Migros: Die geplante Fusion der zehn regionalen Genossenschaften wird «sicher nicht Tausende» Stellen kosten, sagt Mario Irminger, der den Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) leitet. Das sagte er gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), wie aus einer Meldung von Keystone-SDA hervorgeht, die swissinfo.ch am 30. Oktober 2026 veröffentlichte. Das am 26. Oktober 2026 angekündigte Projekt muss Mitte 2027 noch von den Genossenschafterinnen und Genossenschaftern angenommen werden.
Was Mario Irminger sagt – und was er nicht beziffert
Mario Irminger bestreitet die in der Presse veröffentlichten Zahlen. «In den Medien kursieren falsche Zahlen», sagte er der NZZ. Diese Schätzungen beruhen seiner Ansicht nach wohl auf der Fusion der Coop-Genossenschaften vor 25 Jahren, während die Lage bei Migros anders sei.
Einen Verzicht auf Stellenabbau verspricht er deshalb nicht. Auf Ebene der Führung und der Verwaltung werde Migros die Doppelstrukturen «mit der Zeit» abbauen, präzisierte er. Eine konkrete Stellenzahl wollte er nicht kommentieren.
Sein Argument stützt sich auf die Personalfluktuation. Laut ihm beschäftigt Migros Supermarkt 55'000 Personen, und die Gruppe muss jedes Jahr rund 10'000 offene Stellen neu besetzen. Seine Sorge sei eher, dass es an Fachkräften fehle, um das Unternehmen zu führen.
Migros-Stellen: Schätzungen der Presse und Aussage
Drei Grössenordnungen kursieren, und keine stammt aus einem von Migros veröffentlichten Plan. Swissinfo.ch gibt sie so wieder:
| Wer | Was genannt wird | Art |
|---|---|---|
| SonntagsZeitung | 3'000 abgebaute Stellen, bei Einsparungen von 300 bis 400 Millionen Franken pro Jahr | Schätzung der Presse |
| NZZ | 400 bis 600 Stellen in der Verwaltung | Berechnung der Zeitung |
| Mario Irminger | «Sicher nicht Tausende», ohne Zahl | Aussage |
Was sieht die Migros-Gruppengenossenschaft vor?
Die elf Einheiten des Verbunds wollen zu einer einzigen werden. Laut der Seite, die der MGB dem Projekt widmet, wollen die zehn regionalen Genossenschaften und der MGB, auf Französisch Fédération des coopératives Migros genannt, zu einer einzigen «Gruppengenossenschaft» fusionieren. Das erklärte Ziel ist, Doppelstrukturen abzubauen und Migros langfristig zu stärken.
Es handelt sich um einen Grundsatzentscheid, nicht um eine beschlossene Fusion. Die Verwaltungen der zehn Genossenschaften und des MGB haben ihn gefällt, doch der MGB hält fest, dass sich vor der Abstimmung der Genossenschafterinnen und Genossenschafter nichts ändert. Er bezeichnet das Projekt als eine der grössten Veränderungen in der 101-jährigen Geschichte der Migros.
Heute sind die Aufgaben auf mehrere Ebenen verteilt. Laut der Seite «Organisation» der Migros koordiniert der MGB die Gruppe und legt ihre Strategie fest. Die Genossenschaften betreiben die Filialen und kaufen die regionalen Produkte ein. Die Migros Supermarkt AG erbringt die standardisierten Dienstleistungen für die Supermärkte der Genossenschaften.
Wie stimmen die Mitglieder der Genossenschaften ab?
Das letzte Wort haben die Genossenschafterinnen und Genossenschafter, nicht die Verwaltungen. Die Abstimmungsregeln, wie swissinfo.ch sie wiedergibt, machen jede Genossenschaft zur entscheidenden Instanz:
- Wann: Mitte 2027, laut MGB.
- Wo: in jeder der zehn regionalen Genossenschaften, die dem Projekt alle zustimmen müssen.
- Hürden: eine Zweidrittelmehrheit und eine Stimmbeteiligung von mindestens 25 Prozent.
- Bis dahin: Die heutige Organisation bleibt bestehen, laut MGB.
Ein Nein in einer einzigen Genossenschaft würde also genügen, um das Projekt in der vorgestellten Form zu blockieren. Der MGB ruft seine Mitglieder bereits auf, sich im Hinblick auf diese Abstimmung für die elektronische Stimmabgabe anzumelden.
Was sich für Genf, Waadt, Neuenburg-Freiburg und das Wallis ändert
Die vier Westschweizer Genossenschaften arbeiten bereits in einem Teil ihrer Tätigkeit zusammen. Laut einer Mitteilung des MGB vom 12. Mai 2025 bündeln Migros Genf, Neuenburg-Freiburg, Wallis und Waadt seit dem 1. Juli 2025 ihre Logistik. Die Hauptzentrale befindet sich in Ecublens (VD), mit regionalen Zentren in Genf und in Martigny.
Diese Zusammenlegung der Logistik erfolgte ohne angekündigte Kündigungen. Die Mitteilung hielt fest, dass die 500 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Stelle bei der Migros Logistique Romande SA zu unveränderten Arbeitsbedingungen behalten würden.
Die Verantwortlichen der Westschweizer Genossenschaften unterstützen die Fusion, in vom MGB veröffentlichten Stellungnahmen. Sophie Dubuis, für Migros Genf, ist der Ansicht, dass die neue Struktur die Genfer und Westschweizer Identität bewahrt. Olivier Gumy, für Migros Neuenburg-Freiburg, versichert, dass die Besonderheiten der beiden Kantone sichtbar bleiben.
Bernard Pittet, für Migros Waadt, betont, dass die Zentralisierung «kein Selbstzweck» sei. Andreas Biner, für Migros Wallis, sagt, das Projekt sehe vor, ein eigenes Walliser Einkaufserlebnis zu erhalten. Es handelt sich um Unterstützungserklärungen: Die Genossenschafterinnen und Genossenschafter haben noch über keinen Text abgestimmt.
Die jüngsten Umstrukturierungen der Migros-Gruppe
Diese Fusion setzt mehrere Reorganisationen fort. Swissinfo.ch berichtete am 27. Oktober 2026, dass Migros nach Skandalen und finanziellen Verlusten über eine Vereinfachung der Gruppe entscheiden sollte. Die Gruppe überträgt die gemeinsamen Dienstleistungen für die Supermärkte bereits der Migros Supermarkt AG, und Migros kündigte 2025 den Verkauf von Mibelle an.
Regionale Fusionen sind bei Migros nichts Neues. Migros Aare entstand 1998 aus einer Fusion, und Migros Ostschweiz aus dem Zusammenschluss von St. Gallen und Schaffhausen-Winterthur, wie ihre Präsidenten auf der Seite des MGB in Erinnerung rufen. Coop hat seine eigenen regionalen Genossenschaften vor 25 Jahren fusioniert, ein Vergleich, den Mario Irminger für unpassend hält.
Mario Irminger wird das Unternehmen im Sommer 2027 verlassen. «Die Transformation wird über meine Pensionierung hinaus weitergehen», sagte er der NZZ.
Was noch nicht bekannt ist
- Die Zahl der abgebauten Stellen: Mario Irminger hat keine Zahl genannt.
- Die erwarteten Einsparungen: Die Schätzung von 300 bis 400 Millionen Franken pro Jahr stammt von der SonntagsZeitung, nicht von Migros.
- Das Ergebnis der Abstimmung von Mitte 2027 in jeder der zehn Genossenschaften.




