Am Dienstag, 20. Oktober, um 8:08 Uhr (Schweizer Zeit) meldet die Statusseite von Google Cloud, dass «mehrere Dienste in der Region europe-west2 Probleme haben», also in London. Im Lauf des Vormittags zeigt Revolut die meisten seiner Dienste als nicht verfügbar oder beeinträchtigt an, allen voran Kartenzahlungen und Bargeldbezüge an Automaten. Hier, was feststeht, was auf Aussagen beruht und was noch offen ist.

Was Google Cloud eingeräumt hat

Google spricht von «erhöhten Fehlerraten und zeitweiligen Netzwerkausfällen». Laut Journal du Coin wurde die Liste der betroffenen Produkte im Lauf des Vormittags immer länger, bis auf 31 Einträge, darunter Compute Engine, Kubernetes Engine, Cloud Storage, Cloud SQL und BigQuery. Im Klartext: virtuelle Maschinen, Datenbanken und Speicher, also die Bausteine, auf denen eine Banking-App läuft.

Um 11:24 Uhr nannte Google noch immer keine Ursache. Die Ingenieure «untersuchen weiterhin», und der einzige Rat an die Kunden lautete, ihre Workloads «wenn möglich» in eine andere Zone zu verlagern. Ein neues Update wurde für 13 Uhr in Aussicht gestellt. Eine voraussichtliche Dauer wurde nicht kommuniziert.

Die Londoner Region hatte bereits einen Vorfall. Im August 2024 hatte der gleichzeitige Ausfall beider Stromversorgungen eines Point of Presence zwei Stunden Latenz bei den Load Balancern der gesamten Region verursacht. Bislang deutet nichts darauf hin, dass die Ursache diesmal dieselbe ist.

Revolut: Was die Neobank sagt

Auf X bestätigte Revolut eine «Dienstunterbrechung, die mehrere Dienste betrifft», und versicherte, dass «das Geld und die Daten all unserer Kunden sicher sind». Downdetector zählte kurz nach 9 Uhr mehr als 1'500 Meldungen.

Der Zusammenhang mit Google Cloud beruht derzeit auf einer mit der Sache vertrauten Quelle, die Reuters zitiert und wonach der Ausfall bei Revolut tatsächlich auf den Vorfall zurückgeht. Die Neobank hat dies nicht öffentlich bestätigt und keinen Zeitpunkt für die Wiederherstellung genannt.

Zwischen 8 und 11 Uhr tauchten auf Downdetector weitere Namen auf: Lloyds, HSBC, Royal Mail, Rightmove, DPD oder auch GOV.UK. Lloyds versicherte, seine App bleibe erreichbar; ein Sprecher verwies auf «ähnliche Probleme bei anderen Organisationen», ohne Google zu nennen. HSBC, NatWest, Barclays, Santander, Nationwide und Monzo standen auf derselben Liste, hatten sich bis Mittag aber nicht geäussert. In Deutschland meldete ING Verbindungsprobleme beim Onlinebanking, ohne nachgewiesenen Zusammenhang mit Google.

Und für Kundinnen und Kunden in der Schweiz?

Die verfügbaren Informationen schlüsseln die Lage nicht nach Ländern auf. Wird das Revolut-Konto über dieselbe Infrastruktur geführt wie die betroffene, gelten die beschriebenen Folgen für alle: Karte an der Kasse abgelehnt, kein Bezug am Bancomat möglich, App nicht erreichbar. Revolut zählt laut unserer Quelle mehr als 50 Millionen Kunden; nichts deutet darauf hin, dass sich der Ausfall auf das Vereinigte Königreich beschränkt, doch sein Ausmass ausserhalb Londons ist nicht dokumentiert.

Ein Punkt betrifft jene, die in der App Kryptowährungen gekauft haben. Diese werden von Revolut verwahrt, nicht in einer Wallet, deren Schlüssel die Nutzerin oder der Nutzer selbst hält. Solange die App nicht verfügbar ist, sind auch die Verkaufs- und Auszahlungsfunktionen blockiert. Laut unserer Quelle sind die Vermögenswerte nicht gefährdet: Unterbrochen ist der Zugang, nicht der Saldo.

Konkret ist die Lehre vor allem praktischer Natur: Eine einzige Karte bei einem einzigen Anbieter reicht an einem Tag mit Ausfall nicht aus. Ein zweites Zahlungsmittel bei einem anderen Institut begrenzt die Unannehmlichkeiten.

Cloud-Resilienz: die Grundsatzfrage

Laut Journal du Coin hosten drei Anbieter, Amazon, Microsoft und Google, fast zwei Drittel der weltweiten Cloud, und Banken wie Fintechs haben ihre Kernanwendungen dorthin verlagert. Der Vorfall ereignet sich auf den Tag genau ein Jahr nach dem AWS-Ausfall, der Coinbase lahmgelegt hatte, und nach dem Cloudflare-Ausfall vom vergangenen November, der Coinbase und Kraken mehrere Stunden lang vom Netz genommen hatte.

Unsere Analyse: Der Rat von Google, «wenn möglich» auf eine andere Zone auszuweichen, bringt das Problem auf den Punkt. Cloud-Resilienz kommt nicht automatisch mit dem Anbieter; sie hängt davon ab, wie jeder Kunde seine Dienste auf Regionen oder gar auf Anbieter verteilt hat. Eine Anwendung, die für den Betrieb in einer einzigen Region ausgelegt ist, steht mit ihr still. Redundanz hat ihren Preis, und jede Bank entscheidet selbst, wie weit sie geht. Auch in der Schweiz werden die Infrastrukturentscheide von Bankenplattformen diskutiert, wie der Einsatz von Oracle Exadata Cloud@Customer durch Swisscom für Finnova zeigt.

Die Quelle erinnert schliesslich daran, dass das Bitcoin-Netzwerk während des Vormittags weiterhin Blöcke produzierte, da seine Validierung auf mehr als 20'000 Knoten verteilt ist. Der Kontrast habe seine Grenzen, räumt sie ein: Auch die Handelsplattformen und die Wallets für das breite Publikum laufen auf AWS oder hinter Cloudflare.

Als Nächstes werden die Erklärung von Google zur Ursache und ein Zeitpunkt für die Wiederherstellung seitens Revolut erwartet. Beides war bis Mittag nicht bekannt.

Quellen

  • Journal du Coin: «Panne Google Cloud : Revolut paralysé, des millions de cartes bloquées»