UBS belegt im Evident AI Index 2026 weltweit den sechsten Platz – einem Ranking, das die Reife von Banken im Bereich der künstlichen Intelligenz misst. Laut Evident Insights, der Plattform, die den Index veröffentlicht, bleibt die Schweizer Bank zum vierten Mal in Folge an der Spitze der europäischen Institute. Sie ist zudem das einzige europäische Institut in den Top 10, berichtet Fintechnews Switzerland.

Was der Evident-Index misst

Evident Insights verfolgt die Einführung von KI in der Finanzbranche. Der 2023 lancierte Index versteht sich als weltweiter Massstab für die KI-Reife im Finanzwesen. Er bewertet vier Bereiche: KI-Talente, Innovation, Führung und Transparenz. Konkret stützt er sich auf Indikatoren wie die Kompetenzen und die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden, Forschung und Patente, die Positionierung der Geschäftsleitung sowie den verantwortungsvollen Einsatz von KI.

Seit 2023 bewegte sich UBS zwischen dem fünften und dem siebten Platz. Gemäss der Studie ist ihre diesjährige Position auf zwei Faktoren zurückzuführen: die Schulung des gesamten Personals und den breiten Einsatz von KI in mehreren Funktionen.

Dieses Ranking ist als das zu lesen, was es ist. Der Index vergleicht Banken anhand von Kriterien, die Evident festgelegt hat und die sich auf Fähigkeiten und Organisation konzentrieren. Er misst nicht direkt, wie rentabel KI für das einzelne Institut ist. Mehrere der unten genannten bezifferten Ergebnisse stammen zudem von den Banken selbst, ohne dass in der Quelle eine unabhängige Überprüfung erwähnt wird.

UBS und künstliche Intelligenz: Teams und Weiterbildung

Gemäss der Untersuchung verfügt UBS über das sechstgrösste spezialisierte KI-Team der Welt und über das grösste Europas. Die Bank hat bei der Integration einen grossen Teil der KI-Talente der Credit Suisse gehalten.

Neben diesen Fachleuten bildet UBS ihre Mitarbeitenden breit aus. Seit 2024 haben sich mehr als 49'000 Angestellte für Online-Kurse zu KI angemeldet, und mehr als 38'000 haben Lernpfade zu diesem Thema abgeschlossen. Im Juli 2026 hatten mehr als 21'000 Personen, also 28 % der Belegschaft, «UBS AI Citizen» absolviert. Dieses interne Programm deckt die Grundlagen der KI, konkrete Anwendungsfälle, die Produktivität am Arbeitsplatz und den verantwortungsvollen Umgang mit den Tools ab. Zudem hatten mehr als 96 % der Führungskräfte die ersten Etappen von «AI Enabler» durchlaufen, einem Programm, das ihnen hilft, KI in die Teamarbeit und die Personalführung einzubinden.

Tools bereits im Einsatz

2025 hat UBS in ihren Geschäftsbereichen mehr als 300 KI-Anwendungsfälle lanciert. In der Wirtschafts- und Finanzanalyse begannen die Global-Research-Tools mit einfachen Funktionen, etwa Vorschlägen für Titel und Aufhänger von E-Mails. Sie wurden mehr als 15'000 Mal genutzt und steigerten die Öffnungsrate der E-Mails um 16 %. Der Werkzeugkasten wurde anschliessend erweitert und dient heute knapp 1000 Research-Fachleuten weltweit. Zu diesen Tools gehört CoAuthor: Es wurde mehr als 30'000 Mal genutzt und hilft, Texte klarer und kohärenter zu machen.

Im Rechtsdienst setzt UBS Harvey ein, eine Plattform, die komplexe juristische Dokumente mithilfe von Modellen, die auf die Sprache des Rechts trainiert sind, verfasst, zusammenfasst und prüft. Laut der Bank ermöglichen die Effizienzgewinne Einsparungen von mindestens 1 Million Dollar. Harvey soll es zudem erlauben, bisher extern vergebene juristische Arbeiten wieder intern zu erledigen, was 2026 zusätzliche Einsparungen von 1 Million Dollar bringen soll. Es handelt sich um Angaben von UBS.

KI im Bankwesen: stabile Top 10, wenig Europa

Die Ausgabe 2026 des Index zeigt eine Beschleunigung in der gesamten Branche. Der durchschnittliche Score der Banken ist innert eines Jahres um 26 % beziehungsweise 9,6 Punkte gestiegen. Dieser Anstieg entspricht fast dem Dreifachen des gleitenden Durchschnitts, der zwischen 2023 und 2025 beobachtet wurde.

An der Spitze der Rangliste bewegt sich wenig. Alle Banken der diesjährigen Top 10 waren bereits mindestens einmal darin vertreten, und sechs sind seit 2023 jedes Jahr dabei. Die ersten drei Plätze gehen weiterhin an JP Morgan Chase, Capital One und die Royal Bank of Canada (RBC). In dieser Spitzengruppe ist UBS die einzige europäische Bank: Die übrigen Institute des Kontinents liegen weiter hinten.

Gemäss der Studie weisen die zehn führenden Banken zudem mehr und belastbarere Ergebnisse aus. Sie stehen für 25 % der Anwendungsfälle, zu denen eine Wirkung kommuniziert wird. Doch auf sie entfallen 34 % jener, die operative Kennzahlen dokumentieren, und 50 % jener, die ein direktes finanzielles Ergebnis ausweisen.

Und in Schweizer Unternehmen?

Auch ausserhalb des Bankensektors kommt KI in der Schweiz voran. Eine Umfrage von EY unter mehr als 600 Personen, die in Unternehmen des Landes arbeiten, zeigt, dass 89 % von ihnen KI im Alltag nutzen. Der Zugang erfolgt vor allem über integrierte Tools wie Microsoft Copilot oder Gemini in Google Workspace (70 %), während spezialisierte oder proprietäre Lösungen an Boden gewinnen (33 %).

Im Zentrum der Strategie steht KI allerdings selten. Nur 9 % der Befragten geben an, dass sie das Geschäftsmodell ihres Unternehmens bereits verändert hat, während 63 % Lösungen eingeführt haben oder Pilotprojekte durchführen. Das Beispiel UBS zeigt, was die Klassenbesten auszeichnet: weniger der Zugang zu den Tools als deren Integration in die Fachbereiche und die Weiterbildung in grossem Massstab.

Quellen