Der Schweizer Vermögensverwalter Partners Group schickt sich an, Partners Group Private Equity (PGPE) zu liquidieren, seinen an der Londoner Börse kotierten Private-Equity-Fonds. Dies berichtet eine Meldung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die SWI swissinfo.ch am 6. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Ein Schritt steht allerdings noch aus: die ausserordentliche Generalversammlung des Fonds, die für den darauffolgenden Mittwoch, also den 7. Oktober 2026, angesetzt ist.
Was entschieden wurde
Laut einer von swissinfo.ch zitierten Mitteilung vom Montag, 5. Oktober 2026, hat sich eine grosse Mehrheit der Anleger, die 74,12% des Aktienkapitals vertritt, für den Ausstieg aus dem Fonds ausgesprochen, indem sie ihre Titel in sogenannte «Realisierungsaktien» (realisation shares) umwandelt. Die Zustimmungsschwelle für diesen Vorschlag war auf 40% festgelegt worden.
Die Wahl geht auf Juni 2026 zurück. Vor dem Hintergrund von Befürchtungen einer Private-Equity-Blase hatte PGPE seinen Aktionären zwei Wege vorgeschlagen:
- ihr Engagement in der langfristigen Strategie der Gesellschaft nach einer Restrukturierung fortzusetzen;
- sich für einen handelbaren Titel zu entscheiden, der Liquidität gewährleisten soll.
Diese zweite Option wird nun als einzige den Aktionären an der Versammlung vom Mittwoch zur Genehmigung vorgelegt. Der Reorganisationsvorschlag wurde hingegen zurückgezogen.
Zwei Szenarien für die Versammlung
Die Meldung beschreibt die beiden möglichen Ausgänge. Wird der Vorschlag angenommen, nimmt der Verwaltungsrat eine kontrollierte Liquidation des gesamten Anlageportfolios vor. Wird er abgelehnt, wird der Fonds weiterhin «gemäss seinem aktuellen Anlageziel und seiner aktuellen Anlagepolitik» verwaltet, und die Verwaltungsräte werden dann die verfügbaren Optionen neu prüfen.
Mehrere Angaben fehlen in der Quelle: der Zeitplan der Liquidation, der Wert des PGPE-Portfolios oder auch der Betrag, den die Aktionäre zurückerhalten könnten. Es ist daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, die finanziellen Folgen der Transaktion für die Titelinhaber zu beurteilen.
Ein bewegtes Umfeld für Partners Group
Der Entscheid fällt in einen heiklen Moment für die Gruppe, die wegen ihres Engagements in Privatmärkten kritisiert wird. Hier die von swissinfo.ch berichteten Fakten in chronologischer Reihenfolge:
- Juni 2026: Partners Group schränkte die Rücknahmen ihrer «Evergreen»-Fonds ein, also von Fonds ohne Fälligkeitsdatum, was zu einem Rückgang ihres Aktienkurses führte.
- 1. September 2026: Die Gruppe baute ihre Geschäftsleitung um, nachdem ihre Ergebnisse im ersten Halbjahr zurückgegangen waren; ein an diesem Tag veröffentlichter Artikel von swissinfo.ch bezeichnete die Aufnahme durch die Anleger als «lauwarm».
- Woche vor dem 6. Oktober 2026: Der Vermögensverwalter reorganisierte seinen unbefristeten Fonds Global Value SICAV, dessen verwaltete Vermögen 6,6 Milliarden Euro erreichen (6,16 Milliarden CHF, gemäss der von der Quelle angegebenen Umrechnung). Der Fonds wurde in eine Struktur mit getrennten Teilfonds überführt und in zwei Teilportfolios aufgeteilt: Das eine zielt auf langfristige Kapitalgewinne ab, das andere soll den Ausstieg der Anleger erleichtern.
Die Quelle präzisiert weder, zu welchem Zeitpunkt diese verwalteten Vermögen gemessen wurden, noch das Ausmass des Kursrückgangs im Juni oder jenes des Rückgangs der Halbjahresergebnisse.
Was der Entscheid andeuten kann
Das Folgende ist Interpretation und beruht nicht auf veröffentlichten Zahlen.
Erste Feststellung: Als die Aktionäre von PGPE die Wahl hatten zwischen einem langfristigen Verbleib als Anleger und dem Erhalt von Liquidität, entschieden sich fast drei Viertel des Kapitals für den Ausstieg, weit über der Schwelle von 40%. Darin lässt sich eine ausgeprägte Präferenz für Liquidität erkennen, in einem Umfeld, das die Meldung als von Befürchtungen einer Private-Equity-Blase geprägt beschreibt. Die Quelle nennt jedoch nicht die Beweggründe der Anleger; andere Faktoren könnten eine Rolle gespielt haben.
Zweite Feststellung: Die Fälle PGPE und Global Value SICAV haben etwas gemeinsam. In beiden Fällen besteht die Antwort darin, die Anleger, die langfristig investiert bleiben wollen, von jenen zu unterscheiden, die aussteigen möchten, sei es über eine Liquiditätsoption oder über ein eigenes Teilportfolio. Das deutet darauf hin, dass die Frage des Ausstiegs der Anleger im derzeitigen Management der Gruppe einen zentralen Platz einnimmt. Nichts in der Quelle erlaubt jedoch die Aussage, dass Partners Group sich generell aus kotiertem Private Equity oder aus Fonds ohne Fälligkeit zurückziehen will.
Schliesslich reicht ein Einzelfall nicht aus, um Schlüsse über kotiertes Private Equity insgesamt zu ziehen: Die Meldung erwähnt keinen anderen Fonds dieser Art und liefert keine Daten zur Branche.
Was zu beobachten ist
Das Ergebnis der ausserordentlichen Generalversammlung vom 7. Oktober 2026 wird die nächste überprüfbare Information sein. Bei einer Annahme gilt es danach, die Modalitäten und den Zeitplan der kontrollierten Liquidation abzuwarten, die in die Zuständigkeit des Verwaltungsrats des Fonds fallen werden.




