Der Schweizer Tourismus dürfte im Winter 2026-2027 fast ebenso stark abschneiden wie im Vorjahr. In ihrer am 30. Oktober 2026 veröffentlichten Prognose rechnet die KOF Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) mit rund 18,7 Millionen Hotelübernachtungen für die Saison, die im November beginnt. Das sind 0,1% weniger als im Rekordwinter 2025-2026. Gäste aus der Schweiz und aus Europa dürften den Rückgang der Fernmärkte ausgleichen, die durch den Krieg im Iran gebremst werden.
Ein Winter auf Rekordniveau erwartet
Der zu schlagende Rekord ist eine Feststellung, keine Prognose. Gemäss der Medienmitteilung des Bundesamts für Statistik (BFS) vom 8. Juni 2026 verzeichnete die Schweizer Hotellerie zwischen November 2025 und April 2026 18,7 Millionen Logiernächte. Das ist das beste je gemessene Ergebnis, ein Plus von 1,1% (+198'000 Logiernächte) gegenüber dem Vorjahr.
Die KOF erwartet für den Winter 2026-2027 rund 15'000 Logiernächte weniger. Das Niveau bliebe gemäss der Mitteilung des Instituts sehr hoch und läge über jenem des Winters 2024-2025. Die Prognose hat sich seit dem Frühling kaum verändert: Bereits am 26. Mai 2026 kündigte die KOF 18,7 Millionen Logiernächte für diesen Winter an.
Die vorangegangene Saison gibt einen Eindruck von der Fehlermarge. Am 6. November 2025 prognostizierte die KOF für den Winter 2025-2026 rund 18,6 Millionen Logiernächte, also +0,7%. Das BFS zählte 18,7 Millionen, also +1,1%: Die Saison übertraf die Prognose leicht.
| Saison | Hotelübernachtungen | Veränderung gegenüber Vorjahr | Art der Zahl |
|---|---|---|---|
| Winter 2025-2026 | 18,7 Millionen | +1,1% | Feststellung des BFS (Rekord) |
| Winter 2026-2027 | 18,7 Millionen | −0,1% | Prognose der KOF, Oktober 2026 |
| Sommer 2025 | 25,2 Millionen | Rekord | Von der KOF genannte Zahl |
| Sommer 2026 | 25,0 Millionen | −0,5% | Schätzung der KOF, Oktober 2026 |
Schweizer Gäste tragen die Wintersaison
Die Schweizer Kundschaft bleibt im Winter mit Abstand die grösste Gruppe. Die KOF erwartet von ihr rund 9,5 Millionen Logiernächte, also das Rekordniveau des vergangenen Winters. Das BFS hatte diesen Rekord mit 9,5 Millionen (+1,6%) beziffert, über den vier vorangegangenen Wintersaisons.
Die KOF nennt zwei Gründe für diese Stabilität. Die Schweizer Konjunktur bleibt solide. Der Franken, schwächer als im Frühling trotz einer leichten Aufwertung gegenüber dem Euro im Oktober, verteuert Ferien im Ausland und erhält die Attraktivität von Winteraufenthalten im Inland.
Die Gäste aus Europa dürften leicht zulegen: rund 5,6 Millionen Logiernächte, also +0,8%. Viele von ihnen erreichen die Schweiz ohne teures Flugticket, hält die KOF fest. Die gedämpfte Konsumstimmung in Europa dürfte diesen Anstieg jedoch bremsen. Die Gruppierungen der KOF decken sich nicht genau mit jenen des BFS, das im letzten Winter 5,8 Millionen europäische Logiernächte zählte: Die beiden Reihen lassen sich nicht Zeile für Zeile vergleichen.
Die Fernmärkte bleiben der Schwachpunkt
Die KOF erwartet rund 3,6 Millionen Logiernächte aus den Fernmärkten, ein Rückgang um 1,7%. Der Krieg im Nahen Osten hält den Ölpreis hoch, was Kerosin und Langstreckenflüge verteuert. Die Nachfrage aus Asien und den Golfstaaten bliebe damit unter ihrem Vorkriegsniveau.
