Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am 31. Juli 2026 ihren Zwischenbericht per 30. Juni 2026 veröffentlicht. Für das erste Halbjahr 2026, also den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni 2026, weist sie einen Gewinn von 25,2 Milliarden Franken aus. Diese Zahl stammt aus einer Mitteilung, die im Rahmen der Ad-hoc-Publizität (Art. 53 Kotierungsreglement) veröffentlicht wurde. Hier steht, was sie enthält, was sie nicht sagt und weshalb man sich hüten sollte, daraus Schlüsse auf das ganze Jahr zu ziehen.
Drei Komponenten mit unterschiedlichen Vorzeichen
Laut der SNB setzt sich das Ergebnis des ersten Halbjahres 2026 aus drei grossen Blöcken zusammen:
- einem Gewinn von 31,7 Milliarden Franken auf den Fremdwährungspositionen;
- einem Bewertungsverlust von 6,4 Milliarden Franken auf dem Goldbestand;
- einem Gewinn von 0,1 Milliarden Franken auf den Frankenpositionen.
Eine Präzisierung ist nötig: Zählt man diese drei gerundeten Komponenten unverändert zusammen, ergeben sie 25,4 Milliarden und nicht 25,2 Milliarden. Der Text der Mitteilung erklärt diese Differenz nicht; die Einzelheiten finden sich vermutlich in den Tabellen im Anhang des vollständigen Dokuments der SNB, die dieser Artikel nicht wiedergibt. Massgebend bleibt die von der Zentralbank veröffentlichte Zahl: 25,2 Milliarden Franken.
Die Fremdwährungspositionen als Motor des Halbjahres
Der Grossteil des Gewinns stammt aus den Anlagen in Fremdwährungen, die im ersten Halbjahr 2026 31,7 Milliarden Franken einbrachten. Die SNB schlüsselt die Quellen auf:
- Zinserträge: 6,7 Milliarden Franken;
- Dividendenerträge: 1,7 Milliarden Franken;
- Zinsaufwand: 0,4 Milliarden Franken;
- Kursverluste auf Zinspapieren und -instrumenten: 1,7 Milliarden Franken;
- Kursgewinne auf Beteiligungspapieren und -instrumenten: 22,9 Milliarden Franken;
- wechselkursbedingte Gewinne: 2,5 Milliarden Franken.
Diese Zahlen, die alle von der SNB für den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni 2026 veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Gewinne auf den Aktien (22,9 Milliarden) allein weit mehr ins Gewicht fallen als die laufenden Zins- und Dividendenerträge zusammen. Das Halbjahresergebnis beruht also vor allem auf der Entwicklung der Börsenkurse, das heisst auf Bewertungsgewinnen, die zu einem bestimmten Stichtag, dem 30. Juni 2026, festgestellt wurden. Die Mitteilung präzisiert nicht, auf welchen Märkten oder in welchen Währungen diese Gewinne erzielt wurden.
Das Gold im Rückgang
Umgekehrt belastete der Goldbestand das Ergebnis mit einem Bewertungsverlust von 6,4 Milliarden Franken. Die SNB präzisiert, dass die gehaltene Goldmenge unverändert geblieben ist: Der Verlust ist ausschliesslich auf den Preisrückgang zurückzuführen. Laut der Mitteilung kostete ein Kilogramm Gold 104'812 Franken Ende Juni 2026, gegenüber 110'919 Franken Ende 2025. Nach unserer Berechnung auf der Grundlage dieser beiden Zahlen entspricht dies einem Rückgang von rund 5,5 % im Halbjahr, in Franken ausgedrückt.
Die Frankenpositionen, marginal
Der Gewinn von 0,1 Milliarden Franken auf den Frankenpositionen resultiert laut der SNB hauptsächlich aus der Verzinsung der Sichtguthaben und aus den liquiditätsabschöpfenden Operationen. Die Zentralbank erinnert daran, dass sie Liquidität mittels Repo-Geschäften (Repos) und SNB-Bills (SNB Bills) abschöpft.
Ein Halbjahr macht noch kein Jahr
Die SNB betont diesen Punkt selbst: Ihr Finanzergebnis hängt stark von der Entwicklung der Gold-, Devisen- und Kapitalmärkte ab. Sie warnt, dass deshalb mit starken Schwankungen zu rechnen ist und nur vorläufige Rückschlüsse auf das Jahresergebnis möglich sind.
Konkret kann ein Gewinn per 30. Juni im zweiten Halbjahr je nach Entwicklung der Börsen, der Wechselkurse und des Goldpreises zunichtegemacht, gehalten oder vergrössert werden. Da ein grosser Teil des Halbjahresgewinns aus Bewertungsgewinnen besteht, genügt eine Marktbewegung in die Gegenrichtung, damit er schrumpft. Es ist daher nicht möglich, allein anhand dieser Zahlen das Ergebnis des Geschäftsjahres 2026 zu schätzen, und dieser Artikel wagt dies auch nicht.
Vor der Zuweisung an die Rückstellungen
Ein weiterer Punkt, den man im Auge behalten sollte: Die 25,2 Milliarden Franken verstehen sich vor der Zuweisung an die Rückstellungen für Währungsreserven. Gemäss Art. 30 Abs. 1 des Nationalbankgesetzes (NBG) muss die SNB Rückstellungen bilden, die es erlauben, die Währungsreserven auf der geldpolitisch erforderlichen Höhe zu halten. Die Höhe dieser Zuweisung für das laufende Geschäftsjahr wird erst am Jahresende festgelegt.
Die Mitteilung vom 31. Juli 2026 sagt nichts über allfällige Ausschüttungen an Bund und Kantone. Dazu findet sich darin keine Angabe.
Das Wichtigste in Kürze
- Veröffentlichte Zahl: Gewinn von 25,2 Milliarden Franken für den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni 2026 (Mitteilung der SNB vom 31. Juli 2026).
- Wichtigste Quelle: die Kursgewinne auf den in Fremdwährungen gehaltenen Aktien (22,9 Milliarden Franken).
- Wichtigste Bremse: der Rückgang des Goldpreises (Bewertungsverlust von 6,4 Milliarden Franken).
- Unsicherheit: Laut der SNB sind zum Jahresergebnis nur vorläufige Rückschlüsse möglich; die Zuweisung an die Rückstellungen wird am Jahresende bestimmt.




