Zwei Barometer der Schweizer Wirtschaft, die Ende Oktober 2026 veröffentlicht wurden, widersprechen sich. Laut der Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte, über die finews.ch am 29. Oktober 2026 berichtete, erwarten 61% der Finanzchefs eine positive Entwicklung der Schweizer Konjunktur in den nächsten zwölf Monaten. Das UBS-CFA-Barometer der Finanzanalysten hingegen ist im Oktober um 17,9 Punkte eingebrochen, wie Allnews meldet. Der Unterschied liegt zunächst daran, wer antwortet, und daran, was gefragt wird.
Zwei Umfragen, zwei gegensätzliche Signale
Die beiden Umfragen stellen nicht denselben Personen dieselbe Frage. Nebeneinandergestellt ergeben ihre Ergebnisse zur Schweiz folgendes Bild.
| Deloitte-Umfrage | UBS-CFA-Barometer | |
|---|---|---|
| Wer antwortet | Finanzchefs von Unternehmen in der Schweiz | Von UBS und CFA Society Switzerland befragte Finanzanalysten |
| Zeithorizont für die Schweiz | Die nächsten zwölf Monate | Von der Quelle nicht angegeben |
| Erwarten eine Verbesserung | 61% | 16,9% |
| Erwarten eine Verschlechterung | 8% | 32% |
| Entwicklung | Deutliche Verbesserung gegenüber der vorherigen Umfrage | Rückgang um 17,9 Punkte, der stärkste seit März |
| Veröffentlichung | finews.ch, 29. Oktober 2026 | Allnews (AWP), 28. Oktober 2026 |
Der Abstand ist gross: 61% Optimisten auf der einen Seite, 16,9% auf der anderen. Die beiden Zahlen messen jedoch nicht dasselbe, und keine von beiden ist ein Befund. Es handelt sich um geäusserte Erwartungen.
Die Finanzchefs sehen ihre Umsätze wieder anziehen
Die Deloitte-Umfrage befragt die Finanzchefs (CFO, für Chief Financial Officers) von Unternehmen, die in der Schweiz tätig sind. Nur 8% von ihnen rechnen mit einer Verschlechterung der Schweizer Konjunktur. Laut finews.ch hat sich die Stimmung seit der vorherigen Umfrage deutlich aufgehellt.
Ihr Optimismus stützt sich auf ihre eigenen Zahlen. 62% der Finanzchefs erwarten im laufenden Jahr einen höheren Umsatz. Im ersten Halbjahr 2026 waren es nur 43%.
Auch ihr Blick auf das Ausland verbessert sich. Die Aussichten Chinas und der Vereinigten Staaten werden besser eingeschätzt als im Frühling. Deutschland bildet die Ausnahme: Seine Beurteilung hellt sich etwas auf, doch seine strukturellen Herausforderungen bleiben laut der Umfrage erheblich.
Die Sorgen sind nicht verschwunden. An erster Stelle stehen die geopolitischen Risiken, vor der Angst vor einer schwachen Nachfrage oder einer Rezession. Danach nennen die Finanzchefs die Regulierung und politische Entscheide.
Die Beschäftigung bleibt der Schwachpunkt der Umfrage. Viele Finanzchefs glauben, dass die künstliche Intelligenz (KI) die Zahl der Stellen verringern wird, insbesondere bei Einstiegs- und Anfängerstellen. Sie wenden im Durchschnitt 0,9% ihrer Gesamtausgaben für KI auf und halten diese Investitionen für teurer als erwartet.
Die Finanzanalysten rutschen ins Negative
Das UBS-CFA-Konjunkturbarometer wird von der Grossbank UBS und von CFA Society Switzerland, dem Schweizer Verband der Finanzanalysten, erstellt. Laut der Meldung der Agentur AWP, die Allnews am 28. Oktober 2026 veröffentlichte, ist es im Oktober um 17,9 Punkte auf −15,3 Punkte gefallen. Nach drei aufeinanderfolgenden Monaten im positiven Bereich rutscht es in die rote Zone.
Die Details zeigen eine Mehrheit von Abwartenden. Knapp mehr als die Hälfte der Analysten rechnet mit einer stabilen Schweizer Konjunktur. 32% erwarten eine Verschlechterung und 16,9% eine Aufhellung. 30% beurteilen die aktuelle Lage als gut.
Ihr Blick auf das Ausland verdüstert sich, anders als jener der Finanzchefs. Die Hälfte der Analysten erwartet eine Verschlechterung in der Eurozone, ebenso viele in den Vereinigten Staaten.
Die Zinsen sind das andere Signal der Umfrage. 45% der Analysten rechnen inzwischen mit steigenden kurzfristigen Zinsen in der Schweiz. Einen Monat zuvor hatte jeder dritte Experte damit gerechnet. Knapp 45% erwarten keine Veränderung. Bei der Schweizer Inflation rechnen 39% mit einem Anstieg und 47% mit keiner Veränderung.
