Der Genfer Luxusgüterkonzern Richemont restrukturiert Montblanc, seine in Le Locle ansässige Uhrenmarke, wegen rückläufiger Nachfrage. Laut der Gewerkschaft Unia Neuenburg, zitiert von der Agentur AWP und aufgegriffen von SWI swissinfo.ch am 9. Oktober 2026, wurden sechs Mitarbeitende entlassen, und andere werden in andere Gesellschaften des Konzerns versetzt. Der Stellenabbau wurde Ende September abgeschlossen.
Sechs Entlassungen bei einem Personalbestand von 45 Personen
Laut der Gewerkschaftssekretärin Solenn Ochsner zählt die 1997 gegründete Marke 45 Angestellte. Die gemeldeten Zahlen stimmen nicht vollständig überein. Die Quelle gibt zunächst an, dass Richemont die Versetzung von 17 Angestellten in andere Gesellschaften des Konzerns organisiert und sechs Personen entlassen hat. Anschliessend zitiert sie die Vertreterin der Unia, wonach «23 einen Wechsel akzeptiert haben oder derzeit darüber verhandeln, und sechs entlassen wurden». Die Differenz zwischen 17 und 23 Versetzungen wird nicht erklärt. In beiden Lesarten ist ein bedeutender Teil der Belegschaft betroffen: zwischen der Hälfte und fast zwei Dritteln der 45 Stellen.
Richemont bietet den Betroffenen Stellen in anderen Einheiten des Konzerns an, darunter Cartier. Eine Minderheit hat eingewilligt, zur Manufaktur Minerva in Villeret im Berner Jura zu wechseln, die der Konzern 2006 übernommen hat. Laut Solenn Ochsner werden die Arbeitsbedingungen nicht ganz dieselben sein, und einige Angestellte werden längere tägliche Arbeitswege haben. Die Quelle präzisiert nicht, welche Bedingungen sich ändern und in welchem Ausmass.
Auf Anfrage war Richemont nicht unmittelbar für eine Stellungnahme erreichbar. Die Version des Konzerns zur genauen Zahl der betroffenen Stellen ist daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt.
Einstiegs- und Mittelklasse an vorderster Front
Die Gewerkschaftsvertreterin erklärt, dass Montblanc unter der Krise leidet, welche die gesamte Uhrenindustrie erfasst und besonders Uhren der Einstiegs- und Mittelklasse trifft. Der Kontrast zu Minerva ist deutlich: Der auf das Spitzensegment spezialisierten Marke geht es laut ihr «sehr gut». Richemont hat die historischen Werkstätten, die auf das neunzehnte Jahrhundert zurückgehen, in ein Kompetenzzentrum umgewandelt.
Dieser Fall veranschaulicht eine Krise, welche die Segmente ungleich trifft: Der Druck konzentriert sich auf die mittleren Preisklassen, während das Spitzensegment standhält. Es handelt sich allerdings um die Diagnose einer Gewerkschaftsvertreterin. Die Quelle liefert keine Zahlen zu den Verkäufen von Montblanc selbst.
Konzernergebnisse, die eine andere Geschichte erzählen
Die Zahlen von Richemont ergeben ein differenzierteres Bild. Im ersten Quartal des abweichenden Geschäftsjahres 2026/27, also von April bis Juni, stieg der Umsatz des Konzerns im Vorjahresvergleich um 17% auf 6,3 Milliarden Euro (5,9 Milliarden Franken). Der Anstieg ist hauptsächlich dem Schmuckgeschäft zu verdanken, und weder die Krise im Nahen Osten noch der anhaltende Rückgang in China haben ihn gebremst.
Die Uhrenmarken des Konzerns ihrerseits sind nach zwei Jahren des Rückgangs auf den Wachstumspfad zurückgekehrt, mit einem Plus von 6% auf 873 Millionen Euro. Diese Erholung bleibt deutlich hinter jener des Gesamtkonzerns zurück, und sie wurde über ein einziges Quartal gemessen. Sie allein erlaubt nicht den Schluss, dass die Uhrenindustrie die Krise überwunden hat. Die Quelle schlüsselt auch den Beitrag der einzelnen Uhrenmarken zu diesem Ergebnis nicht auf.
Welche Folgen für die Beschäftigung in der Region
Für das Personal in Le Locle bedeutet die Restrukturierung nicht nur Entlassungen: Der Mehrheit der Betroffenen wird eine Stelle anderswo im Konzern angeboten. Diese interne Umplatzierung hat laut Unia jedoch ihren Preis für die betroffenen Haushalte: andere Anstellungsbedingungen und längere Arbeitswege. Die Fahrten zwischen Le Locle und Villeret sind ein Beispiel dafür. Die Quelle sagt nicht, ob weitere Stellenstreichungen bei Montblanc in Betracht gezogen werden. Sie sagt auch nicht, ob andere Uhrenstandorte des Konzerns betroffen sind.
Quellen
- SWI swissinfo.ch (Keystone-SDA), «Swiss luxury group Richemont sheds jobs at watchmaker Montblanc», veröffentlicht am 9. Oktober 2026.




