Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet für 2026 mit rund 15'000 Firmenkonkursen in der Schweiz, wie aus seinem am 27. Oktober 2026 veröffentlichten Insolvenzbericht hervorgeht. Das wäre ein historischer Rekord bei den Konkursen in der Schweiz: mehr als doppelt so viele wie 2022 und rund dreimal so viele wie im Durchschnitt vor der Covid-19-Pandemie. Das neue Insolvenzrecht, das seit 2025 in Kraft ist, erklärt einen grossen Teil dieses Anstiegs.
Konkurse in der Schweiz: eine Prognose, noch keine Bilanz
Die Zahl von 15'000 ist eine Hochrechnung für das gesamte Jahr 2026, keine Auszählung. Allianz Trade sieht darin den sechsten Anstieg der Firmenkonkurse in der Schweiz in Folge. Bereits die Vorjahre hatten also eine Zunahme verzeichnet, so der Versicherer.
Für 2027 und 2028 erwartet Allianz Trade eine Stabilisierung, allerdings auf dem neuen, hohen Niveau. Der Versicherer kündigt somit keine Rückkehr zu den Zahlen vor 2025 an. 2clics verfolgte bereits im Laufe des Jahres 2026 den Anstieg der Konkurse in der Schweiz.
| Zeitraum | Art der Zahl | Firmenkonkurse in der Schweiz |
|---|---|---|
| Durchschnitt vor der Pandemie | Bilanz | Rund ein Drittel des für 2026 erwarteten Niveaus |
| 2022 | Bilanz | Weniger als die Hälfte des für 2026 erwarteten Niveaus |
| 2026 | Prognose | Rund 15'000, ein historischer Rekord |
| 2027 und 2028 | Prognose | Stabilisierung auf dem neuen, hohen Niveau |
Welcher Anteil entfällt auf das neue Insolvenzrecht?
Das neue Insolvenzrecht fällt bei diesem Total stark ins Gewicht, so Allianz Trade. «Das neue Insolvenzrecht ist zu einem grossen Teil für die hohe Zahl an Insolvenzen verantwortlich», sagt Jan Möllmann, CEO von Allianz Trade in der Schweiz. Ihm zufolge führt dieses Gesetz zu einem mechanischen Anstieg der Zahl der gegen Unternehmen eröffneten Verfahren.
Diese Präzisierung verändert die Lesart des Rekords. Laut swissinfo.ch lässt sich die «beispiellose» Konkurswelle nur zum Teil durch die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten der Unternehmen erklären. Ein Teil des Anstiegs ist somit auf das Verfahren selbst zurückzuführen.
So bestehen zwei Lesarten desselben Indikators nebeneinander. Die Zahl der Konkurse widerspiegelt einen realen Druck auf einen Teil der Unternehmen. Sie spiegelt aber auch eine Änderung der Regeln im Jahr 2025. Der Vergleich mit 2022 oder mit der Zeit vor der Pandemie vermischt also diese beiden Effekte.
Welche wirtschaftlichen Faktoren belasten die Unternehmen?
Allianz Trade nennt mehrere Faktoren, die Druck auf die Schweizer Unternehmen ausüben:
- ein schwächeres Wirtschaftswachstum als erwartet;
- hohe Energiekosten;
- dauerhaft höhere Zinsen;
- eine wachsende Zahl aktiver Unternehmen, was den Wettbewerb verschärft.
Dieser letzte Faktor trifft laut der Studie vor allem junge Unternehmen, die finanziell weniger solide sind. Zum konjunkturellen Umfeld hat 2clics auch über das Wachstum der Schweizer Wirtschaft im Jahr 2026 berichtet.
Wie entwickeln sich die Konkurse weltweit?
Auch weltweit nehmen die Firmenkonkurse zu, so Allianz Trade. Der Versicherer verortet die Wende im Jahr 2028: Auf den um ein Jahr verschobenen Höhepunkt würde ein leichter Rückgang folgen.
- 2025: Anstieg der Firmenkonkurse weltweit um 6 % (Bilanz);
- 2026: Anstieg um 5 % (Prognose);
- 2027: erneuter Anstieg um 1 % (Prognose), also das fünfte Jahr in Folge mit einer Zunahme;
- 2028: leichter Rückgang um 1 % (Prognose).
Die gefährdeten Arbeitsplätze gehen in die Millionen. Rund 2,7 Millionen Stellen wären 2026 und 2027 weltweit direkt durch Konkurse bedroht, also 180'000 mehr als 2025. Auf Europa entfallen fast 60 % davon, also 1,6 Millionen. Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich sind am stärksten betroffen. In Nordamerika sind 650'000 Stellen bedroht.
Künstliche Intelligenz (KI) ist laut der Analyse derzeit kein allgemeiner Treiber der Konkurse. Sie könnte jedoch die Auslese in kleinen, wenig diversifizierten Märkten beschleunigen. Unternehmen, die sie früh einsetzen, verschaffen sich dort einen Vorsprung gegenüber den Nachzüglern. Dieser Teil der Analyse betrifft acht Volkswirtschaften der Europäischen Union und neun Branchen.
Was das für ein Schweizer KMU ändert
Für ein KMU geht das Risiko auch von seinen Geschäftspartnern aus. Der Konkurs eines Kunden kann unbezahlte Rechnungen hinterlassen. Jener eines Lieferanten kann Lieferungen unterbrechen. Bei einer Prognose von 15'000 Fällen betrifft dieses Risiko mehr Unternehmen als 2022.
Bestimmte Profile verdienen laut der Studie mehr Aufmerksamkeit:
- junge Unternehmen, die angesichts des verschärften Wettbewerbs anfälliger sind;
- das Baugewerbe, der Detailhandel und die Dienstleistungen, die international als die am stärksten exponierten Branchen genannt werden;
- verschuldete Unternehmen, deren Margen unter den Finanzierungskosten leiden.
Die Last der Zinsen bleibt konkret. In Westeuropa würde ein Anstieg der Zinsen für Bankkredite um einen Prozentpunkt die Unternehmen laut Allianz Trade 6 bis 10 Milliarden Euro an zusätzlichen Zinsen kosten. Der mechanische Anteil am Anstieg erinnert zudem daran, dass ein Rekord an Verfahren nicht in jeder Branche eine Krise gleichen Ausmasses bedeutet.
Was man noch nicht weiss
- Die Aufteilung der in der Schweiz erwarteten Konkurse nach Branchen ist noch nicht bekannt.
- Ebenso wenig die Aufteilung nach Kanton oder Region.
- Der genaue Anteil des Anstiegs, der auf das neue Insolvenzrecht zurückgeht, ist nicht beziffert.
- Die Zahl der bedrohten Arbeitsplätze in der Schweiz wird nicht angegeben.
- Die tatsächliche Zahl der Konkurse im Jahr 2026 wird erst nach Jahresende feststehen.




