Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat am 15. September 2026 ihren Bericht über die Wirtschaftspolitik der Schweiz veröffentlicht. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat die wichtigsten Punkte am selben Tag in einer in Bern datierten Medienmitteilung vorgestellt. Gemäss dieser Zusammenfassung würdigt die OECD den Schweizer Ansatz in der Wirtschaftspolitik. Angesichts einer breiten Palette von Herausforderungen sieht sie jedoch Handlungsbedarf, um die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft des Landes langfristig zu erhalten: die Reformen des Gesundheits- und des Rentensystems fortführen, die administrative Belastung der Unternehmen verringern, das Arbeitskräftepotenzial besser nutzen und den Wettbewerb stärken.
Eine methodische Klarstellung ist angebracht: Dieser Artikel stützt sich ausschliesslich auf die Medienmitteilung des SECO, die den Bericht der OECD zusammenfasst. Die nachfolgend wiedergegebenen Feststellungen und Empfehlungen sind somit jene, die das SECO der OECD zuschreibt, in den vom SECO gewählten Worten.
Eine positive Einschätzung der soliden Wirtschaft
Laut der Medienmitteilung hebt die OECD die Robustheit der Schweizer Wirtschaft hervor. Aus ihrer Sicht haben stabile Institutionen sowie eine umsichtige Wirtschafts- und Finanzpolitik, die auf guten Rahmenbedingungen und gesunden öffentlichen Finanzen beruhen, dazu beigetragen, die Widerstandsfähigkeit des Landes zu bewahren.
Die Medienmitteilung nennt keine Zahlen zur Untermauerung dieser Feststellung: weder Wachstumsraten noch Verschuldungsniveau noch Prognosen. Auf dieser Grundlage lässt sich die Leistung der Schweiz daher weder in ihrer jüngsten Entwicklung einordnen noch mit jener anderer Länder vergleichen. Die Medienmitteilung erlaubt es auch nicht, zu unterscheiden, was im Bericht eine Feststellung zur aktuellen Lage und was eine Prognose ist.
Ein anspruchsvolles internationales Umfeld
Die OECD verweist, ebenfalls gemäss SECO, auch auf ein schwieriges internationales Umfeld. Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen die Weiterentwicklung der Beziehungen zur Europäischen Union und die handelspolitischen Unsicherheiten, die auf wichtigen Exportmärkten lasten, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Die Organisation empfiehlt, die wirtschaftlichen Verbindungen mit den wichtigsten Handelspartnern weiter auszubauen und neue Handelspartnerschaften anzustreben.
Die Medienmitteilung präzisiert weder die genaue Art dieser Unsicherheiten noch ihr Ausmass und beziffert auch nicht ihre möglichen Auswirkungen auf die Schweizer Exporteure.
Gesundheit und Renten: Reformen für nachhaltige öffentliche Finanzen
Um die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zu sichern, hält die OECD weitere Reformen des Gesundheits- und des Rentensystems für notwendig. Im Gesundheitsbereich empfiehlt sie Massnahmen zur Verbesserung der Effizienz, zum Beispiel eine bessere Koordination der Spitalplanung und der Versorgung. Bei der Altersvorsorge betont sie die Bedeutung nachhaltiger Lösungen angesichts der demografischen Entwicklung.
Die Medienmitteilung führt weder die konkreten Massnahmen aus, welche die OECD für die Renten in Betracht ziehen würde, noch deren Folgen für die Versicherten, die Beitragszahlenden oder die Haushalte. Sie sagt auch nichts über die Gesundheitskosten für die Versicherten. Jede Aussage über diese Auswirkungen ginge über das hinaus, was die Quelle sagt.
Produktivität: administrative Belastung, Arbeitskräfte und Wettbewerb
Um das Produktivitätswachstum zu stärken und auf eine breitere Basis zu stellen, empfiehlt die OECD, die administrative Belastung der Unternehmen weiter zu verringern, das Arbeitskräftepotenzial noch besser auszuschöpfen und die Wettbewerbsbedingungen zu verbessern, zum Beispiel im Energiesektor.
Diese Empfehlungen betreffen die Unternehmen und den Arbeitsmarkt, doch die Medienmitteilung beschreibt die erwarteten Auswirkungen nicht, weder auf die Beschäftigung noch auf die Kosten der Unternehmen oder auf die Energiepreise. Sie präzisiert auch nicht, welche Personengruppen von einer besseren Nutzung des Arbeitskräftepotenzials betroffen wären, noch welche administrativen Belastungen die OECD als vorrangig erachtet.
Klimaanpassung und Wohnraum
Der Bericht analysiert zudem die Anpassung an den Klimawandel und das Wohnungsangebot in der Schweiz. Beim Klima empfiehlt die OECD eine bessere Koordination zwischen den verschiedenen Staatsebenen und bessere Anreize für vorbeugende Massnahmen. Um das Wohnungsangebot zu erhöhen, umfassen ihre Empfehlungen insbesondere eine stärkere Verdichtung sowie effizientere und schnellere Bewilligungsverfahren.
Die Medienmitteilung enthält keine Zahlenangaben zur Lage auf dem Wohnungsmarkt, etwa zu den Mieten oder zur Zahl der verfügbaren Wohnungen, und auch nicht zu den Kosten der Klimaanpassung.
Was der Bund daraus macht
Das SECO hält fest, dass die Analysen der OECD, insbesondere ihre Schlussfolgerungen zur Stärkung des Produktivitätswachstums, in die Arbeiten des Bundesrates am Wachstumsbericht einfliessen werden, der für Ende 2027 vorgesehen ist. Die Medienmitteilung präzisiert nicht, welche Empfehlungen der Bundesrat übernehmen will und ob er sie inhaltlich gutheisst.
Vorerst nur eine Lesart verfügbar
Die Medienmitteilung, die von der Bundesverwaltung stammt, erwähnt keine Reaktionen der Sozialpartner, der Wirtschaftskreise, der Kantone oder der politischen Parteien. Die verfügbaren Quellen erlauben es daher nicht, allfällige abweichende Lesarten der Diagnose der OECD darzustellen. Für die Einzelheiten der Analysen verweist das SECO auf eine dem Bericht gewidmete Seite auf der Website der OECD.




