Wer einen Fonds kauft, der den S&P 500 nachbildet, kauft grundsätzlich ein Stück von 500 US-Unternehmen. Tatsächlich ist die Verteilung sehr ungleich. Laut Daten von Citadel Securities mit Stand 6. Oktober 2026, die The Kobeissi Letter grafisch aufbereitet hat, fliessen 41 Cent jedes in den Index investierten Dollars in die zehn grössten Börsenwerte. Über diese Zahlen berichtet die Website Journal du Coin in einem am 11. Oktober 2026 veröffentlichten Artikel.

Was ein investierter Dollar tatsächlich enthält

Die veröffentlichte Aufschlüsselung lautet wie folgt, ebenfalls gemäss der Grafik von The Kobeissi Letter auf Basis von Citadel Securities (Erhebung vom 6. Oktober 2026, Beträge auf den Cent gerundet). Nvidia allein erhält 8 Cent. Danach folgen Apple (7 Cent), Microsoft und Alphabet (je 6 Cent) sowie Amazon (4 Cent). Broadcom, Meta, Tesla, Micron und AMD teilen sich die nächsten 10 Cent.

Weiter unten in der Rangliste erhalten die Unternehmen auf dem elften bis zwanzigsten Platz zusammen 10 Cent. Die zwanzig grössten Gesellschaften vereinen somit 51 Cent auf sich, also mehr als die Hälfte des Dollars. Die achtzig folgenden erhalten 26. Die 402 kleinsten teilen sich 23 Cent, das heisst vier weniger als die vier ersten Positionen zusammen (Nvidia, Apple, Microsoft und Alphabet, insgesamt 27 Cent).

Journal du Coin hält zudem fest, dass vier Chiphersteller, Nvidia, Broadcom, Micron und AMD, zusammen 14 Cent ausmachen. Die Website zieht daraus eine Deutung: «den amerikanischen Markt» zu kaufen, laufe heute ihrer Ansicht nach darauf hinaus, eine bedeutende Position auf künstliche Intelligenz einzugehen. Dabei handelt es sich um eine Interpretation der Quelle, nicht um eine von Citadel Securities veröffentlichte Angabe.

Ein Niveau über den Höchstständen von 1973 und 2000

Um diese Zahl zeitlich einzuordnen, stützt sich Journal du Coin auf Datenreihen von Goldman Sachs Asset Management. Demnach machten die zehn grössten Titel 1973, zur Zeit der «Nifty Fifty», rund 22 % des Index aus und auf dem Höhepunkt der Internetblase im Jahr 2000 27 %.

Das aktuelle Niveau hängt allerdings von der Berechnungsmethode ab. Im Laufe des Sommers 2026 schwankten die von der Quelle zitierten Erhebungen zwischen 36,5 % und 41 %. Der Wert von 41 % ist jener von Citadel Securities per 6. Oktober 2026.

Das Phänomen zeigt sich auch an der Spitze der Rangliste. Die drei ersten Positionen, Nvidia, Apple und Microsoft, machen zusammen 21 % des Index aus, ein Rekord, den die Website Benzinga festgestellt hat. Zum Vergleich gibt die Quelle an, dass das führende Trio IBM, AT&T und Exxon Mitte der 1980er-Jahre auf höchstens 13,4 % kam.

Wie es so weit kam

Die von Journal du Coin angeführte Erklärung liegt im Aufbau des Index selbst. Der S&P 500 gewichtet jedes Unternehmen nach seinem Börsenwert. Je stärker der Kurs einer Aktie steigt, desto mehr Gewicht hat sie im Index und desto mehr davon müssen die Fonds kaufen, die ihn nachbilden. Laut der Quelle verstärkt sich dieser Mechanismus in einer Phase aufeinanderfolgender Rekorde an der Wall Street selbst.

Dieser Punkt verdient Beachtung für Anleger, die einen Index-ETF wählen, weil sie sich damit zu diversifizieren glauben: Das Produkt verteilt ihr Geld nicht zu gleichen Teilen auf 500 Unternehmen. Es folgt den Gewichten des Marktes, die heute von einer Handvoll sehr grosser Gesellschaften dominiert werden.

Welche Schlüsse daraus gezogen werden

Die Quelle hütet sich vor einem eindeutigen Fazit und bezeichnet die Antwort selbst als «differenziert». Sie erinnert daran, dass die beiden bekanntesten Konzentrationshöchststände, 1973 und 2000, langen Baissemärkten vorausgingen, hält aber zugleich fest, dass zwei Beispiele kein Gesetz ergeben und ein konzentrierter Index nicht zum Absturz verurteilt ist. Die Feststellung, die sie in den Vordergrund rückt, ist einfacher: Die Performance des Index hängt stärker von der Verfassung einer kleinen Zahl von Unternehmen ab. Ein deutlicher Rückgang bei Nvidia zum Beispiel würde einen S&P-500-ETF belasten, unabhängig davon, wie sich die 402 letzten Positionen entwickeln.

Journal du Coin erwähnt auch, dass es eine sogenannte gleichgewichtete Version des Index gibt, in der jedes Unternehmen dasselbe Gewicht hat. Laut der Quelle korrigiert sie diese Verzerrung, um den Preis eines deutlich geringeren Engagements in den Technologieriesen. Diese Erwähnung stellt keine Empfehlung dar: Beide Ansätze folgen unterschiedlichen Logiken, und die Quelle vergleicht ihre Performance nicht.

Mehrere Unsicherheiten bleiben bestehen. Die Zahlen stammen aus der Grafik eines Dritten, die auf Daten von Citadel Securities beruht, und sind auf den Cent gerundet. Die Messungen der Konzentration variieren je nach verwendeter Methode, wie die Spanne zwischen 36,5 % und 41 % im Sommer zeigt. Schliesslich verändern sich die Gewichte mit den Kursen: Die Erhebung vom 6. Oktober 2026 beschreibt die Lage zu einem bestimmten Zeitpunkt, keinen dauerhaften Zustand.

Und für ein Portfolio in der Schweiz?

Die Quelle geht nicht auf den Fall der Schweiz ein. Die Frage kann sich dennoch für alle Sparer in der Schweiz stellen, die direkt oder über einen Fonds ein Engagement im S&P 500 halten: Welcher Teil ihres Portfolios hängt tatsächlich von rund zehn US-Unternehmen ab? Und wenn auch andere Indexanlagen nach Börsenkapitalisierung gewichtet sind, verstärken sie dann nicht genau dieses Engagement, statt es zu verwässern?

Auf diese Fragen gibt es keine einheitliche Antwort. Sie laden vor allem dazu ein, die tatsächliche Zusammensetzung eines Produkts anzuschauen und nicht nur die Anzahl der darin enthaltenen Titel. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

Quelle: Journal du Coin, «S&P 500 : 10 entreprises pèsent 41 % de l'indice», 11. Oktober 2026