Die Unze Gold wird um 4100 Dollar gehandelt, also mehr als 25 % unter ihrem Rekord vom Januar, der bei knapp 5600 Dollar lag. Für Sparerinnen und Sparer ist der Rückgang deutlich. Die Zentralbanken hingegen haben ihren Kurs nicht geändert: Laut dem World Gold Council haben sie im August netto 39 Tonnen gekauft.
39 Tonnen im August, 170 seit Januar
Die Erhebung wurde am 6. Oktober vom World Gold Council veröffentlicht, der Organisation, welche die Goldindustrie vertritt. Sie betrifft die gemeldeten Nettokäufe, also die Käufe abzüglich der Verkäufe. Die 39 Tonnen vom August liegen zwischen den 23 Tonnen vom Juli und den 51 Tonnen vom Juni. Seit Januar beläuft sich das Total auf 170 Tonnen. Zum aktuellen Kurs entsprechen allein die Käufe vom August rund 5 Milliarden Dollar, gemäss der Berechnung von Journal du Coin.
China liegt mit 20 Tonnen an der Spitze, vor Usbekistan und Polen (je 8 Tonnen) sowie Kasachstan (7 Tonnen). Die Türkei tritt nach drei Monaten mit Verkäufen wieder als Käuferin auf, mit 3 Tonnen. In die andere Richtung hat Russland im August 6 Tonnen verkauft (56 Tonnen seit Januar), und Jordanien hat 3 Tonnen abgegeben.
China fällt stark ins Gewicht, Polen führt das Jahr an
Mit 20 von netto 39 Tonnen entfällt allein auf China mehr als die Hälfte der Nettokäufe des Monats. Die Chinesische Volksbank kauft seit 22 Monaten ohne Unterbruch. Sie hat seit Januar 80 Tonnen hinzugefügt und hält nun rund 2387 Tonnen. Das Volumen ist beträchtlich, muss aber ins Verhältnis gesetzt werden: Gold macht nur 9 % der chinesischen Reserven aus. Der Kontrast ist gross zu Usbekistan, wo es 90 % der Reserven ausmacht, und zu Kasachstan, wo der Anteil 79 % erreicht.
Über das ganze Jahr gesehen gebührt der erste Platz jedoch Polen, mit 98 seit Januar gekauften Tonnen. Das Land besitzt 648 Tonnen, bei einem offiziellen Ziel von 700 Tonnen. Es handelt sich um ein erklärtes Ziel, nicht um ein Ergebnis: Um es zu erreichen, fehlen Polen 52 Tonnen. Marissa Salim, Analystin beim World Gold Council und Autorin der Notiz, stellt fest, dass China im Jahresranking zu Polen aufschliesst. Weniger auffällig verzeichnet die Tschechische Republik 42 Monate mit Käufen in Folge.
Warum einen Vermögenswert kaufen, der an Wert verliert
Der Kursrückgang hat eine klar erkennbare Ursache. Eine zehnjährige US-Staatsanleihe rentiert inzwischen mit über 5 %, ein Niveau, das es seit 2002 nicht mehr gab. Gegenüber einer Anleihe, die Zinsen abwirft, verliert ein Metall, das keine abwirft, für Anlegerinnen und Anleger an Attraktivität. Die Unze fiel am Mittwoch, 7. Oktober, auf 4066 Dollar.
Eine Zentralbank, betont Journal du Coin, sucht etwas anderes als Rendite. Der Artikel führt zwei Argumente an. Erstens ist Gold niemandes Schuld. Zweitens entgeht es, wenn es in den eigenen Tresoren eines Landes gelagert wird, dem Einfrieren von Vermögenswerten, wie es 2022 die russischen Reserven traf. Widerspiegeln diese Käufe auch einen umfassenderen Willen, die Zusammensetzung der Reserven zu verändern? Die Quelle behauptet das nicht, und die Frage bleibt offen.
Auch die Geografie der Reserven verändert sich übrigens. Die Niederlande haben am 2. September angekündigt, 86 Tonnen Gold von New York und Ottawa nach London zu verlagern, einen Handelsplatz, an dem das Metall leichter gehandelt wird.
Ein langfristiger Trend, aber mit nachlassendem Tempo
Die Lesarten dieser Zahlen stimmen nicht vollständig überein. Für Marissa Salim deutet die Zusammensetzung der Käufe im August darauf hin, dass die Zentralbanken langfristige Ziele verfolgen; die Schwankungen von Monat zu Monat seien vor allem auf die Ausführung der Käufe und die Marktbedingungen zurückzuführen.
Andere Elemente mahnen zur Vorsicht. In seiner Notiz vom September zählte der World Gold Council bis Ende Juli 130 Tonnen gemeldeter Käufe, gegenüber rund 160 Tonnen ein Jahr zuvor zum selben Zeitpunkt: Die Nachfrage hält an, aber in einem weniger kräftigen Tempo. Dasselbe Dokument berichtete, dass der Gouverneur der Zentralbank Usbekistans, eines der Käuferländer im August, Verkäufe «zu günstigen Preisen» in Betracht zieht. Russland wiederum bleibt seit Januar Nettoverkäufer. Die Bilanz für August ist also die einer positiven offiziellen Nachfrage, nicht die einer einhelligen Bewegung und auch keine Garantie für die kommenden Monate.
Und die Schweiz?
Die Quelle sagt nichts über die Schweizerische Nationalbank oder die Schweizer Goldbranche. Die Frage verdient es dennoch, für die Schweizer Leserschaft gestellt zu werden. Wenn die Zentralbanken weiterhin Gold anhäufen und es teilweise an die Handelsplätze verlagern, an denen es gehandelt wird, was bedeutet das für die in diesem Markt tätigen Schweizer Unternehmen und für die davon abhängigen Arbeitsplätze? Und welchen Stellenwert soll Gold in der Reservepolitik der Schweiz einnehmen, während andere Zentralbanken weiterhin Gold kaufen? Diese Fragen bleiben offen; die Zahlen vom August erlauben es nicht, sie zu beantworten.
Die nächste Erhebung des World Gold Council wird im kommenden Monat erwartet. Sie wird zeigen, ob sich die Ende Juli beobachtete Verlangsamung bestätigt und ob Polen seinem Ziel näherkommt. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.
Quelle: Journal du Coin, «Or : les banques centrales achètent 39 tonnes en août, la Chine en tête»




