Die chinesischen Exporte sind im September gegenüber dem Vorjahr um 36,3% gestiegen, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Daten der chinesischen Zollbehörde hervorgeht. Der Wert liegt deutlich über der Medianprognose von 25,7%, die ein von Bloomberg befragtes Analystenpanel ermittelt hatte. Da auch die Importe stark zulegen, steuert die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt auf einen Rekord-Handelsüberschuss für 2026 zu – mit dem Risiko, die Kritik aus Washington und Brüssel neu anzufachen.
Was die chinesische Zollbehörde meldet
Die offiziellen Zahlen betreffen den Monat September im Vergleich zum Vorjahresmonat:
- Exporte: +36,3% gegenüber dem Vorjahr;
- Importe: +31% gegenüber dem Vorjahr;
- monatlicher Handelsüberschuss: 133,5 Milliarden Dollar (119 Milliarden Euro), der höchste Stand seit Januar 2025;
- kumulierter Überschuss per Ende September: 938,1 Milliarden Dollar.
Zur Einordnung dieses letzten Betrags: Der Jahresüberschuss hatte im vergangenen Jahr 1'200 Milliarden Dollar erreicht. Der kumulierte Wert für 2026 liegt noch nicht auf diesem Niveau, lässt aber einen neuen Jahresrekord erwarten. Dabei handelt es sich um eine Hochrechnung, nicht um eine Feststellung: Das letzte Quartal steht noch aus.
Dass auch die Importe zulegen (+31%), relativiert die Lesart eines chinesischen Handels, der einzig nach aussen gerichtet ist. Der Anstieg der Exporte fällt jedoch stärker aus, was das Ausmass des monatlichen Überschusses erklärt.
Eine Vergleichsbasis, die den US-Wert aufbläht
Nach Bestimmungsland betrachtet, schnellten die Exporte in die USA gegenüber dem Vorjahr um 39,6% in die Höhe. Dieser Anstieg profitiert von einem günstigen Basiseffekt: Der Handel zwischen den beiden Ländern war im vergangenen Jahr im Zuge ihres Handelskriegs deutlich zurückgegangen. Ein Teil des Anstiegs spiegelt somit eher eine Aufholbewegung von einem tiefen Ausgangspunkt wider als ein noch nie dagewesenes Handelsvolumen.
In die Europäische Union beträgt der Zuwachs 25,3%, während die chinesischen Importe aus den EU-Mitgliedstaaten stabil geblieben sind. Genau dieses Ungleichgewicht stellt Brüssel in den Vordergrund: Die EU bezeichnet ihr Handelsdefizit mit China, das mehr als eine Milliarde Euro pro Tag beträgt, als «untragbar» und erklärt, die Beziehung wieder ins Gleichgewicht bringen zu wollen.
Die Quelle schlüsselt nicht auf, welche Produkte den Anstieg tragen. Es lässt sich daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, welche Branchen den Grossteil des Zuwachses ausmachen.
Die Lesarten der Zahl
Zu unterscheiden sind die von der Zollbehörde veröffentlichte Feststellung und die Lesarten, die sie begleiten. Erstere ist eine Zahl: 36,3%. Die Abweichung vom Konsens von 25,7% zeigt, dass die Analysten die Dynamik des Monats unterschätzt hatten.
In der Sache stehen sich danach zwei Lesarten gegenüber. Aus Sicht Pekings dienen die Exporte als Wachstumsstütze: Angesichts einer deutlich weniger dynamischen Binnennachfrage stützt sich die Regierung weitgehend auf sie, um ihr jährliches Wachstumsziel zu erreichen, das «zwischen 4,5% und 5%» festgelegt ist. Auf westlicher Seite werfen zahlreiche Verantwortliche China vor, seine Industrieunternehmen zulasten der internationalen Konkurrenz zu bevorzugen, was Peking bestreitet. Die Meldung gibt keine Analyse von Ökonomen wieder, die über die Konsensprognose hinausgeht.
Welche Folgen für die Schweiz?
Die Quelle erwähnt die Schweiz nicht und liefert keine Zahlen zum chinesisch-schweizerischen Handel. Dennoch stellen sich mehrere Fragen für die Unternehmen und die Beschäftigung in der Schweiz, ohne dass sie allein anhand dieser Daten beantwortet werden könnten:
- Welchen Platz nimmt China unter den Handelspartnern der Schweiz ein, und können Schweizer Exporteure vom Anstieg der chinesischen Importe (+31%) profitieren? Die Quelle liefert keine Aufschlüsselung nach Lieferanten.
- Wenn chinesische Produkte in grösserer Zahl auf die europäischen Märkte gelangen, welcher Preisdruck entsteht für die dort präsente Schweizer Exportindustrie?
- Könnten die Spannungen zwischen Peking, Washington und Brüssel rund um dieses Ungleichgewicht zu neuen handelspolitischen Massnahmen führen, und mit welchen indirekten Auswirkungen auf ein Drittland wie die Schweiz?
Die Antworten werden von den detaillierten Daten nach Produkt und Land abhängen, die diese Veröffentlichung nicht enthält, sowie von den politischen Reaktionen in Washington und Brüssel in den kommenden Monaten.




