Stadler Rail, der Schienenfahrzeughersteller mit Sitz im thurgauischen Bussnang, liefert 21 weitere Regionalzüge nach Finnland. Laut der Mitteilung des Konzerns vom 30. Oktober 2026 hat die staatliche Gesellschaft RailStock Finland Oy eine Option aus einem 2022 unterzeichneten Vertrag eingelöst. Diese Zugbestellung stärkt den ohnehin rekordhohen Auftragsbestand dieses Schwergewichts der Schweizer Industrie, doch gebaut werden die Züge in Polen.

Eine Option aus dem Vertrag von 2022, eingelöst vom finnischen Staat

Es handelt sich nicht um einen neuen Auftrag, sondern um die Fortsetzung eines bestehenden Vertrags. Laut der Agentur Keystone-SDA, zitiert von swissinfo.ch am 31. Oktober 2026, hatte die finnische Bahngesellschaft VR im November 2022 mit Stadler einen Vertrag über 20 Züge unterzeichnet. Er umfasste eine Option auf 50 weitere Züge.

Dieser Vertrag ist inzwischen auf RailStock Finland Oy übergegangen. Die Gesellschaft im Besitz des finnischen Staates ist für die Entwicklung und Vermietung des Rollmaterials für den Personenverkehr zuständig. Sie löst die Option für 21 Züge ein, wie aus der Liste der Medienmitteilungen von Stadler hervorgeht.

Geschäftsführer Joakim Mette betont den Wettbewerb zwischen den Betreibern. RailStock wolle «allen Betreibern des Landes» zuverlässiges Rollmaterial bereitstellen, für einen nachhaltigen öffentlichen Schienenverkehr, «der den Wettbewerb nicht verzerrt», sagt er in der von swissinfo.ch zitierten Mitteilung. Nach seinen Worten legen diese Investitionen die Grundlage für den vom finnischen Staat subventionierten Regionalverkehr der kommenden Jahrzehnte.

FLIRT-Züge für den nordischen Winter

Die bestellten Züge gehören zur FLIRT-Familie, den elektrischen Regionalzügen von Stadler. In Finnland tragen sie die Serienbezeichnung Sm7, wie die Investor-Relations-Seite von Stadler präzisiert. Laut swissinfo.ch hat der Hersteller sie so konzipiert, dass sie auch bei schlechtem Wetter zuverlässig fahren.

MerkmalVon Finnland bestellter Sm7-Zug
Zusammensetzung4 Wagen, Niederflur
Sitzplätze340
Gesamtkapazitätbis zu 700 Fahrgäste
Höchstgeschwindigkeit160 km/h
Winterausrüstungvergrösserte Schneepflüge, Fussbodenheizung, verstärkte Wärmedämmung
ProduktionsortWerke des Konzerns in Polen

Diese Angaben stammen aus der von swissinfo.ch veröffentlichten Meldung von Keystone-SDA.

Welchen Stellenwert hat der Auftrag im Auftragsbestand von Stadler Rail?

Gemessen am Auftragsbestand des Konzerns bleibt diese Bestellung vom Volumen her bescheiden. Per 30. Juni 2026 wies Stadler einen Rekord-Auftragsbestand von 33,3 Milliarden Franken aus. Das ging aus den Halbjahreszahlen vom 26. August 2026 hervor, über die Keystone-SDA auf bluewin.ch berichtete. Der Auftragseingang im ersten Halbjahr erreichte 2,7 Milliarden Franken, also 1 Milliarde mehr als ein Jahr zuvor.

Der Wert der finnischen Bestellung ist nicht bekannt. Weder die Meldung von Keystone-SDA noch die von Stadler veröffentlichte Zusammenfassung der Mitteilung beziffern ihn.

Finnland reiht sich in eine Serie von Ankündigungen im Oktober 2026 ein, die oft bestehende Kunden betreffen. So hat am 9. Oktober Saudi Arabia Railways (SAR), der saudische Bahnbetreiber, die Option aus einem 2024 unterzeichneten Vertrag für zehn weitere Intercity-Züge eingelöst.

DatumMitteilung von Stadler
7. Oktober 2026Vollständige Auslieferung der elektrischen FLIRT-Flotte der italienischen Region Aostatal
9. Oktober 2026Saudi Arabia Railways bestellt zehn weitere Intercity-Züge und löst damit die Option aus dem Vertrag von 2024 ein
16. Oktober 2026Tests von Wasserstoffzügen auf einer neuen Schmalspurstrecke zwischen Hemishofen und Ramsen
20. Oktober 2026Der britische Betreiber Greater Anglia verlängert die Wartung seiner 58 FLIRT-Züge um zwei Jahre
30. Oktober 2026RailStock Finland Oy löst eine Option für 21 weitere FLIRT-Züge ein

Diese Tabelle gibt die Titel und Zusammenfassungen der Mitteilungen wieder, die auf den Medien- und Investor-Relations-Seiten von Stadler aufgeführt sind.

Was bedeutet dieser Auftrag für die Schweizer Standorte?

Die Montage der 21 Züge findet nicht in der Schweiz statt: Laut swissinfo.ch erfolgt die Produktion in den Werken des Konzerns in Polen. Stadler hat nicht angegeben, welcher Anteil an Engineering oder Komponenten auf seine Schweizer Standorte entfallen würde.

Die Schweiz bleibt dennoch das Zentrum des Konzerns. Stadler beschäftigt 18'000 Mitarbeitende, davon 6000 in der Schweiz, und erzielte 2025 laut swissinfo.ch einen Umsatz von 3,7 Milliarden Franken. Die Investor-Relations-Seite nennt 16 Produktions- und Komponentenstandorte, acht Engineering-Standorte und mehr als 95 Servicestandorte weltweit.

Die Schweiz dient zudem als Testgelände. Im Kanton Schaffhausen testet Stadler seinen Wasserstoffzug für Sardinien, wie 2clics am 18. Oktober 2026 berichtete.

Was die Entwicklung der Aktie zeigt

Laut swissinfo.ch wurde die Aktie von Stadler Rail am Tag der Ankündigung leicht im Minus bei rund 32 Franken gehandelt. Seit Anfang Januar legte sie 48% zu, auf zwölf Monate 63%. Am 18. Oktober 2026 hatte 2clics ein Plus von 44% seit Januar und von 57% auf zwölf Monate festgestellt. Beim Börsengang an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange im April 2019 notierte der Titel bei 43 Franken. Diese vergangenen Kursbewegungen sagen nichts über die künftige Entwicklung des Kurses aus.

Was noch nicht bekannt ist

  • Der Wert der Bestellung und der Lieferzeitplan der 21 Züge.
  • Der Anteil der Arbeit, Engineering oder Komponenten, der an die Schweizer Standorte geht.
  • Ob RailStock Finland Oy weitere Tranchen der 2022 vorgesehenen Option einlösen wird.

Quellen