Kupfer-61 von hoher radiochemischer Reinheit mit einem Targeting-Peptid, das spezifisch an das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) bindet, einen etablierten Biomarker dieser Krebsart.
Laut Startupticker.ch lässt sich 61Cu-NU101 in 5 Minuten bei Raumtemperatur herstellen, was eine Zubereitung bei Bedarf und eine Integration in die bestehende Spitalinfrastruktur ermöglicht. Es bildet den diagnostischen Teil des theranostischen Programms NU101 von Nuclidium, gekoppelt mit 67Cu-NU101, seinem therapeutischen Gegenstück. Eine Präzisierung drängt sich auf: Die nun beginnende Studie betrifft das Diagnoseinstrument, nicht die Behandlung.
Nuclidium wurde zudem in die «Fierce 15» aufgenommen, eine Auswahl, die Unternehmen auszeichnet, die den Anspruch verfolgen, die Arzneimittelforschung neu zu denken oder die Versorgung mit Isotopen für Radiopharmazeutika anders anzugehen.
Weitere Meldungen aus der Branche
Auch ReproNovo, gegründet von Jean Marie Duvall und im Bereich Fruchtbarkeit tätig, gehört zu den «Fierce 15». Ihre beiden Kandidaten, RPN-001 (Leflutrozol), das als mögliche Behandlung der männlichen Unfruchtbarkeit bei niedrigem Testosteronspiegel untersucht wird, und RPN-002 (Nolasiban), das die Chancen auf eine Einnistung des Embryos bei einer In-vitro-Fertilisation verbessern soll, befinden sich in Phase-2-Studien.
iOnctura wiederum hat in der Fachzeitschrift Nature Communications zwei sich ergänzende Studien zu Roginolisib veröffentlicht, einem PI3Kδ-Hemmer der neuen Generation, der selektiv auf die Konformation des Enzyms wirkt. Die erste beschreibt, wie der Wirkstoff PI3Kδ, ein an der Entstehung von Krebserkrankungen beteiligtes Enzym, in einem inaktiven Zustand blockiert, was ihn von anderen PI3Kδ-Hemmern unterscheidet. Die zweite stellt die Ergebnisse der ersten Studie am Menschen vor: ein günstiges Verträglichkeitsprofil und als ermutigend eingestufte klinische Beobachtungen bei Krebspatientinnen und -patienten, darunter beim metastasierten Uveamelanom. Laut dem Unternehmen stützen diese Ergebnisse die Weiterentwicklung von Roginolisib.
Basel: Labors für Start-ups
Bei der Infrastruktur lanciert der Switzerland Innovation Park Basel (SIP Basel) im Januar 2027 auf seinem Main Campus die ALLabs, ein Laborangebot, das speziell für Start-ups und kleine Unternehmen aus Biotech und Life Sciences konzipiert ist. Die privaten, voll ausgestatteten Labors mit einer Fläche von 25 bis 40 Quadratmetern ermöglichen es jungen Unternehmen, über ein eigenes Labor zu verfügen, ohne hohe Anfangsinvestitionen in die Infrastruktur tätigen zu müssen. Zusätzlich können Büros oder Coworking-Flächen gemietet werden.
SIP Basel will so die Eintrittshürden so tief wie möglich halten. Das Angebot steht Spin-offs und Start-ups mit Bezug zum Botnar Institute of Immune Engineering (BIIE) offen sowie weiteren Biotech- und Life-Sciences-Unternehmen, welche die Voraussetzungen erfüllen.
Quellen
- Startupticker.ch: «From positive clinical developments to support offers for biotech startups»




