Das Schweizer Startup Sonexos mit Sitz in Lausanne hat am 21. Oktober 2026 eine Finanzierungsrunde über 5 Millionen Franken bekannt gegeben. Mit dem Geld soll seine plasmabasierte Technologie zur Lärmreduktion vom Prototyp zum Industrieprodukt werden. Die erste Serienproduktion ist für Anfang 2028 angepeilt.
Was finanziert die Runde über 5 Millionen Franken?
Die Mittel dienen dazu, Prototypen in qualifizierte Industrieprodukte zu überführen. Es handelt sich um eine Eigenkapitalrunde, eine sogenannte «Pre-Series-A».
Sonexos führt bereits kostenpflichtige Integrationsprogramme mit weltweit tätigen Herstellern von Haushaltgeräten sowie von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen. Laut Startupticker zielen die am weitesten fortgeschrittenen Programme auf eine Serienproduktion Anfang 2028.
Dieser Termin bleibt an Bedingungen geknüpft. Das Unternehmen selbst macht ihn von drei Schritten abhängig: der Integration in die Geräte, der regulatorischen Konformität und der Lancierung neuer Produkte bei seinen Kunden.
Welchen Lärm will die Plasmakustik reduzieren?
Sonexos nimmt den tieffrequenten Lärm von Ventilatoren, Kompressoren und Motoren ins Visier. Es ist das tiefe Brummen, das durch Wände und Fenster dringt und dem man am schwersten entkommt.
Die Ventilatoren von Rechenzentren sind ein Beispiel, das die Quelle nennt. Auf seiner Website erwähnt das Unternehmen zudem Dunstabzugshauben, Wäschetrockner sowie die Lüftung von Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln.
Wie funktioniert diese aktive Lärmkontrolle mit Plasma?
Das Prinzip beruht auf einer softwaregesteuerten Plasmaschicht, die den Schall an der Oberfläche eines Panels absorbiert. Sonexos nennt diese patentierte Vorrichtung Plasmacoustic Metalayer.
Konkret erzeugt eine kontrollierte elektrische Entladung, eine sogenannte Koronaentladung, eine dünne Schicht aus ionisiertem Gas. Diese Schicht wirkt wie eine «masselose» Membran, die sofort auf den eintreffenden Schall reagiert.
Das System misst laufend den Umgebungslärm und verarbeitet diese Daten in Echtzeit. Anschliessend passt es die Plasmaschicht an, um ihre akustische Impedanz, also ihren Widerstand gegen den Durchgang des Schalls, zu verändern und unerwünschte Schallenergie abzubauen.
Das Unternehmen beschreibt drei Bausteine:
- Plasmadrive: die zentrale Komponente, die ein kaltes atmosphärisches Plasma in steuerbaren Schalldruck umwandelt;
- Plasmacoustic Metalayer: die durch künstliche Intelligenz unterstützte Steuerungsschicht, die das Plasmafeld formt;
- Plasmapanel: das ins Produkt integrierte Panel, das für die Fertigung in grossem Massstab ausgelegt ist.
Das System ist dünn, leicht und hat keine beweglichen Teile. Deshalb spricht Sonexos von aktiver Lärmkontrolle «in Festkörperbauweise».
Was bringt es gegenüber passiven Schalldämpfern und Lautsprechern?
Die Plasmakustik will eine Lücke der beiden bestehenden Lösungsfamilien schliessen. Die Quellen von Sonexos beschreiben sie so:
| Ansatz | Stärke | Von den Quellen beschriebene Grenze |
|---|---|---|
| Passive Behandlungen (Schaumstoffe, Dämmstoffe, Barrieren) | Wirksam bei höheren Frequenzen | Unter 1 Kilohertz oft ungenügend, sperrig, schwer, können den Luftstrom bremsen |
| Aktive Kontrolle mit Lautsprechern (wie bei Kopfhörern mit Geräuschunterdrückung) | Sehr wirksam auf engem Raum | Schwierig und teuer auf komplexe dreidimensionale Schallfelder auszuweiten |
| Plasmakustik von Sonexos | Aktive Absorption an der Oberfläche, dünn, leicht, ohne bewegliche Teile | Noch im Prototypstadium; Serienproduktion Anfang 2028 angepeilt |
Laut Mark Donaldson, Gründer und CEO von Sonexos, «mussten Ingenieure schon immer Platz und Gewicht opfern, um Ruhe zu erreichen». Die Plasmakustik würde diesen Kompromiss aufheben.
Woher stammt die Technologie?
Die grundlegende Plasmakustik-Technologie ist von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) lizenziert. Der Hauptsitz des Unternehmens und seine Plasmaforschung befinden sich in Lausanne.
Sonexos verfügt zudem über ein Betriebszentrum in Mailand und ein Forschungszentrum für Hochspannung in Auckland, Neuseeland. Seine Vertriebsteams sitzen in San José in den USA und in Hongkong.
