Das Obergericht des Kantons Zürich wird sein Urteil im Verfahren gegen Pierin Vincenz, den ehemaligen Chef von Raiffeisen, am 11. Januar 2027 um 14 Uhr eröffnen. Dies gab das Gericht am Dienstag, 6. Oktober 2026, bekannt, wie aus einer von SWI swissinfo.ch übernommenen Meldung von Keystone-SDA hervorgeht. Das Verfahren befindet sich derzeit in der Phase der internen Beratung und Entscheidfindung.

Was in erster Instanz entschieden wurde

Der Fall wird in zweiter Instanz verhandelt. Im April 2022 hatte das Bezirksgericht Zürich laut der Quelle harte Strafen ausgesprochen. Pierin Vincenz war des Betrugs schuldig gesprochen und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Sein Geschäftspartner Beat Stocker war zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Dieses Urteil ist nicht rechtskräftig. Solange sich die Berufungsinstanz nicht geäussert hat, handelt es sich bei den Vorwürfen um jene der Anklage, und es gilt die Unschuldsvermutung. Im August 2026 plädierte Pierin Vincenz vor dem Obergericht auf Freispruch.

Was noch zu entscheiden ist

Nun ist es am Obergericht zu entscheiden, ob es das erstinstanzliche Urteil bestätigt, abändert oder aufhebt. Die Quelle nennt weder die genauen Rügen, die im Berufungsverfahren geprüft werden, noch die Anträge der Staatsanwaltschaft in diesem Stadium, noch die Position von Beat Stocker vor der zweiten Instanz. Diese Punkte lassen sich hier deshalb nicht ohne Spekulation darlegen. Der einzige feststehende Termin ist der 11. Januar 2027.

Die Frage der Governance

In einem am 22. Januar 2022 veröffentlichten Artikel hielt SWI swissinfo.ch fest, dass die Betrugsvorwürfe gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef Fragen zur Governance der drittgrössten Bank der Schweiz aufgeworfen hatten. Die konsultierte Quelle führt nicht aus, welche Massnahmen seither ergriffen wurden und welche Folgen der Fall für die Governance-Regeln im Schweizer Bankensektor hatte. Es wäre daher gewagt, allein auf dieser Grundlage eine Bilanz zu ziehen.

Das Urteil vom Januar wird einzig über die strafrechtliche Verantwortung der Beschuldigten entscheiden. Allfällige Lehren für die Governance der Banken gehören in eine andere Debatte, die der Entscheid neu entfachen könnte, ohne sie jedoch abzuschliessen.

Quelle: SWI swissinfo.ch / Keystone-SDA, «Court verdict of Swiss banker Vincenz expected in January», 6. Oktober 2026