Am 13. Oktober hat das US-Finanzministerium gegen die Bank of America, die zweitgrösste Bank der Vereinigten Staaten, Strafen von über 1,2 Milliarden Dollar wegen vorsätzlicher Verletzung des Geldwäschereigesetzes verhängt. Laut Journal du Coin wurden über einen Zeitraum von rund sieben Jahren mehr als 5 Milliarden Dollar an verdächtigen Geldflüssen nicht oder verspätet gemeldet. Es handelt sich um eine Verwaltungssanktion der Aufsichtsbehörden, verbunden mit Eingeständnissen der Bank, und nicht um eine strafrechtliche Verurteilung: Die Quelle hält fest, dass kein Verfahren des Justizministeriums gegen das Institut läuft.
Drei Behörden, drei Teile
Der Fall liegt nicht in der Hand einer einzigen Behörde. Laut der Quelle führt FinCEN, die Geldwäschereistelle des Finanzministeriums, den Hauptteil. Die Bank of America räumt darin ein, vorsätzlich gegen den Bank Secrecy Act verstossen zu haben, das Bundesgesetz, das Banken verpflichtet, jede verdächtige Transaktion den Behörden zu melden. Die Mitteilung von FinCEN nennt zudem weitere Eingeständnisse: ein Compliance-Programm unterhalb der Mindestanforderungen und mangelhafte Kontrollen bei Konten ausländischer Banken.
Zwei weitere Aufsichtsbehörden sind beteiligt:
- Das OCC, die Bundesaufsicht über die nationalen Banken, erhält 750 Millionen Dollar dieser Rechnung, laut eigener Mitteilung die höchste Sanktion seiner Geschichte;
- das OFAC, zuständig für die US-Wirtschaftssanktionen, fügt 11,6 Millionen Dollar für 475 mutmassliche Verstösse hinzu, die Russland, Belarus, Iran, Myanmar, Somalia, den Drogenhandel und den Terrorismus betreffen.
Für FinCEN ist es der dritthöchste Betrag seiner Geschichte, hinter Binance (3,4 Milliarden im Jahr 2023) und TD Bank (1,3 Milliarden im Jahr 2024). Journal du Coin zitiert die Mitteilung von FinCEN und gibt die Ankündigung des OCC wieder, verlinkt aber nicht direkt auf den offiziellen Entscheid.
Finanzminister Scott Bessent erklärte, selbst die grössten Finanzinstitute «stehen nicht über dem Gesetz». Der Chef des OCC, Jonathan Gould, bezeichnete die Reaktion der Bank auf ihre eigenen Mängel als «inakzeptabel».
Eine zu hoch angesetzte Alarmschwelle
Im Zentrum des Falls steht eine Software namens Event Processor, die Transaktionen durchleuchten sollte. Sie lief von Januar 2018 bis Juli 2025 mit einer Alarmschwelle von 20 Risikopunkten. Erst im Dezember 2023 senkte die Bank sie auf 10 oder 12 Punkte. Die Folge: Über 5 Milliarden Dollar an verdächtigen Transaktionen wurden nicht rechtzeitig gemeldet, davon rund 1 Milliarde im Zusammenhang mit Risiken für die nationale Sicherheit.
Eine 2024 durchgeführte rückwirkende Prüfung brachte fast 8'900 nie übermittelte Verdachtsmeldungen über rund 4 Milliarden Dollar zutage. In den Vereinigten Staaten ist dieses Formular, der SAR, die Meldung, die jede Bank bei einem verdächtigen Geldfluss an FinCEN richten muss. Ein weiteres Indiz, das die Quelle anführt: Mehr als ein Drittel der internen Untersuchungen ging nicht von einem Alarm der Software aus, sondern von einer Anfrage von aussen (Polizei, gerichtliche Vorladung, Anfrage einer anderen Bank). Um die neue Schwelle zu bewältigen, rechnete die Bank damit, 750 Personen einstellen und 800 Berater beiziehen zu müssen.
Konkrete Fälle genannt
Die Quelle beschreibt mehrere Muster. Zwei Kunden, die im Online-Auktionshandel mit Unfallfahrzeugen tätig sind, reichten zwischen 2020 und 2025 Zahlungsmittel im Umfang von Dutzenden Milliarden Dollar ein; über 600 Millionen Dollar an verdächtigen Zahlungsanweisungen wurden nie gemeldet. FinCEN sieht darin handelsbasierte Geldwäscherei, bei der das Geld unter dem Deckmantel von Warenverkäufen zirkuliert. Rund ein Drittel dieser Geldflüsse wies in Richtung der mexikanischen Grenze.
Ein Kunde aus derselben Branche mit rund 6 Millionen Dollar Jahresumsatz erhielt über 1,7 Milliarden Dollar an Überweisungen aus Nachbarländern Russlands. Hunderte Millionen Dollar an Kreditkartenkäufen trugen zudem die Handschrift chinesischer Geldwäschereinetzwerke und wurden ebenfalls verspätet gemeldet. Schliesslich wies laut CNN, zitiert von der Quelle, die Sanktionsprüfung eine Lücke auf: Eine Transaktion, die mit Namen und Geburtsdatum einer sanktionierten Person übereinstimmte, wurde nicht vorrangig behandelt.
Eine Sanktion, die manche für bescheiden halten
Der Vergleich mit Binance taucht in der Debatte immer wieder auf. Die Plattform hatte 2023 4,3 Milliarden Dollar bezahlt, und ihr Gründer Changpeng Zhao verbrachte vier Monate im Gefängnis. Gegen die Bank of America hingegen läuft im Unterschied zu Binance und TD Bank kein Verfahren des Justizministeriums. Dennis Kelleher, Chef der NGO Better Markets, hält die Busse gemessen an den Einnahmen der Bank für bescheiden: «Banken brechen nicht das Gesetz, Menschen tun es.»
Die Aktie der Bank of America gab im nachbörslichen Handel vom 13. Oktober um mehr als 2,5 Prozent nach, am Vorabend der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse für das dritte Quartal. Eine Woche zuvor hatte das OCC bereits American Express mit 350 Millionen Dollar gebüsst, deren System über mehr als zehn Jahre rund 13 Milliarden an verdächtigen Geldflüssen hatte durchgehen lassen.
Und in der Schweiz?
Für Leserinnen und Leser in der Schweiz stellt sich naturgemäss die Frage nach einer Parallele zu den Pflichten der Schweizer Banken bei der Bekämpfung der Geldwäscherei. Die Quelle behandelt jedoch weder den Schweizer Rahmen noch jüngere Schweizer Fälle. Die beiden Regime beruhen auf unterschiedlichen Gesetzen, Behörden und Verfahren; dieser US-Fall allein erlaubt daher keine Schlüsse auf die Lage der Institute in der Schweiz.