Warum die beiden Lesarten auseinandergehen
Der erste Unterschied liegt bei den befragten Personen. Ein Finanzchef beurteilt zuerst die Aufträge und Umsätze seines Unternehmens. Ein Finanzanalyst beobachtet die Wirtschaft als Ganzes, die Märkte und die Zentralbanken.
Der zweite liegt beim Zeithorizont. Deloitte fragt nach den nächsten zwölf Monaten. Die Meldung zum UBS-CFA-Barometer nennt den gewählten Zeithorizont nicht, was einen direkten Vergleich einschränkt.
Der dritte liegt beim Zeitpunkt. Das UBS-CFA-Barometer bezieht sich auf Oktober 2026. Die Deloitte-Umfrage wird als Herbstausgabe vorgestellt, ohne Befragungsdatum in der Quelle. Das Klima hat sich im Oktober jedoch verändert.
Mehrere Signale aus dem Oktober hat 2clics verfolgt. Der PMI-Index der Eurozone, am 23. Oktober 2026 von S&P Global veröffentlicht, ist auf 51,9 Punkte gesunken, nach 53,1 im September. Am 22. Oktober fiel der Euro wieder unter 0,92 Franken: Der Schweizer Franken wird wieder zum sicheren Hafen, wie Keystone-SDA meldet. Die Quellen sagen nicht, ob diese Ereignisse die Antworten der Analysten beeinflusst haben. Sie erlauben lediglich, die Umfrage in diesem Umfeld einzuordnen.
Was ein KMU daraus mitnehmen kann
Für ein kleines oder mittleres Unternehmen (KMU) heben sich die beiden Umfragen nicht gegenseitig auf: Sie beleuchten unterschiedliche Risiken. Mehrere Kennzahlen helfen, sie einzuordnen.
- Die Nachfrage. Die Finanzchefs erwarten steigende Umsätze. Die Schweizer Exporte im September sind laut dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) um 1,5% auf 23,2 Milliarden Franken gestiegen.
- Der Franken. Ein stärkerer Franken verringert den Wert der in Euro erzielten Umsätze in Franken. Noch beziffert keine Quelle die Wirkung des Anstiegs im Oktober auf die Schweizer Unternehmen.
- Die Zinsen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins am 24. September 2026 bei 0% belassen. Der von 45% der Analysten erwartete Anstieg bleibt eine Erwartung, kein Entscheid. Die nächste Lagebeurteilung der SNB ist für den 10. Dezember 2026 vorgesehen.
- Die Handelspartner. Der Kreditversicherer Allianz Trade erwartet einen Rekord an Konkursen in der Schweiz, rund 15'000 im Jahr 2026. Das neue Insolvenzrecht erklärt laut dem Versicherer einen grossen Teil davon. Der Konkurs eines Kunden oder Lieferanten bleibt ein konkretes Risiko.
- Die Beschäftigung. Die Finanzchefs sehen trotz ihres Optimismus wenig Neueinstellungen. Das Schweizer Telekomunternehmen Sunrise hat am 23. Oktober 2026 den Abbau von 358 Stellen angekündigt, wie das Barometer der Schweizer Wirtschaft von 2clics festhält.
Was man noch nicht weiss
- Die Zahl der von Deloitte befragten Finanzchefs und der Zeitraum der Umfrage sind in der Quelle nicht angegeben.
- Der Prognosehorizont des UBS-CFA-Barometers wird in der Meldung nicht genannt.
- Der Schweizer Einkaufsmanagerindex (PMI) für Oktober, veröffentlicht von procure.ch, war am 24. Oktober 2026 noch nicht bekannt. Im September lag er bei 55,3 Punkten.
- Der Entscheid der SNB vom 10. Dezember 2026 ist nicht bekannt.
Quellen
- finews.ch: «CFO-Stimmung so optimistisch wie lange nicht», 29. Oktober 2026
- Allnews (AWP): «Conjoncture en Suisse: les analystes de moins en moins optimistes», 28. Oktober 2026
- 2clics.com: «Einkaufsmanagerindex PMI: Die Eurozone verlangsamt sich», 24. Oktober 2026
- 2clics.com: «Schweizer Franken: Die Nationalbank hat ihre Interventionen nicht verstärkt», 23. Oktober 2026
- 2clics.com: «Konkurse in der Schweiz: ein Rekord von 15'000 für 2026 erwartet», 28. Oktober 2026
- 2clics.com: «Schweizer Wirtschaft: Zahlen der Woche bis 28. Oktober 2026», 29. Oktober 2026




