Am 1. Oktober 2026 wurde der Handel mit den B-Aktien der Infomaniak SA an der SIX Swiss Exchange unter dem Symbol «INFO» aufgenommen. Die Information stammt aus einer Mitteilung der SIX, der Betreiberin der Börse, die ein direktes Interesse daran hat, jede neue Kotierung hervorzuheben. Gemäss dieser Mitteilung lag der erste Kurs bei CHF 56.00 pro Aktie, womit sich die Börsenkapitalisierung der kotierten B-Aktien auf rund CHF 262 Millionen belief.
Infomaniak wurde 1994 in Genf gegründet und bietet souveräne Cloud, Kollaborationstools, KI-Dienste, Datenspeicherung, Webhosting und Streaming-Lösungen an. Nach über dreissig Jahren Geschäftstätigkeit markiert die Kotierung eine Etappe. Bleibt zu klären, welche.
Eine Kotierung ohne angekündigte Kapitalaufnahme
Infomaniak kam nicht über einen klassischen Börsengang an die Börse. Laut SIX erfolgte die Kotierung des Unternehmens über einen Reverse Takeover (umgekehrte Übernahme) der Perrot Duval Holding SA. Die Mitteilung erwähnt weder eine Ausgabe neuer Aktien noch einen bei dieser Gelegenheit aufgenommenen Betrag.
Die Nuance ist wichtig. Der Text spricht von einem Zugang zu den Kapitalmärkten, der die nächsten Schritte «gegebenenfalls unterstützen könnte»: mehr Rechenzentrumskapazitäten in der Schweiz, eine stärkere Integration von KI in die Cloud- und Kollaborationsdienste und eine kommerzielle Expansion in Europa. Das sind Absichten, keine gesicherten Finanzierungen. Marc Oehler, CEO von Infomaniak, äussert sich denn auch im Konjunktiv: Der Zugang zu den Märkten «würde» es ermöglichen, das Tempo zu erhöhen, mit mehr Rechenzentren, mehr Forschung und Entwicklung, mehr Talenten und einer verstärkten Präsenz in Europa.
Eine Struktur, welche die Kontrolle bei der Fondation Infomaniak belässt
Der konkreteste Punkt betrifft die Governance. Nach der Transaktion setzt sich das ausgegebene Aktienkapital von Infomaniak gemäss SIX wie folgt zusammen:
- 8'050'226 nicht kotierte A-Namenaktien mit einem Nennwert von je CHF 0.025;
- 4'670'103 kotierte B-Aktien mit einem Nennwert von je CHF 0.25.
Die Fondation Infomaniak behält über die nicht kotierten A-Aktien die Mehrheit der Stimmrechte. Mit anderen Worten: Investoren, die B-Titel erwerben, beteiligen sich am Kapital, ohne die Kontrolle über die Strategie zu übernehmen. Die Mitteilung stellt diese Konstruktion als Garantie dafür dar, dass die strategische Kontrolle auf die Mission des Unternehmens ausgerichtet bleibt, das sich nach eigenen Angaben seiner Unabhängigkeit, seinen Schweizer Wurzeln und der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt.
SIX hebt zudem zwei Premieren hervor: Infomaniak sei das erste B-Corp-zertifizierte Unternehmen und der erste ausschliesslich auf souveräne Cloud spezialisierte Anbieter, die an ihrer Plattform kotiert sind. Der Titel wird in die Indexfamilie des Swiss Performance Index (SPI) aufgenommen.
Was SIX aus dem Swiss Scale-up Report 2026 hervorhebt
Zwei Wochen zuvor, am 16. September, veröffentlichte SIX einen Text zum Swiss Scale-up Report 2026. Die Zusammenfassung der Börse enthält keine detaillierten Zahlen; sie stellt qualitative Befunde in den Vordergrund:
- zahlreiche Scale-ups erwarten in den kommenden Jahren einen Exit oder ein Liquiditätsereignis;
- internationale Käufer bleiben attraktiv;
- ein «signifikanter» Teil der Gründer zieht weiterhin Lösungen am Schweizer Kapitalmarkt in Betracht, je reifer ihr Unternehmen wird;
- die grössten Unternehmen sind eher geneigt, eine langfristige Unabhängigkeit ins Auge zu fassen.
Fabian Gerber, Leiter Origination an der SIX Swiss Exchange, fasst darin die Position der Börse zusammen: Die Schweiz vereine Innovation, Talente, unternehmerischen Ehrgeiz und den Zugang zu Kapital, die nötig sind, um Wachstumsunternehmen aufzubauen, und diese müssten über attraktive Optionen für ihren nächsten Schritt verfügen. Die Bedürfnisse entwickeln sich mit der Grösse: von der Startfinanzierung über Wachstumskapital bis hin zu einem breiteren Zugang zu Investoren und einer langfristigen Finanzierung.
Infomaniak, ein Paradebeispiel für SIX
Die beiden Texte nehmen aufeinander Bezug. Der Bericht stellt fest, dass grosse Scale-ups stärker an Unabhängigkeit denken; Infomaniak kommt an die Börse und schützt gerade die eigene durch eine Struktur mit zwei Aktienkategorien. Der Bericht erwähnt Gründer, die den Schweizer Kapitalmarkt in Betracht ziehen; Infomaniak hat sich für die Kotierung in der Schweiz entschieden.
SIX macht daraus kein Geheimnis. Tomas Kindler, Global Head Exchanges von SIX, sieht in dieser Kotierung einen wichtigen Schritt für die Schweiz als Technologie- und Innovationsstandort und nennt Infomaniak als Beispiel für ein Technologieunternehmen, das wachsen und Zugang zu den öffentlichen Kapitalmärkten der Schweiz finden kann. Er erinnert zudem daran, dass Infomaniak die SIX IPO Academy durchlaufen hat, ein Begleitprogramm, das die Börse in ihren beiden Mitteilungen hervorhebt.
Diese Texte sind also als das zu lesen, was sie sind: die Kommunikation einer Börsenbetreiberin, die neue Gesellschaften anziehen will. Sie dokumentieren eine Tatsache, die Kotierung von Infomaniak, und einen Trend, den der Bericht feststellt. Über die Abschlüsse von Infomaniak, deren Umsatz oder die künftige Entwicklung des Titels sagen sie nichts.
Was es weiter zu verfolgen gilt
Für das Westschweizer Ökosystem geht es nicht um den Tageskurs, sondern um das, was folgt. Wird sich der Zugang zu den Märkten in neuen Rechenzentren in der Schweiz und einer stärkeren europäischen Präsenz niederschlagen, wie es die Geschäftsleitung ankündigt? Werden andere Schweizer Scale-ups diesen Weg einschlagen statt jenen eines Verkaufs an einen ausländischen Käufer? Die bisher veröffentlichten Quellen lassen keine Antwort darauf zu.
