Die Zahl kam am Mittwoch, 14. Oktober, um 14:30 Uhr Pariser Zeit: Der US-Verbraucherpreisindex für September liegt bei 3,7% im Jahresvergleich, nach 3,4% im August und erwarteten 3,6%. Die Kerninflation, die Energie und Nahrungsmittel ausklammert, beträgt 2,6%, erwartet waren 2,5%. Laut Journal du Coin erklären die Treibstoffe, die sich durch den Krieg mit dem Iran verteuert haben, den Grossteil der Beschleunigung; Brent schloss bei 106 Dollar. In weniger als vierundzwanzig Stunden erlebte die Wall Street ihre schlechteste Sitzung seit Juli, die Börse in Seoul brach erneut um mehr als 7% ein, und die Wetten auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) am 28. Oktober haben deutlich zugenommen.

Wall Street: Die Technologiewerte bezahlen für den Anstieg der Renditen

Der Nasdaq verlor 1,9% (511,51 Punkte) auf 26’692,87 Punkte und der S&P 500 1,1% auf 7’718,94 Punkte, sein fünfter Verlusttag in sechs Sitzungen seit seinem Rekord. Der Dow Jones begrenzte das Minus auf 0,1% bei 51’621,48 Punkten, gestützt von defensiven Sektoren wie dem Gesundheitswesen (+2,4%).

Der Technologiesektor gab um 3% nach. Laut der Sitzungsbilanz der Agentur AP fiel CoreWeave um 15,5%, Oracle um 8,8%, GE Vernova um 6,2%, AMD um 5,7%, Nvidia um 3,2% und Broadcom um 3,1%.

Die Zinsen reagierten zuerst: Die Rendite der US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit stieg von unter 5,17% vor der Veröffentlichung auf über 5,32% im Handelsverlauf, jene mit 30 Jahren Laufzeit erreichte 5,59%. Der Zusammenhang mit der künstlichen Intelligenz liegt in der Finanzierung: Rechenzentren werden zu einem grossen Teil auf Kredit gebaut, und jeder Renditeanstieg verteuert die Rechnung. «Die Inflation kocht mit Gas» (aus dem Englischen übersetzt), fasst Jamie Cox von der Harris Financial Group zusammen.

Seoul: Der Kospi bricht erneut ein

Am Donnerstag, 15. Oktober, eröffnete der Kospi bei 5’673 Punkten (-5,6%). Um 9:08 Uhr Seouler Zeit wurde der Programmhandel für fünf Minuten ausgesetzt. Der Index fiel gegen 10:15 Uhr auf 5’571 Punkte, 7,28% unter dem Vortag. Samsung Electronics verlor bis zu 8,2% und SK Hynix bis zu 10,8%. Der Aufstieg des chinesischen Unternehmens CXMT bei Speicherchips belastet die beiden koreanischen Konzerne zusätzlich.

Zur Einordnung: Es ist die sechste Verlustsitzung in Folge, nach einem ersten Einbruch um 8% im Juli. Journal du Coin sieht den Index fast 40% unter seinem Rekord vom Juni, merkt aber an, dass er seit dem 1. Januar noch rund 32% im Plus liegt.

Der Bitcoin folgte der Bewegung: Er wurde am Donnerstagmorgen laut CoinGecko um 80’800 Dollar gehandelt, ein Minus von 3,6% innert 24 Stunden.

Fed: die Fakten und die Wetten

Zuerst die Fakten. Die Fed hat ihre Zinsen im September von 3,75% auf 4% angehoben, die erste Erhöhung seit 2023. Ihr geldpolitischer Ausschuss (FOMC) tagt am 27. und 28. Oktober. Eine Erhöhung um 25 Basispunkte würde die Spanne auf 4% bis 4,25% bringen. Der Index der persönlichen Konsumausgaben (PCE), ein weiteres von der Fed beobachtetes Inflationsmass, wird am 27. Oktober erwartet.

