Die Zahl der Firmenkonkurse in der Schweiz steigt weiter. Zwischen Januar und September wurden 13’660 Unternehmen für zahlungsunfähig erklärt, ein Anstieg um 38,4% gegenüber der Vorjahresperiode, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten und von der Nachrichtenagentur AWP verbreiteten Mitteilung des Schweizerischen Verbands Creditreform hervorgeht. Hält das aktuelle Tempo bis Dezember an, könnte das Jahr 2026 auf einem Rekordniveau enden.
Hinter dieser Zahl stecken mehrere Elemente, die es auseinanderzuhalten gilt: was bereits feststeht, was eine Hochrechnung ist und was die Statistik tatsächlich misst.
Der Befund: ein stetiger Anstieg seit Anfang 2025
Die Daten über neun Monate sind erfasste Tatsachen. Der September bestätigt die Entwicklung: Der Anstieg beträgt dort 20,5% im Jahresvergleich, und erstmals wurden in einem einzigen Monat mehr als 1800 Konkurse verzeichnet.
Der Zuwachs im September liegt jedoch deutlich unter dem kumulierten Anstieg seit Januar. Die Konkurse nehmen weiterhin zu, doch der Abstand zum Vorjahr ist im zuletzt bekannten Monat weniger ausgeprägt. Ein Detail, das für das Verständnis des Folgenden zählt.
Eine Reform, die die Messung verändert
Creditreform bringt diese Entwicklung mit der Revision des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs in Verbindung, die Anfang 2025 in Kraft getreten ist. Seither sei die Zahl der Konkurse unaufhörlich gestiegen, stellt die Organisation fest. Die Änderung schreibt nämlich vor, öffentlich-rechtliche Forderungen gegenüber Unternehmen auf dem Weg des Konkurses einzutreiben. Zuvor konnte diese Eintreibung auf dem Weg der Pfändung erfolgen.
Diese Präzisierung eröffnet zwei Lesarten desselben Indikators. Die erste ist mechanisch: Ein Teil der Fälle, die früher mit einer Pfändung erledigt wurden, mündet heute in einen Konkurs, was die Statistik aufbläht, ohne dass sich die Lage der Unternehmen zwingend im gleichen Ausmass verschlechtert hätte. Die zweite ist besorgniserregender: Der Anstieg würde auch echte Zahlungsschwierigkeiten in einem Teil der Wirtschaft widerspiegeln. Die Mitteilung erlaubt es nicht, zwischen diesen beiden Effekten zu unterscheiden, und ohne detailliertere Daten wäre es gewagt, sich festzulegen.
Die Hochrechnung: ein Rekord ist möglich, unter Vorbehalt
Für das gesamte Jahr 2026 rechnet Creditreform mit einer Zunahme der Konkurse um 33,4%. Insgesamt könnten dieses Jahr 19’100 Unternehmen die Bilanz deponieren. Es handelt sich um eine Hochrechnung, die ausdrücklich unter der Bedingung steht, dass das aktuelle Tempo anhält, und nicht um einen Befund.
Der hochgerechnete Jahresanstieg liegt im Übrigen unter dem über neun Monate beobachteten, was zum moderateren Zuwachs im September passt. Der angesprochene Rekord bleibt also eine Hypothese: Er hängt von der Entwicklung im letzten Quartal ab.
Auch Privatpersonen betroffen
Auch die Privatkonkurse nehmen zu, allerdings in einem deutlich moderateren Tempo als jene der Unternehmen. In den ersten neun Monaten des Jahres betrafen sie 8003 Personen, insgesamt ein Plus von 6,3%.
Die Aufschlüsselung zeigt unterschiedliche Dynamiken. Bei lebenden Personen beträgt der Anstieg 17,2%. Die Konkurse nach einem Todesfall, die aus der Ausschlagung einer Erbschaft durch die Erben resultieren, nehmen um 3,8% zu. Die erste Kategorie verdient Aufmerksamkeit: Sie betrifft direkt Haushalte, auch wenn ihr Anstieg weit hinter jenem bei den Firmen zurückbleibt.
Mehr Gründungen, aber auch mehr Löschungen
Das Bild ist nicht durchwegs düster. Die Firmengründungen nahmen zwischen Januar und September um 2,1% zu, mit 41’706 neu im Handelsregister eingetragenen Gesellschaften. Creditreform hält an der Prognose eines neuen Gründungsrekords für 2026 fest, mit 56’600 neuen Unternehmen, was einem Anstieg um 1,7% gegenüber 2025 entspricht. Auch hier handelt es sich um eine Prognose.
Die Löschungen sind jedoch stärker gewachsen, um 4,9%. Ergebnis: Das Nettowachstum der Zahl der Unternehmen bleibt leicht unter jenem von 2025. Der Unternehmensbestand wächst weiter, aber langsamer.
Was das über die Beschäftigung aussagt
Die Mitteilung beziffert die betroffenen Arbeitsplätze nicht. Die Zahl der Konkurse allein sagt nicht, wie viele Stellen verschwinden: Alles hängt von der Grösse und der Tätigkeit der betroffenen Firmen ab, die in den veröffentlichten Daten nicht aufgeschlüsselt werden. Ein Anstieg, der teilweise auf eine Verfahrensänderung zurückgeht, hat zudem nicht dieselbe Tragweite für den Arbeitsmarkt wie eine Welle von Schliessungen aktiver Unternehmen.
Für die Angestellten, Lieferanten und Gläubiger der betroffenen Unternehmen bedeutet jedes Verfahren dennoch konkrete Unsicherheiten, sei es wegen unbezahlter Rechnungen oder eines Arbeitgebers, der seine Tätigkeit einstellt. Die nächsten Erhebungen von Creditreform werden zeigen, ob sich die im September beobachtete Verlangsamung bestätigt oder ob das Jahr tatsächlich mit einem Rekord endet.
Quellen
- Allnews: «Die Zahl der Konkurse in der Schweiz schnellt in die Höhe»




