Der Swiss Founders Fund (SFF), eine in der Frühphase tätige Risikokapitalgesellschaft, präsentiert die ersten Ergebnisse seines Arms für Unternehmensgründungen. Laut Startupticker.ch sind aus dem ersten Jahrgang von SFF Studio, einem 14-wöchigen Programm für erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer, drei Firmen hervorgegangen. Alle drei haben ihren Sitz in Zürich und sind im Bereich künstliche Intelligenz tätig: Sprach-KI, Datenschutz im Umgang mit KI und agentische KI.
500 Bewerbungen, acht Gründer, drei Firmen
Die erste Ausgabe zog laut Startupticker.ch 500 Bewerbungen an. Acht «Venture Builders» wurden ausgewählt und bildeten den Jahrgang in Zürich. Ihre Aufgabe: Probleme erkunden, Lösungen testen und mit Unterstützung von Mentoren und Operatoren ein Unternehmen aufbauen. Am Ende des Programms standen drei neue Firmen.
Ein klar vorgezeichneter Weg
Jedes Team durchlief denselben Weg: ein zweiwöchiges Bootcamp, eine Aufbauphase, einen formellen Entscheid (weitermachen, Kurs ändern oder aufhören) und schliesslich einen Sprint für den Markteintritt.
Patrick Degen, Partner von SFF Studio neben Christian Mischler und Jacopo Trinca, fasst den Ansatz zusammen (aus dem Englischen übersetzt): «Wir haben SFF Studio gegründet, um erfahrene Gründer schon ab der ersten Woche mit echten Kunden zusammenzubringen und die Fakten entscheiden zu lassen, welche Ideen überleben. Das bedeutete Pivots, eine Fusion und ein Projekt, das wir bewusst eingestellt haben, und es hat uns drei Unternehmen beschert, die wir mit Stolz unterstützen. Unsere Aufgabe ist es nun, ihnen zu helfen, eigenständige Unternehmen zu werden.»
Cedric: ein KI-Teamkollege für kleine Unternehmen
Cedric übernimmt die Nachfassarbeit, die in kleinen Betrieben oft liegen bleibt. Das Tool funktioniert in Slack, Discord, Telegram und in einer eigenen Web-App; die Nutzerinnen und Nutzer verbinden dort Gmail und die Tools, die sie bereits verwenden. Anschliessend bitten sie Cedric in einfacher Sprache, bei Kunden nachzuhaken, ein CRM zu aktualisieren, Rechnungen vorzubereiten, Sitzungen zusammenzufassen oder Gespräche in Aufgaben umzuwandeln. Wichtige Aktionen müssen von der Nutzerin oder dem Nutzer freigegeben werden.
Was die Zugkraft angeht, hat Cedric laut Startupticker.ch fast 3000 Nutzerinnen und Nutzer erreicht, darunter Agenturen, Kreativteams und Verkaufsteams. Das Unternehmen hat zudem ein Pilotprojekt mit einem europäischen Industrieunternehmen gestartet, dessen Name nicht bekannt gegeben wird. Ein Pilot, kein fester Vertrag: Der Unterschied zählt.
Underheard: Kundeninterviews, geführt von einer KI
Underheard bietet einen KI-Interviewer an, der rund um die Uhr Kundeninterviews führt und daraus strukturierte Erkenntnisse ableitet. Das Kundenteam beschreibt, was es erfahren möchte; die Plattform konzipiert das Interview, vom kurzen Feedbackgespräch bis zur vollständigen Marktstudie. Die KI führt jedes Gespräch, stellt Nachfragen, gruppiert die Antworten anschliessend nach Themen und verknüpft jede Erkenntnis mit den Zitaten, auf denen sie beruht, wobei die Ergebnisse innert weniger Minuten vorliegen.
In seinen ersten drei Monaten hat Underheard laut der Quelle Interviews für 27 Organisationen geführt, von Hotels bis zu multinationalen Marken.
Cedreon: KI für Berufe mit Berufsgeheimnis
Cedreon richtet sich an Unternehmen, die mit vertraulichen Kundendaten umgehen, etwa Anwaltskanzleien, Treuhandgesellschaften und Family Offices, und ermöglicht ihnen, die führenden Sprachmodelle sicher zu nutzen. Ihr Trumpf: die automatische Maskierung. Bevor eine Anfrage das KI-Modell erreicht, ersetzt Cedreon Namen, Kontonummern und andere sensible Daten durch Platzhalter und setzt danach für die Person, die die Frage gestellt hat, die echten Werte wieder ein.
Kundinnen und Kunden können mit Cedreon eine Vereinbarung zur Auftragsdatenverarbeitung oder eine Vereinbarung zum schweizerischen Berufsgeheimnis abschliessen. Auf Wunsch greift das Unternehmen auf Anbieter zurück, die die Daten in Europa oder in der Schweiz verarbeiten; es speichert die Daten nicht. Im Juli dieses Jahres lanciert, hat das Unternehmen innert weniger Wochen seine ersten zahlenden Kunden gewonnen, danach bezahlte Pilotprojekte mit Treuhandgesellschaften und Anwaltskanzleien. Bis Mitte September hatte das Team einen webbasierten Arbeitsbereich, Desktop-Apps für Mac und Windows sowie eine API ausgeliefert.
Lancierung, Pilotprojekte, Finanzierung: was zu unterscheiden ist
Die erreichten Etappen sind nicht gleicher Art. Cedreon ist das einzige der drei Unternehmen, für das die Quelle ein Lancierungsdatum nennt, gefolgt von zahlenden Kunden und bezahlten Pilotprojekten. Cedric verweist auf eine Nutzerbasis und einen Pilot mit einem Industrieunternehmen. Underheard nennt die Zahl der Organisationen, für die es Interviews geführt hat. Für keines dieser Unternehmen wird eine Finanzierungsrunde angekündigt.
Die Quelle gibt auch nicht an, was der SFF als Gegenleistung für seine Begleitung erhält (Kapitalbeteiligung, investierter Betrag oder andere Bedingungen), noch nennt sie die Namen der Gründerinnen und Gründer der drei Unternehmen. Sie hält lediglich fest, dass der SFF die drei Firmen weiterhin unterstützen wird, bis sie eigenständige Unternehmen geworden sind.
Ein zweiter Jahrgang im Jahr 2027
Mit SFF Studio investiert der Swiss Founders Fund nicht nur in Jungunternehmen: Er baut sie nach dem Modell des Venture Studios selbst auf. SFF Studio bereitet einen zweiten Jahrgang vor, der für 2027 geplant ist; Bewerbungen werden über sffstudio.com eingereicht.
Quellen
- Startupticker.ch: «First three ventures emerge from SFF Studio’s inaugural cohort»