Dann die Erwartungen, die je nach Instrument und Zeitpunkt der Erhebung variieren. Laut dem FedWatch der CME stieg die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung um 25 Basispunkte nach der Veröffentlichung der Inflationsdaten von 21,6% auf 32,7%; eine andere Erhebung desselben Instruments zeigt einen Anstieg von 22% auf 35% innerhalb eines Tages. Am Mittwochabend meldete Allnews unter Berufung auf AWP und AFP, die Märkte rechneten mehrheitlich, zu rund 60%, mit unveränderten Zinsen. Journal du Coin verzeichnete seinerseits bei der CME einen Rückgang auf 52,9% für unveränderte Zinsen, also 47,1% für eine Erhöhung. Die Prognosemärkte neigen stärker zum Status quo: rund 62% bei Polymarket und 61% bei Kalshi, wo laut einer Tracking-Website vor der Veröffentlichung noch 80% angezeigt wurden. Der Unterschied liegt teilweise in der Methode: Die CME liest die Terminkontrakte auf Zinsen aus, Polymarket und Kalshi binäre Kontrakte zwischen Wettenden.

Auch die Deutungen gehen auseinander. «Die Überraschung konzentrierte sich nicht auf einen einzelnen Posten, sondern war breit angelegt» (aus dem Englischen übersetzt), fasst Omair Sharif zusammen, Gründer von Inflation Insights, und Eugenio Aleman (Raymond James) ist der Ansicht, dass diese Verbreiterung die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung am 28. Oktober steigert. Laut Reuters, zitiert von Journal du Coin, wetteten die Händler jedoch massiv gegen eine zweite Erhöhung in Folge unter dem Vorsitz von Kevin Warsh, eine Woche vor den Zwischenwahlen im November. Keine dieser Wahrscheinlichkeiten ist ein Entscheid: Dieser wird erst am 28. Oktober bekannt sein.

Beige Book: Die Energie zieht sich durch die Preiskette

Am selben Tag veröffentlichte die Fed ihr «Beige Book», ihre regelmässige Übersicht über die Wirtschaftslage. Der Anstieg der Energiepreise, insbesondere beim Diesel, schlägt sich darin in den Kosten entlang der gesamten Lieferkette nieder. Unternehmen, die an Konsumenten verkaufen, haben jedoch Mühe, ihn weiterzugeben, und schmälern ihre Margen, während die «Konsumenten sich weiterhin gegen Preiserhöhungen wehren» (aus dem Englischen übersetzt). In manchen Regionen führt die anhaltende Unsicherheit bei Energie und Zöllen dazu, dass Unternehmen in den kommenden Monaten mit weiteren Preiserhöhungen rechnen.

Das Gesamtbild bleibt das eines Wachstums. Die Aktivität «hat moderat zugenommen» (aus dem Englischen übersetzt), wobei die meisten Distrikte ein leichtes oder moderates Wachstum und vier keine Veränderung melden. Die Beschäftigung ist gegenüber dem vorherigen Bericht insgesamt stabil, die Löhne steigen moderat, doch die Forderungen nach stärkeren Erhöhungen zum Ausgleich der Inflation werden drängender.

Nächste Termine

Die konsultierten Quellen beziffern weder die Reaktion des SMI noch jene des Frankens. Die europäischen Börsen eröffneten am Donnerstag vor dem Hintergrund dieses doppelten Rückschlags, zuerst in New York, dann in Seoul. Die nächsten Termine: weitere Ergebnisse US-amerikanischer Banken in dieser Woche, der PCE-Index am 27. Oktober, der Fed-Entscheid am 28. Oktober und dann die Zahlen von Nvidia im November, die Journal du Coin als Test für die Finanzierung der künstlichen Intelligenz bezeichnet.

Quellen

  • Journal du Coin: «Börse in den USA: Inflation und Zweifel an der KI lassen den Nasdaq abstürzen»
  • Journal du Coin: «Kospi: neuer Crash von 7% in Seoul, Bitcoin rutscht Richtung 80’000 Dollar»
  • Journal du Coin: «Fed-Zinsen: Prognosemärkte schliessen eine Erhöhung am 28. Oktober nicht mehr aus»
  • Allnews: «Der Anstieg der Energiepreise schlägt sich auf die gesamte Kette nieder, meldet die Fed»