Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat PRECISE MDD 1'990'000 Franken zugesprochen, einer randomisierten kontrollierten Studie des Digital-Health-Unternehmens DeepPsy. Die Meldung, die Startupticker.ch am 7. Oktober 2026 verbreitete, gibt die Mitteilung des Unternehmens wieder. Das Ziel: messen, ob ein Bericht auf Basis von Biomarkern aus der Hirn- und Herzaktivität tatsächlich hilft, die Behandlung einer schweren Depression zu wählen. Genau das ist noch nicht belegt, und genau das soll die Studie prüfen.

Die Methode: EEG und EKG auswerten, um die Optionen zu vergleichen

DeepPsy analysiert zwei Arten von Aufzeichnungen: das Elektroenzephalogramm (EEG), das die elektrische Aktivität des Gehirns erfasst, und das Elektrokardiogramm (EKG), das jene des Herzens aufzeichnet. Die Software gewinnt daraus elektrophysiologische Biomarker, die das Unternehmen als wissenschaftlich mit der Depression und dem Ansprechen auf die Behandlung verknüpft beschreibt.

Auf Grundlage dieser Messungen erstellt DeepPsy einen Bericht für Klinikerinnen und Kliniker. Dieses Dokument schlägt keine neue Behandlung vor: Es soll ermöglichen, bereits zugelassene Therapieoptionen gegen Depression miteinander zu vergleichen, damit sich der Entscheid auf mehr Daten stützt. Das Unternehmen macht geltend, dieser personalisierte Ansatz könne aufeinanderfolgende Behandlungsversuche reduzieren, die Zeit bis zu einer wirksamen Behandlung verkürzen und die Genesung beschleunigen. Zum jetzigen Zeitpunkt handelt es sich um eine Hypothese, nicht um ein Ergebnis.

Was als gesichert dargestellt wird

Laut DeepPsy beruhen die verwendeten Biomarker auf einem umfangreichen Forschungskorpus, darunter mehr als 20 Studien von Mitgliedern seines Teams und von externen Forschenden. Mehrere dieser Biomarker seien in unabhängigen Datensätzen repliziert worden. Die Quelle nennt weder diese Studien noch die betreffenden Biomarker noch das Ausmass der beobachteten Effekte: Diese Elemente lassen sich hier deshalb nicht beurteilen.

Zudem gilt es, zwei Fragen auseinanderzuhalten. Dass ein EEG- oder EKG-Signal statistisch mit dem Ansprechen auf eine Behandlung zusammenhängt, ist das eine. Dass die Übergabe eines Berichts an die Ärztin oder den Arzt den Verlauf bei den Patientinnen und Patienten verbessert, ist etwas anderes. Diese zweite Frage, jene nach dem klinischen Nutzen, will PRECISE MDD klären.

Die Studie: 500 Patienten, drei Zentren, vier Jahre

Die auf vier Jahre angelegte Studie soll 500 Patientinnen und Patienten mit einer schweren depressiven Störung in universitären psychiatrischen Zentren in Zürich, Bern und Basel einschliessen. Das Design vergleicht zwei Gruppen: Die eine erhält einen individualisierten Bericht auf Basis der Biomarker, die andere einen Bericht auf Basis der Standard-Behandlungsempfehlungen. Die Studie wird zudem die biologischen Veränderungen und die Gesundheitskosten untersuchen.

Die Rollenverteilung wird wie folgt angekündigt: DeepPsy liefert die Software zur Analyse von EEG und EKG sowie die Berechnung der Biomarker, während ein unabhängiges akademisches Konsortium die Studie durchführt. Diese Aufteilung soll das Unternehmen, das das Instrument entwickelt, vom Team trennen, das dessen Wirkung bewertet.

Mateo de Bardeci, Mitgründer und CEO von DeepPsy, bezeichnet PRECISE MDD als «die erste grossangelegte, multizentrische, prospektive, randomisierte, kontrollierte und dreifach verblindete Studie», die eigens darauf ausgelegt ist, den klinischen Nutzen des DeepPsy-Berichts als Ganzes für die Behandlungswahl zu bewerten. Er beschreibt sie als eines der robustesten Studiendesigns, um die klinische Wirksamkeit prospektiv zu beurteilen. Dreifach verblindet bedeutet grundsätzlich, dass weder die Patienten noch die Behandelnden noch die mit der Auswertung betrauten Personen wissen, wer welchen Bericht erhält.

Was die Studie noch beweisen muss

Die Finanzierung durch den SNF ist keine Validierung des Instruments: Sie ermöglicht es, dieses auf die Probe zu stellen. Mehrere Punkte bleiben offen. Die Quelle nennt den primären Endpunkt der Studie nicht, also die Messgrösse, an der sich ablesen lässt, ob der Bericht funktioniert (Remissionsrate, Zeit bis zum Ansprechen oder anderes). Ebenso wenig gibt sie den Zeitplan der Rekrutierung oder das erwartete Datum der Ergebnisse an.

Für Mateo de Bardeci könnten positive Ergebnisse ein wichtiger Schritt hin zur Aufnahme des Instruments in klinische Behandlungsleitlinien sein und mehr biologische Informationen in die psychiatrische Regelversorgung bringen. Der Konjunktiv ist angebracht: Zeigt die Studie keinen Vorteil gegenüber dem Standardbericht, bliebe der klinische Nutzen des Ansatzes erst noch nachzuweisen.

Bis dahin beschränkt sich das gesicherte Ergebnis auf Folgendes: Eine grosse, öffentlich finanzierte und von einem akademischen Konsortium durchgeführte Studie wird eine Entscheidungshilfe auf Basis von EEG und EKG kontrolliert mit einem Standardansatz vergleichen. Menschen mit Depression sollten darin keine heute verfügbare Lösung sehen.

Quellen

Startupticker.ch, «DeepPsy’s obtains CHF 1.99 million for four-year multicenter study», 7. Oktober 2026