SIX hat am 6. Oktober 2026 die vierte Ausgabe ihrer «Market Data Study» veröffentlicht, erstellt zusammen mit Crisil Coalition Greenwich, einem Benchmarking- und Analyseunternehmen für die Finanzbranche. Die zentrale Botschaft: Künstliche Intelligenz und die zunehmende Vielfalt der Bereitstellungsmodelle machen als vertrauenswürdig geltende Marktdatenanbieter wichtiger. Ein Befund, den man als das lesen sollte, was er ist: SIX ist selbst Anbieterin von Finanzinformationen und Mitautorin der Studie, die sie in ihrer eigenen Medienmitteilung vorstellt.
Wer befragt wurde
Laut der Medienmitteilung von SIX wurde die Umfrage zwischen Mai und Juni 2026 bei 73 Unternehmen der Buy-Side und der Sell-Side in den USA, im Vereinigten Königreich und in Europa durchgeführt: Vermögensverwalter, Wealth Manager und Privatbanken, Investmentbanken und Broker. Die Stichprobe bleibt klein, und die Mitteilung gibt den Anteil der Schweizer Institute nicht an. Alle folgenden Prozentangaben stammen aus dieser Umfrage, wie SIX sie wiedergibt.
KI ist bereits in den Prozessen
Gemäss der Studie nutzen oder prüfen 86 Prozent der Befragten bereits KI in ihren Arbeitsabläufen. Und 88 Prozent sind der Ansicht, dass Marktdatenanbieter dazu beitragen können, die Genauigkeit und Zuverlässigkeit dieser Systeme sicherzustellen.
Auf die Frage, wie das gelingen soll, nennen 73 Prozent der Befragten qualitativ hochwertige, genaue und vollständige Daten, 62 Prozent Transparenz über die Herkunft der Daten und die Methodik. Der Bericht betont zudem den Kontext: Ein KI-System muss wissen, was ein Datenpunkt darstellt, wie er klassifiziert wurde und innerhalb welcher Grenzen er verwendet werden darf. Ohne diesen Rahmen können selbst genaue Daten irreführende Ergebnisse liefern.
MCP: KI direkt an die Daten anbinden
Der praxisnächste Punkt betrifft das Model Context Protocol (MCP), eine der neuen Möglichkeiten, KI-Anwendungen direkt mit Daten zu verbinden. Laut der Studie ziehen 58 Prozent der Befragten MCP in Betracht oder haben sich bereits dafür entschieden; von jenen, die sich dafür entschieden haben, nutzen oder testen 57 Prozent bereits einen MCP-Server. Der Bericht sieht darin einen erleichterten Zugang, aber auch eine grössere Herausforderung: Die bereitgestellten Informationen müssen gut strukturiert, gesteuert und korrekt kontextualisiert sein.
Immer mehr Bezugskanäle
Anbieter und Redistributoren bleiben die häufigste Quelle und werden von 67 Prozent der Befragten genutzt, doch 60 Prozent beziehen Daten auch direkt von den Börsen. Bei der Bereitstellung setzen 84 Prozent der Befragten Streaming-APIs ein, und 86 Prozent erwarten in den nächsten drei bis fünf Jahren einen direkteren Zugang zu Marktdaten über die Cloud. Für die Anbieter bedeutet das, ein breiteres Spektrum an Zugangswegen und Infrastrukturanforderungen zu bewältigen.
Latenz und Budgets unter Druck
Parallel dazu steigen die Leistungserwartungen. Laut der Umfrage:
- nutzen 56 Prozent der Befragten den ganzen Tag über Echtzeitdaten;
- ist die Ausführung von Transaktionen der wichtigste Anwendungsfall, genannt von 67 Prozent;
- sind 78 Prozent bereit, für eine geringere Latenz zu bezahlen;
- erwarten 60 Prozent höhere Budgets für Marktdaten.
Dieser erwartete Anstieg ist kein Blankoscheck: Laut dem Bericht werden die Kosten zu einem wachsenden Anliegen, da die Marktteilnehmer den erzielten Nutzen genauer prüfen und zugleich hohe Leistung verlangen.
Europa: das «Consolidated Tape» im Visier
Schliesslich befasst sich die Studie mit dem Wandel der europäischen Marktstruktur. Siebzig Prozent der Befragten erwägen, ihren bisherigen Datenquellen einen europäischen Anbieter eines «Consolidated Tape» hinzuzufügen, und erwarten sich davon insbesondere eine bessere Markttransparenz und mehr Vertrauen der Anlegerinnen und Anleger. Fast die Hälfte ist der Ansicht, dass mehr Transparenz die Handelsaktivität und die Handelsvolumen europaweit langfristig stützen könnte.
Was die beiden Partner sagen
Matthew Nurse, Head Market Data in der Division Financial Information von SIX, fasst zusammen: «KI rückt stärker ins Licht, wie vertrauenswürdige Marktdaten in der Praxis aussehen müssen.» Genauigkeit bleibe grundlegend, doch die Unternehmen müssten auch wissen, woher die Daten stammen, wie sie gesteuert werden und in welchem Kontext sie zu interpretieren sind, zumal Technologien wie MCP KI-Anwendungen näher an die Marktdaten heranführen.
David Easthope, Head of FinTech, Market Structure & Technology bei Crisil Coalition Greenwich, verweist seinerseits auf «all das, was Unternehmen heute von Marktdatenanbietern erwarten, von der Unterstützung von KI-Anwendungen bis zu den Anforderungen des Echtzeithandels».
Was sich für die Finanzakteure ändert
Für Banken und Vermögensverwalter, auch in der Westschweiz, zeichnet die Umfrage vor allem eine Liste konkreter Fragen: Rückverfolgbarkeit der Daten, die KI-Werkzeuge speisen, Dokumentation der Methodiken, Wahl zwischen Redistributoren und direktem Zugang zu den Börsen, Abwägung zwischen Latenz und Kosten. Zahlen speziell zum Finanzplatz Schweiz liefert sie hingegen keine.
Bleibt zu bedenken, wer hier spricht. SIX, die den Schweizer und den spanischen Finanzplatz bedient, betreibt Börsen und liefert Finanzinformationen; sie gehört ihren Nutzern, rund 120 Finanzinstituten. Dass sie «Vertrauen» als entscheidendes Kriterium bei der Wahl eines Datenanbieters hervorhebt, ist alles andere als neutral. Der vollständige Bericht kann auf der Website von SIX heruntergeladen werden.




