Finanzinstitute in der Schweiz und in Liechtenstein sehen in Stablecoins, digitalen Zentralbankwährungen (CBDC) und tokenisierten Fonds die wichtigsten Trends bei digitalen Vermögenswerten und Tokenisierung für die nächsten drei bis fünf Jahre. Zu diesem Schluss kommt der Swiss Blockchain Survey 2026, durchgeführt vom Center for Financial Services Innovation der Universität St. Gallen (HSG), über den Fintechnews Switzerland am 20. Oktober 2026 berichtete. Zwischen dem, was die Institute erwarten, und dem, was sie tatsächlich anbieten, bleibt die Lücke jedoch deutlich.
Eine Umfrage bei 25 Instituten
Für die Studie wurden im dritten Quartal 2026 25 Finanzinstitute aus der Schweiz und Liechtenstein befragt. Alle folgenden Zahlen beziehen sich auf diesen Zeitraum, sofern nicht anders angegeben. Die Stichprobe ist klein: Ein Institut entspricht 4 Prozentpunkten, weshalb Abweichungen von wenigen Punkten mit Vorsicht zu lesen sind.
Für 80% der Befragten ist die Verbreitung von Stablecoins und CBDC der wichtigste Markttrend in drei bis fünf Jahren, mit deutlichem Abstand vor den übrigen. Die institutionelle Einführung tokenisierter Fonds folgt auf dem zweiten Platz und wird von 52% genannt. Danach kommen die Abwicklung von Wertschriften auf der Blockchain als Ersatz bestehender Systeme (40%), die regulatorische Harmonisierung zwischen Rechtsordnungen (36%), die Konvergenz von traditioneller und dezentraler Finanzwelt (36%) sowie die Tokenisierung illiquider Vermögenswerte (32%). Das Schlusslicht bildet die Konvergenz von künstlicher Intelligenz und Blockchain mit 20% der Nennungen.
Tokenisierung: Angebote noch selten
Diese Erwartungen stehen im Kontrast zu den Plänen der Institute selbst. Bei Stablecoins und Abwicklungsdiensten bieten 20% der Institute solche Dienste bereits an, und 20% planen dies. Die übrigen 60% haben in diesem Bereich keine Pläne.
Ähnlich sieht es bei tokenisierten Vermögenswerten aus. Nur 12% der Institute haben ein Angebot lanciert, und 24% befinden sich in der Planungsphase, insgesamt also 36%. Eine grosse Mehrheit von 64% gibt an, vorerst nichts zu planen. Im Einzelnen:
- Tokenisierung von Aktien oder Fondsanteilen: 8% bieten sie an, 12% planen sie, 80% haben keine Pläne;
- Tokenisierung anderer Vermögenswerte oder Rechte: 4% bieten sie an, 8% planen sie;
- Tokenisierung von Immobilien oder realen Vermögenswerten sowie von Schuldinstrumenten: je 8%, ohne weitere gemeldete Pläne.
Andere Akteure ausserhalb der Schweiz kommen in diesen Bereichen voran, wie unser Artikel über die Tokenisierung realer Vermögenswerte auf Solana oder jener über Stablecoins im Zahlungsverkehr zeigt.
Vor allem kommerzielle Hürden
Laut der Studie ist die Zurückhaltung der Institute in erster Linie auf wirtschaftliche und organisatorische Gründe zurückzuführen. 63% nennen fehlende strategische Priorität oder ein unzureichendes Geschäftsmodell als Hindernis für den Ausbau ihrer Blockchain-Angebote, 58% ein geringes Kundeninteresse und 46% regulatorische oder Compliance-Anforderungen. Diese Ergebnisse deuten laut dem Artikel darauf hin, dass die Grenzen weniger technischer als kommerzieller Natur sind.
Die genannten Treiber zielen dennoch auf Expansion: 87% der Antworten zu den wichtigsten Treibern betreffen Wachstum, die Erweiterung des Angebots oder die Kundenbindung. Wachstum, die Gewinnung neuer Kunden und die Erweiterung der Produktpalette nennen 48% der Befragten, die Kundenbindung oder die Verhinderung von Vermögensabflüssen 39%. Der Artikel sieht darin eine Ambivalenz: Wirtschaftliche Motive leiten die Ambitionen, während die tatsächliche Nachfrage und die Rentabilität erst noch nachzuweisen sind.
Schweizer Banken und Blockchain: unterschiedliche Strategien
Bisher haben sich die Schweizer Finanzinstitute vor allem auf Dienstleistungen rund um Kryptowährungen konzentriert. Im dritten Quartal 2026 boten 68% der befragten Institute einen solchen Dienst an, wobei Verwahrung und Handel jeweils von 64% angeboten wurden.
Die Ansätze unterscheiden sich jedoch je nach Banktyp, wie Arbeiten von Blockstories zeigen, einem europäischen Forschungs- und Medienunternehmen mit Schwerpunkt auf digitalen Vermögenswerten, die Fintechnews Switzerland zitiert. Grosse Universalbanken wie UBS haben der Tokenisierung Vorrang vor dem Zugang zu Kryptowährungen gegeben und auf tokenisierte Anleihen, strukturierte Produkte und Geldmarktfonds gesetzt. Inlandorientierte Banken und Retailbanken gehörten dagegen zu den ersten, die Kryptoprodukte anboten: Buy-and-Hold-Handel, ins E-Banking integrierte Verwahrung, Transfers. Auch Schweizer Privatbanken haben diese Dienste früh eingeführt, für Kundinnen und Kunden, die ein Vermögen in Kryptowährungen aufgebaut haben. Einige akzeptierten von Anfang an Krypto-Transfers und boten Kredite, Staking und Bankdienstleistungen für Kryptounternehmen an. Andere beschränkten sich auf reinen Execution-only-Handel oder auf Produkte mit Bezug zu Kryptowährungen.
Was den Schweizer Rechtsrahmen betrifft, so geht der Quellartikel nicht näher auf dessen Rolle ein, abgesehen davon, dass 46% der Befragten regulatorische oder Compliance-Anforderungen zu den Hindernissen zählen.
Steigende Nachfrage bei Privatpersonen
Diese Landschaft entwickelt sich, während Krypto-Investitionen in der Schweiz zunehmen. Eine Studie des IFZ, des Forschungsinstituts der Hochschule Luzern mit Sitz in Zug, befragte im ersten Quartal 2026 mehr als 1700 Personen in der Schweiz: 18% der Befragten besassen Kryptowährungen. Das sind 2 Punkte mehr als im Vorjahr und 7 Punkte mehr als 2024. Hochgerechnet auf die Schweizer Bevölkerung entspräche dies rund 140'000 neuen Krypto-Investorinnen und -Investoren zwischen 2025 und 2026, eine Hochrechnung auf Basis einer Umfrage, die daher als Grössenordnung zu verstehen ist.
Diese Zahlen beschreiben Absichten und Angebote, wie sie von den Instituten angegeben wurden. Sie stellen keine Anlageempfehlung dar.
Quellen
- Fintechnews Switzerland: «Swiss Blockchain Survey 2026: Banks on Stablecoins and Tokenized Funds»




