Die Deutsche Bank sieht sich bereit, Kryptowährungen für ihre Kunden zu verwahren. Am Donnerstag, 15. Oktober, erklärte die grösste Bank Deutschlands in Bangkok gegenüber Reuters, sie stehe wenige Wochen vor der Lancierung ihres ersten Dienstes für digitale Vermögenswerte, wie das Journal du Coin berichtet. Den Anfang machen Bitcoin und Ether, danach soll eine Ausweitung auf die asiatischen Finanzplätze folgen.
Was der Dienst der Deutschen Bank umfasst
Das erste Produkt ist ein Verwahrungsdienst: Die Bank hält und sichert die Kryptowährungen ihrer Kunden, zunächst Bitcoin und Ether. Laut dem Journal du Coin richtet sich das Angebot in erster Linie an institutionelle Kunden in Deutschland. Bereits im September hatte die Bank ein Angebot beschrieben, das für Vermögensverwalter, Family Offices und Pensionsfonds gedacht ist und nicht für das breite Publikum.
Den Zeitplan stellte Gerald Podobnik, Co-Leiter des Corporate Banking der Deutschen Bank, am Rande der Tagungen des IWF und der Weltbank in Bangkok vor. Die Einführung erfolgt schrittweise. Nach der Verwahrung plant die Bank Schnittstellen, über die ihre Kunden in die etabliertesten Stablecoins ein- und wieder aussteigen können. Danach sollen tokenisierte Einlagen folgen, dann die Ausgabe von Wertpapieren auf der Blockchain, etwa digitale Anleihen. Die Expansion nach Asien ist bereits für nächstes Jahr angekündigt.
Es handelt sich um die Ankündigung eines Zeitplans: Derzeit wird nur der Verwahrungsdienst als unmittelbar bevorstehend dargestellt. Die weiteren Schritte gehören zur Roadmap, ohne genaues Datum in der Quelle.
Ein Wachstumsziel, kein Ersatz
Laut dem Journal du Coin verknüpft Gerald Podobnik dieses Vorhaben mit dem Ziel eines jährlichen Wachstums des Corporate Banking von 8 % bis 2028. Der Manager, der seit 23 Jahren im Haus ist, verweist auf die Hunderte Milliarden Dollar, die in Stablecoins stecken: Sie zeigen seiner Ansicht nach, dass in zwei Jahrzehnten neue Wertpools entstanden sind.
Er zieht jedoch eine Grenze: «Als Finanzsystem werden wir unseren Kunden tokenisierte oder Blockchain-Lösungen anbieten müssen, als Ergänzung zu unseren traditionellen Dienstleistungen… aber nicht unbedingt als Ersatz für das, was wir heute tun.» Das Programm kommt also zum klassischen Bankgeschäft hinzu, es ersetzt es nicht.
Ein langer Weg, mit einem Schweizer Partner
Die Bank betritt dieses Terrain nicht über Nacht. Laut dem Journal du Coin stammt ihr Zulassungsantrag bei der BaFin, der deutschen Finanzaufsicht, vom Juni 2023: Vom Lizenzantrag bis zum Produkt hat es nicht weniger als drei Jahre gedauert.
In der Zwischenzeit ist die Deutsche Bank zwei separate Partnerschaften eingegangen: zuerst eine Allianz mit dem Schweizer Unternehmen Taurus, dann eine Vereinbarung mit Bitpanda Technology Solutions. Diese Partnerschaften sind keine Finanzierungsrunden; sie liefern Bausteine für das Angebot, das die Bank demnächst lanciert. Die Quelle präzisiert nicht, welche Rolle jeder Partner im endgültigen Dienst genau spielt. Zudem entwickelt die Bank seit 2024 im Rahmen des Projekts Dama 2, das von Singapur aus gesteuert wird, ein Layer-2 auf Ethereum.
Eine Kryptobank unter anderen in Deutschland
Die Deutsche Bank ist nicht allein. Laut dem Journal du Coin öffnen auch die Sparkassen, die DZ Bank, die Commerzbank und Clearstream den Kryptobereich für ihre Kunden. Der Wettbewerb spielt sich also zunächst auf dem deutschen Markt ab, zwischen traditionellen Instituten, die die Verwahrung digitaler Vermögenswerte in ihr Angebot aufnehmen.
Der Mechanismus ist bekannt: Wenn eine Grossbank die Verwahrung selbst anbietet, können institutionelle Anleger Kryptowährungen bei einer Depotbank halten, mit der sie bereits zusammenarbeiten. Zum Finanzplatz Schweiz liefert die Quelle weder Zahlen noch Reaktionen; die einzige belegte Verbindung ist die Partnerschaft mit Taurus.
Auch der europäische Rahmen für Stablecoins nimmt Gestalt an: Laut dem Journal du Coin ist USDC diesen Monat zum ersten «signifikanten» Stablecoin unter MiCA in der Europäischen Union geworden. Ein nützlicher Kontext für den zweiten von der Deutschen Bank angekündigten Schritt, die Schnittstellen zu Stablecoins.
Quellen
- Journal du Coin: «Deutsche Bank : le mastodonte allemand ouvre son coffre-fort aux cryptos dans quelques semaines»




