Am 21. und 22. Juni 2027 findet in Genf ein Weltgipfel zur künstlichen Intelligenz statt. Zur Vorbereitung hat digitalswitzerland, der Dachverband der Digitalisierung in der Schweiz, 2026 einen «Swiss AI Action Plan» und eine Veranstaltungsreihe namens «Road to Geneva» lanciert. Die drei Medienmitteilungen des Verbands, die diesen Fahrplan nachzeichnen, stammen von einer beteiligten Partei, die zudem offizielle Partnerin des Gipfels ist.
Ein Aktionsplan eines Verbands, keine Strategie des Bundes
Der Swiss AI Action Plan wurde am Digital Gipfel Schweiz 2026 in Andermatt vor rund 200 Teilnehmenden und mehr als 25 Referierenden vorgestellt. Laut digitalswitzerland wurde er «in enger Abstimmung» mit dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) erarbeitet. Es handelt sich jedoch um ein Dokument des Verbands, das dieser als «dynamische» Roadmap bezeichnet, die sich mit seinen Partnern weiterentwickeln soll. Es ist weder ein Gesetz noch ein Entscheid des Bundesrats.
Konkret umfasst der Plan 23 Massnahmen in fünf Bereichen:
- Bildung und KI-Kompetenz: eine nationale Sensibilisierungskampagne ab 2027, um eine Million Menschen zu schulen, ein Leitfaden zur Einführung von KI für KMU sowie Zertifikate für Berufe in der Verwaltung;
- Forschung und Innovation: die Entwicklung offener und transparenter Schweizer KI-Modelle wie Apertus sowie die Idee eines «CERN für KI» auf globaler Ebene, vorgeschlagen als Diskussionsgrundlage für den Gipfel in Genf;
- Digitale Infrastruktur: Rechenzentrumskapazitäten in der Schweiz, dimensioniert auf der Grundlage einer Prognose des Bedarfs an Rechenleistung und Strom;
- Daten: hochwertige öffentliche und private Datensätze, die miteinander verknüpft werden können und rechtssicher sind;
- Governance: eine «schlanke», innovationsfreundliche Regulierung, die die Grundrechte schützt und auf freiwilligen Verpflichtungen der Branche beruht.
Laut dem Verband haben mehr als 500 Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zu diesen 23 Massnahmen beigetragen.
Der Ausgangspunkt: eine gespaltene Bevölkerung
Der Plan stützt sich auf das DigitalBarometer 2026, eine repräsentative Umfrage, die von der Stiftung Risiko-Dialog, digitalswitzerland und der Mobiliar veröffentlicht wurde. Gemäss den Ergebnissen erwarten 48 % der Befragten, dass die Chancen der KI in fünf Jahren die Risiken überwiegen. 83 % geben an, dass ein Label «Made in Switzerland» ihr Vertrauen in einen digitalen Dienst stärkt, gegenüber 53 % bei einem europäischen Label.
Zum ersten Mal seit 2020 werden die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung häufiger negativ (41 %) als positiv (34 %) beurteilt, und 24 % der Befragten sagen, sie kämen nicht mehr mit. Zwar sind 80 % der Ansicht, KI überlegt zu nutzen, doch nur 53 % fühlen sich im Alltag mit diesen Werkzeugen wirklich wohl, und 74 % befürchten, dass KI langfristig die kreative Arbeit und das eigenständige Denken schwächt.
Der Gipfel in Genf, offiziell angekündigt
Das Datum des Gipfels wurde von Bundesrat Albert Rösti am «AI for Good Global Summit» in Genf bekanntgegeben. Mit der Organisation sind das BAKOM und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) betraut. digitalswitzerland plant als offizielle Partnerin, dort eine Parallelveranstaltung mit dem provisorischen Titel «Swiss/Global Hub for Trustworthy AI» durchzuführen, die Wirtschaft, Wissenschaft und Politik am CERN zusammenbringen soll.
Bis dahin sieht die «Road to Geneva» mehrere Etappen vor: das digitalswitzerland forum in Bern im September 2026 und anschliessend das WEF Anfang 2027.
In Bern ein Appell zur Infrastruktur
Am Berner Forum bezeichnete Albert Rösti, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), den Gipfel als «riesige Chance für die Schweiz» und fügte hinzu: «Die Grundlagen sind gelegt, die Finanzierung dürfte zustande kommen, und die Organisation läuft.» Bei der Regulierung verteidigte er einen «Schweizer Weg»: Ein sehr strenges allgemeines Gesetz würde seiner Ansicht nach die Innovation zu bremsen drohen, und idealerweise sollte man einen Weg «ohne staatliche Eingriffe» gehen. Er betonte zudem, dass der Strom «die absolut entscheidende Komponente» einer zuverlässigen digitalen Infrastruktur sein werde.
Franziska Barmettler, Geschäftsführerin von digitalswitzerland, richtete ihrerseits mitten in der Budgetdebatte einen Appell an das Parlament. Die Schweiz habe mehr als 180 Millionen Franken in die E-ID und die Vertrauensinfrastruktur swiyu investiert, und die Investitionen in die digitale Basisinfrastruktur zu sichern, sei für sie «nicht verhandelbar».
Am Forum wurde schliesslich eine nationale Kampagne zur KI-Kompetenz für 2027 angekündigt, die gemeinsam mit der SRG SSR, der Bundeskanzlei und weiteren Partnern unter dem Motto «Verstehen – Nutzen – Reflektieren» durchgeführt wird. Sie soll mehr als eine Million Menschen erreichen und greift damit das Ziel des Plans auf.
Was davon zu halten ist
Gesicherte Fakten sind das Datum des Gipfels, seine Organisatoren und die Existenz eines Plans mit 23 Massnahmen. Der Rest sind Absichten, deren Finanzierung in den Medienmitteilungen nicht im Einzelnen dargelegt wird. Die Linie von digitalswitzerland, die eine schlanke Regulierung und freiwillige Verpflichtungen befürwortet, deckt sich mit jener von Albert Rösti; die Texte des Verbands lassen jedoch keine anderen Standpunkte zu dieser Frage zu Wort kommen. Die nächsten Etappen werden zeigen, was sich in «messbare Ergebnisse» umsetzen lässt, wie es das Ziel des Verbands ist.
Quellen
- digitalswitzerland, «Digital Gipfel Schweiz 2026: digitalswitzerland launches Swiss AI Action Plan»
- digitalswitzerland, «Geneva AI Summit Scheduled for June 21 and 22, 2027: A Major Milestone for Switzerland’s AI Future»
- digitalswitzerland, «digitalswitzerland forum 2026: Wake-up Call to Bern for Digital Infrastructure and Kick-off for the Road to Geneva»




