Die Schweiz hat im zweiten Quartal 2026 einen Ertragsbilanzüberschuss von 24 Milliarden Franken erzielt, wie aus den am 22. September von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Das sind 13 Milliarden mehr als im gleichen Quartal 2025. Der Anstieg wirkt deutlich, doch die SNB relativiert ihn selbst: Der Überschuss im zweiten Quartal 2025 war vergleichsweise tief. Ein Teil des Anstiegs ist also auf die schwache Vergleichsbasis zurückzuführen.

Ein Anstieg, getragen vom Warenhandel

Laut der SNB ist die Zunahme des Ertragsbilanzsaldos hauptsächlich auf den Warenhandel zurückzuführen. Zwei Elemente stechen hervor:

  • Der Saldo des Transithandels (Merchanting) ist gegenüber dem zweiten Quartal 2025 deutlich gestiegen;
  • der Saldo des Handels mit nichtmonetärem Gold blieb negativ, allerdings in geringerem Ausmass als ein Jahr zuvor.

Die übrigen Komponenten haben sich kaum bewegt. Der Saldo des Dienstleistungshandels, jener der Primäreinkommen und jener der Sekundäreinkommen veränderten sich gegenüber dem Vorjahresquartal nur geringfügig. Der Grossteil der Differenz von 13 Milliarden konzentriert sich somit auf die Waren.

Die Mitteilung beziffert den Beitrag des Transithandels und jenen des Goldes nicht separat. Es lässt sich daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, welcher der beiden beim Anstieg stärker ins Gewicht fällt.

Zwei Lesarten derselben Zahl

Eine erste Lesart beschränkt sich auf die Feststellung: Mit 24 Milliarden weist die Schweiz weiterhin einen ausgeprägten Ertragsbilanzüberschuss aus, und dieser Saldo ist innert Jahresfrist deutlich gestiegen.

Eine zweite Lesart mahnt zur Vorsicht. Da das zweite Quartal 2026 mit einem zweiten Quartal 2025 verglichen wird, das die SNB selbst als schwach bezeichnet, bläht der Basiseffekt die Veränderung gegenüber dem Vorjahr mechanisch auf. Zudem beruht der Anstieg vor allem auf dem Transithandel und dem Gold, zwei Posten, deren Entwicklung für sich allein wenig über die Tätigkeit der Exportindustrie im üblichen Sinn aussagt.

Ebenfalls zu beachten: Die Daten wurden auf der Grundlage neuer Informationen revidiert, teilweise bis ins Jahr 2023. Vergleiche mit früher veröffentlichten Zahlen müssen daher anhand der aktualisierten Reihen erfolgen.

Kapitalbilanz: Rückzüge auf beiden Seiten

In der Kapitalbilanz zeigten die Transaktionen im zweiten Quartal einen Nettoabbau der Forderungen um 6 Milliarden Franken und der Verpflichtungen um 12 Milliarden. Unter Einbezug der Derivate belief sich der Saldo der Kapitalbilanz auf 7 Milliarden.

Auf der Aktivseite betraf der Rückgang vor allem die Portfolioinvestitionen: Inländische Anleger verkauften Wertpapiere ausländischer Emittenten, insbesondere Aktien. Auch die übrigen Investitionen gingen zurück, namentlich weil die Geschäftsbanken ihre Forderungen gegenüber Kunden im Ausland abbauten. Bei den Direktinvestitionen zogen in der Schweiz ansässige, ausländisch beherrschte Unternehmen im Rahmen von Bilanzverkürzungen umfangreiches Eigenkapital aus ihren Tochtergesellschaften im Ausland ab. Dieser Abzug wurde jedoch durch reinvestierte Gewinne und neue konzerninterne Darlehen an Schwestergesellschaften im Ausland nahezu ausgeglichen.

Auf der Passivseite ist der Nettoabbau in erster Linie darauf zurückzuführen, dass ausländische Muttergesellschaften Eigenkapital aus ihren Tochtergesellschaften in der Schweiz abzogen, eine Bewegung, die mit denselben Bilanzverkürzungen zusammenhängt.

Ein durch die Aktienmärkte aufgeblähter Auslandstatus

Der Nettoauslandstatus der Schweiz stieg gegenüber dem Vorquartal um 22 Milliarden Franken auf 986 Milliarden. Die Auslandsforderungen nahmen um 149 Milliarden auf 5564 Milliarden zu, die Auslandsverpflichtungen um 127 Milliarden auf 4578 Milliarden. Laut der SNB sind diese Zunahmen weitgehend auf Kursgewinne an den Aktienmärkten im In- und Ausland zurückzuführen. Diese Bewertungseffekte betrafen vor allem die Portfolioinvestitionen und die Währungsreserven.

Auch hier ist eine Relativierung angebracht: Man kann darin einen Anstieg des Auslandstatus sehen, der zu einem guten Teil auf Preiseffekte zurückgeht, eine Interpretation, welche die SNB für den Nettostatus selbst nicht formuliert.

Welche Auswirkungen für Unternehmen und Haushalte?

Die Mitteilung der SNB äussert sich nicht zu den Folgen dieser Zahlen für die Realwirtschaft. Die folgenden Bemerkungen sind daher mögliche Lesarten, keine Feststellungen.

Für die Unternehmen deutet die Konzentration des Anstiegs auf den Transithandel und das Gold darauf hin, dass der Sprung beim Überschuss nicht unbedingt eine allgemeine Verbesserung der Absatzmöglichkeiten im Ausland für sämtliche Exporteure widerspiegelt. Die bei den Direktinvestitionen beobachteten Kapitalabzüge, die mit Bilanzverkürzungen ausländisch beherrschter Konzerne zusammenhängen, könnten zudem verdienen, über mehrere Quartale verfolgt zu werden, da sie in der Schweiz ansässige Strukturen betreffen.

Für die Haushalte ist die direkte Wirkung begrenzt. Immerhin lässt sich festhalten, dass der von den Börsengewinnen getragene Anstieg des Auslandstatus auch indirekt gehaltene Vermögenswerte betrifft, etwa über in Wertschriften angelegte Ersparnisse. Diese Bewertungsgewinne bleiben jedoch naturgemäss umkehrbar.

Zusammengefasst bestätigt das zweite Quartal 2026 einen soliden Ertragsbilanzüberschuss, doch der Anstieg von 13 Milliarden gegenüber dem Vorjahr muss vor dem Hintergrund einer schwachen Basis 2025 und eines auf wenige Posten konzentrierten Zuwachses gelesen werden.

Quellen