Zehn Millionen Token aus dem Nichts geschaffen, davon 7,2 Millionen gleich weiterverkauft. Am 17. Oktober nutzte ein Angreifer die Bridge von Cysic aus, die Cross-Chain-Brücke dieses Projekts für Zero-Knowledge-Beweisinfrastrukturen, um 10 Millionen CYS auf der BNB Smart Chain auszugeben. Laut den von Journal du Coin aufgegriffenen On-Chain-Daten gelangten anschliessend rund 306,6 ETH, zum Kurs vom Sonntag 727’000 Dollar wert, zu Ethereum. Cysic hat seine Brücke stillgelegt und eine Untersuchung eingeleitet.
Wie die Lücke in der Bridge ausgenutzt wurde
Der vorläufige Bericht der Cysic-Stiftung beschreibt einen Angriff in zwei Schritten. Zunächst verschaffte sich der Angreifer unbefugten Zugang zu einer Datenbank, die von den Diensten der Bridge genutzt wird. Danach soll er eine Schwachstelle in der Verarbeitungslogik ausgenutzt haben, um eine gefälschte Ausgabenachricht einzureichen. Ergebnis: Eine Transaktion schuf um 12:31 UTC auf der BNB Smart Chain 10 Millionen CYS.
Die Stiftung verortet den Vorfall in den Funktionen der Brücke, die Nachrichten verarbeiten und Token erzeugen. Sie räumt allerdings ein, dass der vollständige Angriffsweg und die genaue Ursache noch untersucht werden. Technische Einzelheiten zur Schwachstelle sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt, und es wäre gewagt, über das hinauszugehen, was Cysic veröffentlicht hat.
Verkäufe Schlag auf Schlag
Der Angreifer liess sich nicht lange Zeit. Fünf Minuten nach der Ausgabe begann die Empfängeradresse, die CYS zu verkaufen. Laut The Block, zitiert von Journal du Coin, tauschte eine erste Serie von elf Transaktionen 5,65 Millionen Token gegen 588’315 USDT. Vier weitere Transaktionen wandelten danach 1,55 Millionen CYS in rund 220 BNB um. Die Verkäufe endeten um 12:59 UTC.
Zwölf der fünfzehn Transaktionen liefen über den dezentralen Aggregator von OKX, der die Tauschgeschäfte auf mehrere Plattformen verteilte, darunter PancakeSwap. Insgesamt wurden 7,2 Millionen Token verkauft.
Die Reaktion der Stiftung: eine teilweise Sperre
Die Stiftung setzte die Adresse des Angreifers um 13:47 UTC auf die Sperrliste des CYS-Vertrags, also rund 76 Minuten nach der betrügerischen Ausgabe. Diese Massnahme blockiert die 2,8 Millionen Token, die sich noch auf der Adresse befanden. Die bei den vorherigen Verkäufen erzielten Vermögenswerte holt sie hingegen nicht zurück.
Im Übrigen lässt sich die Antwort von Cysic in wenigen Punkten zusammenfassen:
- Die Bridge ist stillgelegt und bleibt bis zum Abschluss der Sicherheitsprüfung geschlossen;
- Ein Sicherheitsunternehmen, dessen Name nicht bekannt gegeben wurde, beteiligt sich an der Untersuchung und an der Rückverfolgung der Gelder;
- Laut der Stiftung wurden keine bestehenden Vermögenswerte aus den Wallets der Nutzer entwendet;
- Das Hauptnetz soll normal funktionieren: Konsens, Blockproduktion und Ausführung der Transaktionen seien nicht betroffen.
Diese Aussagen stammen von Cysic selbst. Ein Zeitplan für die Wiedereröffnung der Brücke ist nicht bekannt, ebenso wenig ein allfälliger Entschädigungsmechanismus.
Rund 727’000 Dollar zu Ethereum abgeflossen
Der Angreifer begann, seine Erlöse zu verschieben, noch bevor er seine Verkäufe abgeschlossen hatte. Er nutzte SWFT, Mayan und deBridge, um die USDT und BNB umzuwandeln und zu Ethereum zu transferieren. Ebenfalls laut The Block erhielt die Adresse auf diesem Netzwerk rund 306,6 ETH und schickte dann in fünf Überweisungen 306,52 ETH an eine zweite Wallet.
Hier zeigt die Sperre ihre Grenzen: Die Sperrliste betrifft nur die CYS der blockierten Adresse auf der BNB Smart Chain. Auf die bereits zu Ethereum übertragenen Ether hat sie keinerlei Wirkung. Die Rückverfolgung, vergleichbar mit jener nach anderen Krypto-Hacks, wird damit zur wichtigsten Spur.
Cysic betont im Übrigen, dass sich die endgültigen Verluste nicht allein aus der Zahl der ausgegebenen Token berechnen lassen. Die 10 Millionen geschaffenen CYS entsprechen also nicht automatisch einer Schadenssumme, und die endgültige Zahl ist nicht bekannt.
Krypto-Bridge: Warum Brücken angreifbar bleiben
Der Fall Cysic zeigt eine strukturelle Schwäche von Cross-Chain-Brücken. Eine Bridge muss eine Nachricht aus einem Netzwerk akzeptieren, um auf einem anderen Token zu schaffen oder freizugeben. Lässt sich diese Nachricht fälschen, wie es die Stiftung hier beschreibt, gibt die Brücke Token aus, denen keine echte Einzahlung gegenübersteht. Im vorliegenden Fall kommt zudem eine Off-Chain-Komponente, eine Datenbank, zur Logik des Vertrags selbst hinzu.
Für die DeFi-Sicherheit lässt sich die Lehre in wenigen Worten fassen: Die Komponenten, die Netzwerke verbinden, ob selbst entwickelte Brücken oder Infrastrukturen für Cross-Chain-Einlagen, bündeln Befugnisse zur Ausgabe und zur Übertragung. Eine Lücke an dieser Stelle trifft direkt das Angebot eines Tokens. Journal du Coin liefert keine Statistiken zum Ausmass von Bridge-Hacks im Allgemeinen, und wir werden hier keine anführen.
Es bleibt abzuwarten, was die Sicherheitsprüfung von Cysic zur genauen Ursache ergibt und wann die Brücke wieder öffnet. Bis dahin sind die 2,8 Millionen eingefrorenen CYS und die 306,52 ETH, die an eine zweite Wallet überwiesen wurden, die beiden konkreten Punkte, die es zu verfolgen gilt.
Quellen
- Journal du Coin: «727 000 dollars envolés vers Ethereum : Le bridge de Cysic piraté»




