Anthropic, das US-Unternehmen, das generative Modelle der künstlichen Intelligenz (KI) entwickelt, soll im dritten Quartal einen Umsatz von 16,8 Milliarden Dollar (14,02 Milliarden Franken) erzielt haben. Diesen Betrag hat es laut Financial Times und Bloomberg Investoren mitgeteilt, was einem Anstieg von rund 45 Prozent innerhalb von drei Monaten entspricht. Die ungeprüften Zahlen wurden laut den beiden Medien am Mittwoch an einem Tag für institutionelle Investoren am Hauptsitz des Unternehmens in San Francisco präsentiert. Anthropic wollte dazu keine Stellung nehmen.

Starkes, aber langsameres Wachstum

Das Wachstum bleibt deutlich, verlangsamt sich aber. Im Frühjahr hatte sich der Umsatz mehr als verdoppelt, von 4,8 Milliarden Dollar im ersten Quartal auf 11,6 Milliarden im zweiten. Der für das dritte Quartal gemeldete Anstieg von rund 45 Prozent liegt damit deutlich unter dem Tempo des Vorquartals.

Um zu verstehen, worum es geht, muss man sich vor Augen führen, wie dieses Geschäftsmodell funktioniert. Jede Generation von KI-Modellen benötigt mehr Rechenleistung, zuerst für das Training, dann, um eine Nachfrage zu bedienen, welche die verfügbaren Kapazitäten übersteigt. Anthropic mietet den Grossteil dieser Rechenleistung bei Amazon, Google oder SpaceX.

Auf bereinigter Basis profitabel

Das Unternehmen bezeichnet sich laut FT zudem im zweiten Quartal in Folge als profitabel, auf bereinigter Basis. Es handelt sich um eine nicht standardisierte Kennzahl, die unter anderem aktienbasierte Vergütungen ausklammert. Anthropic gibt laut denselben Quellen ausserdem an, inzwischen mehr liquide Mittel zu erwirtschaften, als es verbraucht, und für jeden in Rechenleistung ausgegebenen Dollar 1,70 Dollar Umsatz einzunehmen.

Die klassische Rechnungslegung zeichnet ein anderes Bild. Laut Dokumenten, die Bloomberg und Reuters einsehen konnten, hat das Unternehmen 2025 fast 42 Milliarden Dollar verloren, davon rund 34 Milliarden in Form von Buchungen ohne tatsächlichen Mittelabfluss. Sein operativer Verlust, der näher an den tatsächlichen Ausgaben liegt, betrug mehr als 8 Milliarden, bei einem Umsatz von 4,6 Milliarden im Jahr 2025.

Diese Kennzahlen lassen sich derzeit nicht überprüfen, da keine Abschlüsse veröffentlicht sind: Der Börsenprospekt, der im Juni vertraulich eingereicht wurde, ist noch immer nicht öffentlich. Sie sind daher als Angaben des Unternehmens zu lesen, die von der Presse weiterverbreitet wurden, und nicht als testierte Ergebnisse.

Einnahmen weit unter den zugesagten Summen

Selbst bei starkem Wachstum bleiben diese Einnahmen weit hinter den Beträgen zurück, die im Wettlauf um die KI eingesetzt werden. Laut FT plant Anthropic über zehn Jahre Infrastrukturausgaben von mehr als 500 Milliarden Dollar. Das ist die grosse Wette der Branche: heute gewaltige Rechenkapazitäten zu finanzieren und darauf zu setzen, dass die Nachfrage weiter wächst.

Börsengang im November erwartet

Die Zahlen kommen wenige Wochen vor einem Börsengang, der inzwischen im November erwartet wird und ein Rekord werden könnte. Laut Bloomberg könnte Anthropic den Verkauf seiner Aktien bereits in der Woche vom 9. November starten, mit einer Kotierung vor Thanksgiving am 26. November. Dieser Zeitplan wurde bereits mehrmals verschoben: Ende August hatte die US-Nachrichtenagentur die Veröffentlichung des Kotierungsdossiers in den folgenden Tagen angekündigt. Das Unternehmen hat nie ein Datum bestätigt.

Investoren bewerten das Unternehmen mit 1’800 bis 2’000 Milliarden Dollar, also doppelt so hoch wie im Mai (965 Milliarden). Die Transaktion könnte den Rekord von SpaceX übertreffen, das im Juni 85,7 Milliarden aufgenommen hatte.

In einer vorläufigen Fassung des Prospekts, welche die FT zitiert, wiederholte Anthropic gegenüber potenziellen Investoren zudem, dass die von ihm entwickelte KI «existenzielle Risiken für die Menschheit» bergen könnte (aus dem Englischen übersetzt).

Das Wichtigste in Kürze

Die gesicherten Fakten sind begrenzt: Anthropic hat Investoren Zahlen präsentiert, und zwei Medien haben darüber berichtet. Beim Rest, bereinigte Profitabilität, positiver Cashflow, Rendite der Rechenleistung, handelt es sich um Angaben des Unternehmens, bis der Prospekt veröffentlicht ist. Für Leserinnen und Leser in der Schweiz, die den Wettlauf um die Einnahmen der generativen KI verfolgen, wird dieses Dokument die erste Gelegenheit sein, diese Ankündigungen mit überprüfbaren Abschlüssen abzugleichen.

Quellen

  • Allnews: «Anthropic revendique 16,8 milliards de dollars de revenus trimestriels»