Am 21. Oktober 2026 hat die Stiftung für Innovation und Technologie (FIT) zwei FIT-Impact-Förderbeiträge von je 10'000 Franken für zwei Projekte aus dem Kanton Waadt angekündigt, die an der Ecole cantonale d'art de Lausanne (ECAL) entstanden sind. Niv'o will Regenwasser für Berghütten sammeln, die unter Trockenheit leiden. EC Knit will die Liegen bestehender Nachtzüge bequemer machen. Für diese beiden Waadtländer Startup-Projekte dient das Geld dazu, zu beweisen, dass die Idee funktioniert, und noch nicht dazu, sie zu verkaufen.
Was finanzieren die FIT-Impact-Förderbeiträge?
FIT Impact ist der Bereich der Stiftung, der Low-Tech-Projekten mit grosser Wirkung gewidmet ist. Laut der FIT richtet er sich an Start-ups, deren Projekt eine positive soziale, ökologische oder wirtschaftliche Wirkung hat. Das Programm wurde 2023 lanciert.
Es umfasst zwei Formen der Unterstützung, gemäss der Seite «Darlehen und Förderbeiträge» der FIT:
- den Förderbeitrag Impact Grant, den Niv'o und EC Knit erhalten;
- den Preis Impact Award, der an der Preisverleihung FIT Impact vergeben wird.
Die Stiftung beziffert diese Beträge auf 10'000 bis 20'000 Franken. Es handelt sich um einen Förderbeitrag, nicht um eine Finanzierungsrunde: Kein Investor steigt ins Kapital ein, und in diesem Stadium wird kein Produkt lanciert.
Niv'o: ein Regenwassersammler für Hütten
Niv'o reagiert auf einen Wassermangel, der Hütten in höheren Lagen bereits trifft. Laut dem Schweizer Alpen-Club (SAC), den die FIT zitiert, kennt bereits jede fünfte Hütte Wasserknappheit. Viele sind auf Quellen oder Reserven angewiesen, deren Ergiebigkeit je nach Jahreszeit schwankt.
Weniger Schneefall, Trockenperioden und der Rückgang der Gletscher verschärfen die Lage, hält die Stiftung fest. Regenwasser wird dennoch kaum genutzt.
Damien Gabriel hat Niv'o während seines Bachelors in Industriedesign an der ECAL entworfen. Das Wasser vom Dach wird in einem Edelstahltank gesammelt. Ein Gabionenkorb aus vor Ort gefundenen Steinen umgibt ihn, schützt ihn vor Kälte und Hitze und erspart grosse Bauarbeiten. Eine Anzeige zeigt jederzeit den Füllstand der Reserve an, damit Hüttenwarte und Gäste ihren Verbrauch steuern können.
Was Niv'o beweisen muss: den Schritt vom heutigen visuellen Prototyp zu einer ersten funktionsfähigen Version. Laut der FIT finanzieren die 10'000 Franken den Tank, die Materialien, die Herstellung der Bauteile sowie Tests unter realen Bedingungen in mehreren Hütten.
EC Knit: eine gestrickte Matratze für Nachtzüge
EC Knit nimmt sich des Komforts der bereits verkehrenden Liegewagen an. Gespräche mit den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben laut der FIT mehrere Probleme zutage gefördert:
- ein noch zu wenig komfortabler Schlaf;
- eine aufwendige Reinigung und Wartung der Abteile;
- zu wenig Platz, um seine Sachen zu verstauen;
- die Notwendigkeit, bestehende Wagen zu verbessern, statt neue zu bauen.
EC Knit wurde von Christophe Asençao gegründet und entwickelt eine Matratze ohne Schaumstoff, die vollständig dreidimensional gestrickt ist. Die Dichte des Gestricks variiert je nach Zone, um die verschiedenen Körperpartien zu stützen. Die leichte, waschbare und austauschbare Matratze wird durch gestrickte Vorhänge ergänzt, die für jeden Reisenden einen eigenen Bereich schaffen.
Was EC Knit beweisen muss: dass seine Gestricke dauerhaft halten. Der Förderbeitrag von 10'000 Franken finanziert die Entwicklung der Materialien, Prototypen in Originalgrösse und Belastungstests. Das Projekt wird auch seine Umweltwirkung dokumentieren, um sie Bahnbetreibern im Hinblick auf ein erstes Pilotprojekt vorzustellen.
Zwei Projekte, zwei Etappen
| Niv'o | EC Knit | |
|---|---|---|
| Projektträger | Damien Gabriel | Christophe Asençao |
| Angegangenes Problem | Wassermangel in Berghütten | Komfort und Wartung von Nachtzügen |
| Förderbeitrag FIT Impact | 10'000 Franken | 10'000 Franken |
| Verwendung der Mittel | Tank, Materialien, Bauteile, Tests in mehreren Hütten | Gestricke und Materialien, Prototypen in Originalgrösse, Belastungstests |
| Nächster Schritt | Erste funktionsfähige Version | Präsentation bei Bahnbetreibern im Hinblick auf ein Pilotprojekt |
Wie die Stiftung FIT Waadtländer Start-ups unterstützt
Die 1994 gegründete FIT unterstützt die Gründung junger Unternehmen im Kanton Waadt und in der Westschweiz. Ihr Sekretariat wird von der Waadtländer Handels- und Industriekammer in Lausanne geführt. 2025 hat sie laut ihrer Website 61 Projekte mit insgesamt 5,475 Millionen Franken unterstützt.
FIT Impact ist das kleinste ihrer drei Programme. Die von der Stiftung angegebenen Beträge zeigen die Grössenordnung:
| Programm | Für wen | Beträge |
|---|---|---|
| FIT Tech | Start-ups, die auf einer technologischen Innovation beruhen | 100'000 bis 500'000 Franken |
| FIT Digital | Digitale Projekte mit innovativem Geschäftsmodell | 20'000 bis 200'000 Franken |
| FIT Impact | Low-Tech-Projekte mit sozialer, ökologischer oder wirtschaftlicher Wirkung | 10'000 bis 20'000 Franken |
Zum technologischen Bereich hat 2clics bereits die Förderbeiträge FIT Tech Grant vorgestellt. Für einen Gesamtüberblick siehe den Überblick über die FIT-Darlehen.
Am 17. September 2026 fand die dritte Preisverleihung FIT Impact im Rahmen von Showcase statt, organisiert vom Enterprise for Society Center (E4S). LittleCubes gewann dort den Grand Prix von 20'000 Franken und den Publikumspreis von 5'000 Franken. Gynecare + und Blocsy erhielten je einen Prix Coup de Cœur von 10'000 Franken.
Was man noch nicht weiss
- Der Zeitplan: Die FIT nennt weder ein Datum für die funktionsfähige Version von Niv'o noch für die Prototypen von EC Knit.
- Die Testhütten: Die Stiftung spricht von «mehreren Hütten», ohne sie zu nennen.
- Die Bahnpartner: Die SBB und die ÖBB wurden konsultiert, doch es ist kein Pilotprojekt angekündigt.
- Der Preis und das Geschäftsmodell: Keine Quelle beziffert die Kosten einer Niv'o-Anlage oder einer EC-Knit-Liege.




