Die Euphorie um den pflanzlichen Burger und den Sojajoghurt ist in der Schweiz verflogen. Die Folge: Mehrere Start-ups aus dem Bereich der pflanzlichen Ernährung wechseln die Kundschaft. Statt auf das Frischeregal zu zielen, verkaufen sie nun proteinreiche Zutaten an die Lebensmittelindustrie. Zu diesem Befund kommt eine Recherche der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die am 10. Oktober 2026 von SWI swissinfo.ch veröffentlicht wurde.

Ein Markt, der nach Jahren des Wachstums schrumpft

Laut dem jüngsten Plant-Based Food Report von Coop, den die Quelle zitiert, sind die Verkäufe von Fleischersatzprodukten 2025 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Der Bericht beschreibt einen Verlauf in drei Phasen: mehrere Jahre starken Wachstums ab 2019, eine Verlangsamung 2024 und dann ein leichter Rückgang 2025.

Die Folgen sind bereits sichtbar. Diesen Sommer hat das Berner Start-up Outlawz, bekannt für seine veganen Speckwürfel auf Basis von Ackerbohnen- und Weizenprotein, Konkurs angemeldet. Trotz dieses Rückgangs sehen einige Schweizer Unternehmen weiterhin Absatzmöglichkeiten bei pflanzlichen Proteinen – sofern sie ihr Modell ändern.

Von B2C zu B2B: der Fall Fabas

Das Schlüsselwort heisst B2B: an andere Unternehmen verkaufen statt direkt an die Konsumentinnen und Konsumenten. Fabas veranschaulicht diese Wende gut. Das 2021 gegründete Unternehmen startete zunächst als Publikumsmarke mit Hummus, pflanzlichen Burgern und Falafeln. Seit 2025 konzentriert es sich auf die Entwicklung funktioneller pflanzlicher Zutaten für Lebensmittelhersteller.

«Wir haben gemerkt, dass die grösste Herausforderung oft bei den pflanzlichen Zutaten liegt», erklärte Mitgründerin Katharina Pälchen gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Konkret liefert Fabas heute flüssige Extrakte aus Hülsenfruchtproteinen, die sich ungefähr wie Kuhmilch verarbeiten lassen. Das Verkaufsargument ist betrieblicher Natur: Herstellern zu ermöglichen, pflanzliche Produkte zu lancieren, ohne ihre gesamte Produktionslinie umzubauen. Zu den Kunden gehört der Appenzeller Glacehersteller Sigrist, der diese Extrakte für die Herstellung veganer Glace verwendet.

Biertreber, Erbsenprotein und Eiersatz

Fabas ist in dieser Nische nicht allein. Ebenfalls im Appenzell arbeitet das Start-up Upgrain mit der Brauerei Locher zusammen, um Treber – die beim Brauen anfallenden Getreiderückstände – zu Proteinen, Nahrungsfasern und Flocken zu verarbeiten. Diese Rohstoffe können anschliessend in Backwaren, Frühstückscerealien, Snacks, Getränke oder Fleischalternativen einfliessen. «Wir wollen Treberprotein zu einer gängigen Zutat der Lebensmittelindustrie machen», sagt Mitgründer William Pyndt Beiskjær. Coop gehört zu den Partnern des Unternehmens.

Selbst ein etablierter Anbieter von Fertigprodukten zieht mit. Die in Kemptthal ansässige Planted stärkt ihr B2B-Geschäft. «B2B ist für Planted eine strategische Wachstumsachse, die wir in den kommenden Jahren weiter ausbauen wollen», sagt Mitgründer Pascal Bieri. Neben seinen Produkten für Endkunden, darunter Alternativen zu Poulet, plant das Unternehmen, strukturierte Stücke auf Basis von Erbsenprotein an Fleischverarbeiter und Hersteller von Fertiggerichten zu liefern, die diese anschliessend vor Ort weiterverarbeiten können.

Dritter Ansatz: das Ei. Das Start-up Eggfield in Illnau nutzt Aquafaba, das Kochwasser von Hülsenfrüchten, um zahlreiche funktionelle Eigenschaften des Eis nachzubilden. Es lässt sich wie Eiweiss zu Schnee schlagen. Das Produkt wurde 2019 für die Leibacher Biber-Manufaktur entwickelt, deren Mitgründer Silvan Leibacher für seine veganen Biberli eine natürliche Eialternative ohne lange Liste an Zusatzstoffen suchte. Heute liefert er diesen Ersatz an Hersteller und Gastronomiebetriebe, darunter Hiltl. «Die Vogelgrippe hat gezeigt, wie verletzlich die Lieferkette für Eier sein kann», hält Silvan Leibacher fest.

Was diese Wende über das Geschäftsmodell aussagt

Zusammengenommen ergeben diese Beispiele eine gemeinsame Logik. Im B2C-Geschäft muss ein Start-up die Konsumentinnen und Konsumenten im Regal überzeugen, seine Marke finanzieren und sich in einem Markt behaupten, der laut Coop an Schwung verliert. Im B2B-Geschäft verkauft es eine technische Lösung an Hersteller, die eigene Marken und eigene Vertriebskanäle haben. Die vorgebrachten Argumente sind betrieblicher Natur: Integration in bestehende Produktionslinien, Verwertung von Nebenprodukten, Diversifizierung der Beschaffung. Laut der Quelle versuchen Hersteller zunehmend, ihre Abhängigkeit von einer einzigen Zutat zu verringern, und pflanzliche Alternativen können ihnen dabei helfen.

Zu unterscheiden ist allerdings zwischen dem Marktbefund, den der Coop-Bericht belegt, und den Aussagen der Unternehmen, die deren Strategie und Ambitionen widerspiegeln. Keines der genannten Unternehmen nennt im Quellenartikel Umsatz, Volumen oder Marktanteile im Zusammenhang mit dieser Wende.

Die Finanzierung, die grosse Unbekannte

Bleibt eine Frage, die der Quellenartikel völlig offenlässt: die nach dem Geld. Er erwähnt weder eine Finanzierungsrunde noch Investoren oder eine Bewertung für Fabas, Upgrain, Planted oder Eggfield. Unklar ist daher, ob der Wechsel zu B2B einer Forderung der Geldgeber entspricht, den Zugang zu Kapital erleichtert oder schlicht aus der Notwendigkeit entsteht, stabilere Einnahmen zu erzielen. Ob der Verkauf von Zutaten ausreicht, um die Rentabilität dieser Jungunternehmen zu sichern, müssen die kommenden Geschäftsjahre zeigen.

Quelle: SWI swissinfo.ch / Keystone-SDA, «Swiss food firms bet on protein ingredients as demand for meat alternatives slows», 10. Oktober 2026