Swiss Steel baut in Deutschland weiter ab. In einem Interview mit der SonntagsZeitung, über das die Nachrichtenagentur Keystone-SDA am 4. Oktober 2026 berichtete, kündigte der Konzernchef des Stahlunternehmens, Frank Koch, eine neue Restrukturierung der deutschen Standorte an, verbunden mit einem weiteren Stellenabbau. Zahlen nannte er keine.

Was angekündigt wird

Laut den wiedergegebenen Aussagen von Frank Koch sollen die Produktionsstandorte so neu aufgestellt werden, dass sie operativ wieder profitabel sind, und zwar in einem Markt, den er als stark geschrumpft beschreibt. Der Chef stellt die Massnahme zudem als Mittel dar, die Abhängigkeit des Konzerns von der deutschen Autoindustrie «wieder deutlich geringer» zu machen.

Ausserdem erwähnt er eine Bilanzrestrukturierung als weiteren Schritt. Einzelheiten dazu gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Was die Quelle nicht sagt

Vorerst handelt es sich um eine Ankündigung, nicht um einen bezifferten Plan. Die Agenturmeldung lässt offen:

  • wie viele Stellen betroffen sind;
  • welche deutschen Standorte gemeint sind;
  • in welchem Zeitrahmen der Abbau erfolgt;
  • welche Form die Bilanzrestrukturierung annehmen würde und wie umfangreich sie wäre.

Sie liefert auch keine aktuellen Finanzergebnisse, mit denen sich der Abstand zwischen der heutigen Lage des Konzerns und der angestrebten Profitabilität messen liesse.

Ein bereits halbierter Konzern

Zur Einordnung der Ankündigung erklärt Frank Koch, Swiss Steel habe die Belegschaft bereits halbiert, von 13'000 auf 6500 Mitarbeitende. Diese Zahl nennt der Konzernchef selbst; die Quelle präzisiert nicht, über welchen Zeitraum dieser Abbau erfolgte. Der neue Stellenabbau käme somit zu einem bereits beträchtlichen Rückgang hinzu, in einem Konzern, der die Hälfte seines Personals verloren hat.

Der Anteil der deutschen Autoindustrie am Geschäft des Konzerns wird in der Agenturmeldung nicht beziffert. Die Formulierung «wieder deutlich geringer» besagt lediglich, dass diese Abhängigkeit früher schon einmal geringer war; mehr lässt sich aus der Agenturmeldung nicht ableiten.

Profitabilität ab 2028 angestrebt

«Unser Plan ist, ab 2028 wieder operativ profitabel zu sein», sagte Frank Koch. Es handelt sich um ein Ziel der Konzernleitung, nicht um ein erreichtes Ergebnis: Es setzt voraus, dass die angekündigte Restrukturierung wie geplant verläuft und sich der Markt nicht weiter verschlechtert. Bis dahin werde das Unternehmen seiner Ansicht nach deutlich kleiner und fokussierter sein.

Anders gesagt: Der Konzern rechnet trotz eines bereits massiven Stellenabbaus nicht vor 2028 mit einer Rückkehr zur operativen Profitabilität. Das ist wohl der aufschlussreichste Hinweis des Interviews auf die Lage von Swiss Steel.

Das Umfeld der Branche

Swissinfo stellt die Ankündigung in den Zusammenhang der Krise der Schweizer Stahlindustrie und erinnert daran, dass die Europäische Union im April 2026 ihre Einfuhrregeln für Stahl verschärft hat, wodurch die Schweizer Branche höheren europäischen Zöllen ausgesetzt ist. Die Agenturmeldung stellt jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen diesen Regeln und dem Entscheid von Swiss Steel her; Frank Koch führt in den wiedergegebenen Aussagen vor allem den geschrumpften Markt und die Abhängigkeit von der deutschen Autoindustrie an.

Hinweis: Die Zitate wurden aus der englischen Fassung der Agenturmeldung ins Deutsche übersetzt, die ihrerseits aus dem Deutschen übersetzt worden war.

Quellen