Der Rückgang begann im letzten Winter. Gemäss BFS sanken die asiatischen Logiernächte um 10,1% (−155'000) auf 1,4 Millionen. Der Einbruch beschleunigte sich im März (−16,9%) und dann im April 2026 (−28,4%). Am stärksten gingen Indien, die Golfstaaten und Südkorea zurück.
Bei den Vereinigten Staaten gehen die beiden Lesarten auseinander. Im letzten Winter erzielten die amerikanischen Gäste gemäss BFS ihr bestes Ergebnis seit drei Jahrzehnten (+4,5%). Die KOF erwartet sie nun etwas zurückhaltender, wegen einer eingetrübten Konsumentenstimmung und einer hartnäckigen Inflation in den USA.
Ein Sommer 2026 besser als erwartet
Der Sommer 2026 hat die KOF positiv überrascht. Im Mai 2026 prognostizierte die KOF 24,8 Millionen Logiernächte, also 1,6% weniger als die 25,2 Millionen des Sommers 2025. Ihre Schätzung vom Oktober stieg auf rund 25,0 Millionen (−0,5%). Der Sommer 2026 würde damit zur zweitbesten Sommersaison, hinter jener von 2025.
Gemäss der KOF haben Gäste aus der Schweiz und aus Europa einen grossen Teil des Einbruchs der Fernmärkte ausgeglichen. Ein sehr starker September gab den Ausschlag. Diese Zahl bleibt eine Schätzung: Das BFS hat seine Bilanz der Sommersaison 2026 noch nicht veröffentlicht.
Stadt- und Berghotels: unterschiedliche Erwartungen
Nicht alle Hoteliers teilen den gleichen Optimismus. Gemäss den Konjunkturumfragen der KOF bleiben ihre Erwartungen für die ausländische Kundschaft unter jenen für die Schweizer Kundschaft, auch wenn sie sich zuletzt verbessert haben. Am vorsichtigsten sind die Betriebe in den grossen Städten, da sie stärker von ausländischen Gästen abhängen.
Dieser Befund steht im Kontrast zum vergangenen Winter. Gemäss BFS legte das Tessin damals um 7,2% zu, und auch die Städte wuchsen: +2,5% in Genf und +1,6% in der Region Zürich. Die Bergregionen kamen weniger voran: +0,7% im Wallis, Stabilität in Graubünden (+0,1%). Im Mai 2026 hielt die KOF fest, dass die Berge stärker von Feriengästen aus der Nähe profitieren, während die Städte von interkontinentalen Reisen abhängen.
Der Schnee, die entscheidende Grösse für die Ferienorte
Für die Ferienorte und ihre Bergbahnen wiegt der Schnee ebenso schwer wie die Konjunktur. Die KOF schreibt, er könne den Unterschied zwischen einem neuen Rekord und einem Ergebnis unter jenem des Vorwinters ausmachen. Ihre Prognose betrifft die Hotelübernachtungen; sie beziffert weder die Skipässe noch den Umsatz der Skigebiete.
Das Saisonende ist der heikle Moment. Bereits im November 2025 stellte die KOF fest, dass höhere Temperaturen und weniger verlässlicher Schnee in den Alpen die Nachfrage im März zunehmend schwächen. Im März 2026 ging die Schweizer Nachfrage gemäss BFS um 5,7% zurück. Die KOF führt diesen schwächeren Monat teilweise auf eine schlechtere Schneelage zurück, zusätzlich zu den Auswirkungen des Kriegs im Iran.
Was noch offen ist
- Die Entwicklung des Kriegs im Iran, von der gemäss der KOF der Ölpreis, die Flugtarife und damit die Langstreckenreisen abhängen.
- Die Schneelage im Winter, insbesondere im März, die die Saison über oder unter den Rekord kippen lassen kann.
- Die offizielle Bilanz des Sommers 2026: Die 25,0 Millionen Logiernächte bleiben eine Schätzung der KOF, die das BFS noch nicht bestätigt hat.
Quellen
- Allnews, Mitteilung der KOF zum Wintertourismus, 30. Oktober 2026
- Swissinfo (Keystone-SDA), KOF expects another strong winter season, 30. Oktober 2026
- KOF, Tourismusprognosen für die Schweiz
- KOF, Tourismusprognose vom Mai 2026, 26. Mai 2026
- BFS, Touristische Beherbergung im Winter 2025-2026, 8. Juni 2026