Mark Donaldson hat drei Jahrzehnte lang Unternehmen im Bereich der aktiven Lärmkontrolle aufgebaut. Unter anderem gründete er SoundChip, das Audiochips mit Geräuschunterdrückung für Kopfhörer entwickelte. SoundChip wurde von der DSP Group übernommen, die heute zu Synaptics gehört.
Wer sind die Investoren?
Angeführt wird die Runde von Valquest Partners. Robert Bosch Venture Capital GmbH (Bosch Ventures) beteiligt sich, zusammen mit Privatinvestoren und Business Angels aus der Industrie.
Fadi Noureddine, Gründer und geschäftsführender Partner von Valquest Partners, zieht in den Verwaltungsrat von Sonexos ein. Er hebt eine differenzierte Wissenschaft, ein solides geistiges Eigentum und Fortschritte mit grossen Herstellern hervor.
Ingo Ramesohl, Geschäftsführer von Bosch Ventures, sagt, ihn habe vor allem «ein glaubwürdiger Weg zur industriellen Skalierung» überzeugt.
Wie will Sonexos in Serie produzieren?
Das Startup wird nicht alle Komponenten selbst herstellen. Es stützt sich auf Industriepartner:
- STMicroelectronics, das es in sein Programm ST for Startups aufgenommen hat, hilft ihm, eine sparsame und kostengünstige Elektronik zu entwickeln;
- die Vandewiele-Gruppe eröffnet ihm über ihre Tochtergesellschaft Roj einen Weg zur Serienfertigung für die Programme europäischer Hersteller;
- SIT, ein an der Euronext Milan kotiertes Unternehmen, arbeitet seit Juli 2026 bei Ventilatorplattformen mit ihm zusammen.
Sonexos wird zwei Modelle anbieten. Das erste liefert schlüsselfertige Panels mit Unterstützung bei der Integration. Das zweite erlaubt es grossen Herstellern, seine Komponenten wie den Plasmadrive und seine Software selbst in ihre Produktionslinien zu integrieren.
Warum sind Rechenzentren ein Ziel?
Das Wachstum der Infrastrukturen für künstliche Intelligenz erhöht den Kühlbedarf. Diese Kühlung beruht oft auf grossen Ventilatoren, die ununterbrochen laufen.
Ihr tiefer Lärm lässt sich für die Nachbarschaft nur schwer überdecken. Wo Lärmgrenzwerte den Nachtbetrieb einschränken, könnte eine leisere Kühlung den Betreibern helfen, ohne den Luftstrom zu bremsen.
Sonexos entwickelt dafür den Plasmapanel Radial Active Silencer, der rund um den Auslass eines Ventilators montiert wird. SIT ist das erste Mitglied seines Programms für zertifizierte Partner. Die beiden Unternehmen planen, an der Consumer Electronics Show (CES) 2027 einen ersten funktionsfähigen Demonstrator vorzustellen.
Was ist nachgewiesen, und was bleibt zu tun?
Das gesicherte Ergebnis betrifft Prototypen. Sie haben den tieffrequenten Lärm in Lüftungssystemen um bis zu 20 Dezibel (dB) und in Haushaltgeräten um bis zu 16 dB reduziert.
Diese Werte wurden unter Testbedingungen erzielt, die für jede Anwendung spezifisch sind. Sie gelten daher nicht für alle Geräte und nicht für alle Umgebungen.
Laut seiner Website befindet sich die erste Generation des Plasmapanels nach vier Jahren Forschung und Entwicklung in mehreren Branchen in der Evaluation. Die zweite Generation schreitet in Richtung Massenfertigung voran. Dies sind Angaben des Unternehmens.
Die industrielle Qualifizierung bleibt die zu nehmende Hürde. Sie umfasst die Integration bei den Herstellern, die regulatorische Konformität und die Industrialisierung: genau das soll die Finanzierungsrunde bezahlen.
Was man noch nicht weiss
- Die ursprüngliche wissenschaftliche Publikation der EPFL-Arbeiten wird in den konsultierten Quellen nicht genannt, ebenso wenig das betreffende Labor.
- Die Quellen nennen weder den Stromverbrauch der Panels im Betrieb noch ihren Preis.
- Die Namen der Haushaltgeräte- und Lüftungshersteller, die an den kostenpflichtigen Programmen beteiligt sind, werden nicht veröffentlicht.
- Die Ergebnisse werden nicht mit unabhängigen Messungen verglichen.
Quellen
- Startupticker: Finanzierungsrunde von Sonexos (auf Englisch, 21. Oktober 2026)
- Offizielle Website von Sonexos (auf Englisch)
- Plasmakustik-Technologie von Sonexos (auf Englisch)




