Der Rückversicherer Swiss Re schätzt die versicherten Schäden, die der heftige Hagelsturm Ende August in der Schweiz verursacht hat, auf rund 1,7 Milliarden Franken. Die Zahl wurde an einer Medienkonferenz anlässlich des Branchentreffens der Rückversicherer in Baden-Baden bekanntgegeben und am 13. Oktober 2026 von der Agentur AWP gemeldet, deren Meldung Allnews übernommen hat.
Was diese Zahl misst
Der von Swiss Re genannte Betrag bezieht sich auf die versicherten Schäden, also auf die durch Versicherungsverträge gedeckten Schadenfälle. Er entspricht nicht zwingend den gesamten volkswirtschaftlichen Kosten des Ereignisses, die auch nicht versicherte Verluste umfassen können. Eine Schätzung dieser gesamtwirtschaftlichen Schäden liefert die Quelle nicht.
Zu betonen ist zudem, dass es sich um eine Schätzung handelt, die zu einem Zeitpunkt kommuniziert wurde, an dem die Schadenbearbeitung möglicherweise noch läuft. Der Text nennt weder die Berechnungsmethode noch die Unsicherheitsmarge und sagt auch nicht, ob diese Zahl im Zuge der Bearbeitung der Schadenmeldungen revidiert werden könnte.
Was am 28. August geschah
Laut der Meldung wurden am vergangenen 28. August heftige Windböen von Hagel begleitet, wobei die Hagelkörner örtlich einen Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern erreichten. Besonders betroffen waren die Kantone Bern, Solothurn, Aargau, Zürich und Thurgau.
Allein auf Motorfahrzeuge entfallen Schäden von 800 Millionen Franken, also fast die Hälfte der gesamten Schätzung (Verhältnis von der Redaktion anhand der beiden veröffentlichten Zahlen berechnet). Fahrzeugschäden nehmen rasch grosse Ausmasse an, erklärt die Quelle, denn ein einziges extremes Wetterereignis kann mehrere Tausend Autos auf einmal treffen.
Eine Bilanz, die schwerer hätte ausfallen können
Leopold Camara, bei Swiss Re verantwortlich für die Rückversicherung in Nord-, Zentral- und Osteuropa, weist darauf hin, dass sich der Sturm in einer Region «mit relativer Dichte» ereignet habe. «Hätte sich dasselbe Ereignis über Zürich zugetragen, hätte es wohl weit grössere Verluste verursacht», sagte er. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung des Rückversicherers, nicht um ein beziffertes Szenario.
Wer bezahlt?
Die Meldung schlüsselt nicht auf, wie sich die Last auf Erstversicherer, Rückversicherer und, bei Gebäuden, die kantonalen Gebäudeversicherungen verteilt. Ebenso wenig gibt sie an, welcher Anteil des Betrags auf Swiss Re selbst entfällt. Mangels Angaben in der Quelle bleibt dieser Punkt offen.
Auch bietet die Quelle keinen Vergleich mit den grossen Hagelereignissen der Vorjahre in der Schweiz. Auf dieser Grundlage lässt sich das Ereignis daher nicht in eine historische Rangliste einordnen.
Ein vom Rückversicherer festgestellter Trend
Für die Verantwortlichen von Swiss Re ist dieses Ereignis alles andere als ein Einzelfall. Extreme Wetterphänomene seien ihrer Ansicht nach immer häufiger die Ursache von Schäden, auch in Europa. Sie verweisen auf Norditalien, wo Hagelstürme im Juli und im August ebenfalls erhebliche Fahrzeugschäden verursacht haben.
Zur Prävention nennt die Quelle möglichst frühzeitige Warnungen und den Zugang zu gedeckten Parkplätzen. Die Frage, wie sich diese Phänomene auf die Höhe der Versicherungsprämien auswirken, wird in der Meldung nicht behandelt; dazu werden keine bezifferten Angaben gemacht.
Das Wichtigste in Kürze
Die Zahl von rund 1,7 Milliarden Franken ist eine Schätzung von Swiss Re zu den versicherten Schäden, davon 800 Millionen für Fahrzeuge. Die Grundfakten (Datum, betroffene Kantone, Grösse der Hagelkörner) sind gesichert; die Kostenverteilung, der historische Vergleich und die Folgen für die Prämien werden von der Quelle nicht präzisiert.




