An die Börse in der Schweiz: durch das Haupttor eines IPO oder durch die Seitentür eines Reverse Merger? Mit dieser Frage befasste sich an der Investora ein Panel von Kapitalmarktexperten. Der am 24. September 2026 veröffentlichte Bericht stammt nicht von einem neutralen Beobachter: Verfasst hat ihn SIX, die Betreiberin der Schweizer Börse, auf ihrer eigenen Website. SIX hat also ein direktes Interesse daran, dass sich Unternehmen bei ihr kotieren lassen. Was folgt, ist das, was die Börse über die Diskussion berichtet, und ist auch so zu lesen.
Ein Panel, eine einzige namentlich genannte Stimme
Laut SIX nahm Sascha Hilber, Leiter Primary Markets Switzerland bei SIX Swiss Exchange, an der Debatte teil, «zusammen mit Vertretern des Ökosystems». Der Text nennt diese weiteren Teilnehmenden nicht und gibt weder Datum noch Ort der Podiumsdiskussion an. Die Meinungen werden als jene des Panels insgesamt dargestellt; einzig das Schlusszitat wird namentlich zugeordnet, und zwar Sascha Hilber.
Der IPO bleibt laut SIX die Referenz
Gemäss dem Bericht hob die Diskussion hervor, dass die Schweiz ein günstiges Umfeld für Unternehmen bleibt, die über einen IPO Zugang zu den öffentlichen Märkten suchen. Zur Veranschaulichung nennt SIX jüngste Transaktionen: Infracore, SMG, Bioversys und Galderma. Die Börse sieht darin den Beweis für die Attraktivität des Schweizer Marktes für Unternehmen, die Wachstum, Sichtbarkeit und Kapital suchen. Zahlen zu diesen Transaktionen liefert der Text hingegen keine: weder aufgenommene Beträge noch Bewertungen noch die Kursentwicklung seit der Kotierung.
Der Reverse Merger: So funktioniert er
SIX beschreibt den Reverse Merger als Instrument, das inzwischen zum «Werkzeugkasten» von Gesellschaften gehört, die eine Kotierung ins Auge fassen. Das Prinzip, wie es die Quelle erklärt:
- ein privates Unternehmen «übernimmt» faktisch eine Gesellschaft, deren Aktien bereits kotiert sind;
- die Aktionäre des privaten Unternehmens tauschen ihre Titel gegen neue Aktien der so übernommenen kotierten Gesellschaft.
Von SIX hervorgehobenes Beispiel: der Reverse Merger von Centiel in HT5, dieses Jahr vollzogen und von der Börse als «erfolgreich» bezeichnet. Der Text nennt weder die Bedingungen noch den Zeitplan.
Keine Abkürzung
Das ist, weiterhin laut SIX, die nützlichste Botschaft des Panels: Die Teilnehmenden waren sich einig, dass ein Reverse Merger nicht als Abkürzung zu einer erfolgreichen kotierten Gesellschaft gesehen werden darf. Unabhängig vom gewählten Weg muss das Unternehmen kapitalmarktreif sein und die Erwartungen der Investoren und der übrigen Anspruchsgruppen erfüllen können.
Ein weiterer Punkt: Die Transaktionsstrukturen unterscheiden sich stark und müssen im Hinblick auf die strategischen Ziele des Unternehmens beurteilt werden. Der Bericht nennt drei Kriterien:
- den Kapitalbedarf;
- die Liquidität der Titel am Markt;
- die Ziele der Aktionäre.
Sascha Hilber fasst die Position so zusammen: «Ob ein Unternehmen einen IPO oder einen Reverse Merger wählt: Nachhaltiger Erfolg an den öffentlichen Märkten hängt von seiner Kapitalmarktreife ab und davon, eine Struktur festzulegen, die auf seine Ziele und jene seiner Aktionäre ausgerichtet ist.»
Was die Quelle nicht sagt
Der Titel verspricht eine Wahl zwischen zwei Wegen, doch der Text bleibt allgemein. Darin findet sich:
- kein Vergleich von Kosten, Dauer oder regulatorischen Anforderungen zwischen IPO und Reverse Merger;
- kein konkretes, dem Reverse Merger eigenes Risiko, über die Warnung vor der «Abkürzung» hinaus;
- keine Zahlen zum Schweizer Markt für Börsengänge;
- keine namentlich zugeordnete Meinung einer Person ausserhalb von SIX.
Der Text endet übrigens mit einer Einladung, das Primary-Markets-Team von SIX Swiss Exchange zu kontaktieren, um eine Kotierung zu prüfen. Ein Unternehmen, das sich diese Frage stellt, tut also gut daran, diese Sicht mit jener unabhängiger Berater abzugleichen.




