Die mikrobiologische Qualität von Wasser zu messen, braucht Zeit. Eine Probe wird entnommen, ins Labor geschickt, und das Ergebnis liegt 18 bis 72 Stunden später vor. Genau diese Wartezeit will bNovate Technologies verkürzen, ein Unternehmen mit Sitz im EPFL Innovation Park in Lausanne. Laut Startupticker.ch hat das Unternehmen soeben BactoSense ID lanciert, ein automatisiertes System, das gezielt bestimmte Bakterien in Abwasser und Badegewässern in weniger als 60 Minuten nachweist und quantifiziert.

Was BactoSense ID misst

Bisher massen die Instrumente von bNovate die gesamte Bakterienpopulation einer Wasserprobe, ohne zwischen Arten zu unterscheiden. BactoSense ID geht einen Schritt weiter: Es identifiziert und quantifiziert bestimmte Bakteriengruppen, nämlich jene, die für Wasserfachleute von Interesse sind. Dabei handelt es sich um Coliforme, Enterokokken und E. coli, klassische Indikatoren für die mikrobiologische Wasserqualität, insbesondere bei Abwasser, Wasserwiederverwendung und Badestellen.

Ein Punkt verdient eine Präzisierung. Zwar nennt die Ankündigung E. coli unter den nachgewiesenen Bakterien, doch Karim El Koury, Marketingdirektor (CMO) von bNovate, erklärt gegenüber Startupticker.ch, dass die Technologie heute Coliforme und Enterokokken identifiziert und E. coli «sehr bald folgen» werde. Zum Zeitpunkt der Lancierung ist der Nachweis von E. coli also noch eher eine Ankündigung als ein verfügbares Ergebnis.

Das physikalische Messprinzip beschreibt die Quelle nicht. Bekannt ist nur, dass das Unternehmen komplexe Laborinstrumente vereinfachen und automatisieren wollte, um daraus «Plug-and-Play»-Geräte zu machen, die Wasserfachleute ohne vertiefte Ausbildung in Mikrobiologie bedienen können. Zahlreiche Instrumente des Unternehmens arbeiten direkt in Aufbereitungsanlagen, Verteilnetzen oder industriellen Produktionsstätten, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Eine Ergänzung zu Laboranalysen

bNovate präsentiert BactoSense ID nicht als Ersatz für die behördlich vorgeschriebenen Tests. Das System ergänzt sie, indem es zwischen zwei Laboranalysen Transparenz schafft. Bei Abwasser oder Badegewässern beruht die Überwachung noch weitgehend auf periodischen Probenahmen, deren Ergebnisse Tage brauchen. Mit einer schnelleren Messung könnten Betreiber eine Veränderung früher erkennen und rascher entscheiden.

Das Unternehmen nennt mehrere mögliche Anwendungen:

  • die Menge der zur Desinfektion eingesetzten Chemikalien anpassen;
  • kontaminiertes Wasser rechtzeitig umleiten;
  • eine Badestelle früher schliessen oder wieder öffnen.

Es handelt sich um von bNovate genannte Anwendungsbeispiele, nicht um dokumentierte Einsatzfälle. Die Quelle gibt weder an, wie das System validiert wurde, noch wie gut seine Ergebnisse mit den Referenzmethoden der Labore übereinstimmen, noch welche Wasserversorger es bereits nutzen. Diese Punkte werden entscheidend sein, um seinen tatsächlichen Stellenwert in der Kontrolle der Wasserqualität zu beurteilen. Karim El Koury erwähnt hingegen die Unterstützung von Innosuisse bei der Entwicklung der Technologie.

Bereits 500 Systeme im Einsatz

Das Lausanner Start-up fängt nicht bei null an. bNovate zählt weltweit mehr als 500 Systeme im Betrieb, die pro Jahr über eine Million automatisierte mikrobiologische Messungen durchführen. Zu den Kunden gehören Trinkwasserversorger ebenso wie die Pharma-, Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie weitere Industrieunternehmen. Karim El Koury nennt L'Occitane, Severn Trent und BWT als Partner. Das Unternehmen erkundet zudem den Halbleitermarkt und den Markt für Kühlsysteme, insbesondere für Rechenzentren.

Nach dem jüngsten Legionellose-Ausbruch im Zusammenhang mit einem Kühlsystem in Basel bietet das Waadtländer Unternehmen nach eigenen Angaben seine Unterstützung an, wo es kann. Seine Lösungen werden international von bNovate selbst und über ein wachsendes Netz spezialisierter Vertriebs- und Servicepartner vertrieben; kürzlich wurde ein BactoSense in Grönland installiert.

Neue Märkte und eine Softwareschicht

Mit rund 50 Mitarbeitenden und einem wachsenden Team setzt bNovate auf internationales Wachstum und auf die Ausweitung der Anwendungen seiner Technologie. BactoSense ID eröffnet ihm neue Märkte: Abwasser, Wasserwiederverwendung und Umweltüberwachung. Parallel dazu ist das Unternehmen weiterhin in den Bereichen Trinkwasser, Lebensmittel, Getränke und Pharma tätig.

Auf digitaler Ebene investiert bNovate in maschinelles Lernen, um aus den von seinen Instrumenten gesammelten Datenmengen mehr Informationen zu gewinnen. Seine Plattform BactoCloud, ein Online-Dienst (SaaS) für Überwachung und Analyse, ist das jüngste Beispiel dafür. Für weitere Bakterien verspricht Karim El Koury neue Lösungen, allerdings ohne Zeitplan und ohne konkrete Liste: Es handelt sich um eine Perspektive, nicht um ein angekündigtes Produkt.

Was sich ändert und was noch zu beweisen ist

Das erklärte Ziel von bNovate ist es, die Rolle der Mikrobiologie im Wassermanagement zu verändern. Heute blickt die mikrobiologische Analyse vor allem in den Rückspiegel: Man erfährt mehrere Tage nach der Probenahme, was passiert ist. Das Unternehmen setzt sich für kontinuierliche und automatisierte mikrobiologische Informationen ein, mit denen sich Prozesse in Echtzeit steuern lassen.

Gesichert ist ein lanciertes Produkt, das gezielt bestimmte Indikatorbakterien erfasst, mit einer angekündigten Messdauer von weniger als 60 Minuten. Die Hypothese lautet, dass eine häufigere Überwachung zwischen zwei behördlich vorgeschriebenen Analysen es ermöglicht, in einer Kläranlage oder an einem Badestrand früher zu reagieren. Um dies zu überprüfen, braucht es öffentliche Validierungsdaten und Rückmeldungen von Betreibern, welche die Ankündigung noch nicht liefert.

Quellen