Die Schweizer Armee hat in den vergangenen Jahren fünfmal eine Zusammenarbeit mit dem US-Technologieunternehmen Palantir erwogen und jedes Mal darauf verzichtet. Das geht aus einer Recherche des Onlinemagazins Republik und des Recherchekollektivs WAV hervor, deren Ergebnisse von RSI und anschliessend am 19. Oktober 2026 von SWI swissinfo.ch aufgegriffen wurden. Diese Absagen sind allerdings als das zu lesen, was sie sind: Einzelfallentscheide von Fachleuten der Armee und keine allgemeine Regel, welche die politische Behörde festgelegt hätte.

Fünf Kontakte, fünf Absagen

Die Recherche betrifft fünf Kontakte zwischen Experten der Schweizer Armee und Palantir. «Wir haben nicht nur diese fünf Kontakte aufgedeckt, sondern auch die Gründe, weshalb die Zusammenarbeit abgelehnt wurde», sagt Balz Oertli, einer der Journalisten, welche die Recherche durchgeführt haben, gegenüber RSI. Ihm zufolge «war in drei der fünf Fälle die fehlende Kontrolle über die Daten der Grund für die Absage».

Die Quelle gibt nicht an, um welche Projekte es ging, wann diese Kontakte stattfanden und welche Stellen der Armee beteiligt waren. Ebenso wenig nennt sie die Gründe für die beiden anderen Absagen. Der Text der Recherche von Republik und WAV, der hier das massgebliche Dokument darstellt, ist im Quellartikel nicht verlinkt.

Die Souveränität über vertrauliche Daten

Für die Fachleute der Armee ging es um Souveränität beim Umgang mit vertraulichen Informationen. Mit anderen Worten: Die Frage war nicht nur technischer Natur. Es ging darum, wer die Kontrolle über sensible Daten behält, sobald sie einem Werkzeug anvertraut werden, das von einer ausländischen Firma entwickelt und betrieben wird. «Offensichtlich vertrauten sie Palantir nicht genug», folgert Balz Oertli.

Diese Lesart knüpft an ein breiteres Thema an, nämlich die digitale Souveränität öffentlicher Institutionen. Der Quellartikel sagt nicht, ob andere Überlegungen, etwa die langfristige Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter oder die Kosten, bei den Entscheiden der Armee eine Rolle gespielt haben.

Palantir, ein mächtiger und umstrittener Akteur

Palantir zählt zu den mächtigsten und umstrittensten Unternehmen der Welt. Dank seinem KI-Modell, das grosse Datenmengen schnell verarbeiten kann, verspricht es Echtzeitlösungen für komplexe und heikle Probleme, auch auf dem Schlachtfeld. Sein Angebot umfasst Software, die Terroranschläge verhindern und militärische Ziele identifizieren soll.

Zu seinen Kunden gehören Regierungen, Armeen und Nachrichtendienste mehrerer Länder. Die Schweiz gehört nach den von der Recherche zusammengetragenen Informationen nicht dazu, zumindest nicht mit ihrer Armee.

Eine Recherche auf europäischer Ebene

Die Arbeit zu Palantir wurde auf europäischer Ebene im Rahmen einer Zusammenarbeit mehrerer Medien durchgeführt. Sie brachte ein Auftragsvolumen von 1,44 Milliarden Euro für Palantir in Europa ans Licht. Den grössten Teil seines Gesamtumsatzes von rund 4 Milliarden Euro erzielt das Unternehmen jedoch in den USA.

«Die fehlende Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee ist deshalb nicht weniger bedeutsam», meint Balz Oertli. «Die Schweiz wäre sicherlich ein sehr guter Kunde gewesen.» Der Journalist erinnert daran, dass das Land neutral und nicht Mitglied der NATO ist und dass die Grösse seiner Armee mit jener anderer potenzieller Kunden vergleichbar ist. Diese wiederholten Absagen sind deshalb ihm zufolge «ein Problem für Palantir».

Zur Stellung des Unternehmens im öffentlichen Beschaffungswesen der Schweiz über die Armee hinaus, etwa in anderen Departementen, Kantonen oder öffentlichen Unternehmen, macht die Quelle keine Angaben.

Was nicht entschieden ist

Die fünf Absagen bedeuten keinen Ausschluss. Palantir kann seine Dienste in der Schweiz weiterhin anbieten: Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) unter der Leitung von Bundesrat Martin Pfister hat keinen Grundsatzentscheid gefällt, der eine Zusammenarbeit verhindern würde.

Die Frage könnte hingegen ins Parlament gelangen. Die Grünen haben eine parlamentarische Initiative eingereicht, die verlangt, Verträge mit ausländischen Anbietern solcher Dienste zu verbieten. Sie berufen sich auf dieselben Bedenken wie die Fachleute der Armee: Transparenz und Sicherheit vertraulicher Daten. Die Einreichung einer Initiative nimmt deren Ausgang nicht vorweg; der Text muss noch von den eidgenössischen Räten beraten werden, und sein genauer Wortlaut wird in der Quelle nicht wiedergegeben.

Ein Dossier, das in der Schweiz genau verfolgt wird

Es ist nicht das erste Mal, dass Palantir in der Schweiz Schlagzeilen macht. Im Dezember 2025 hielt SWI swissinfo.ch fest, dass Zürich als Drehscheibe für die Geschäftsbeziehungen des Unternehmens dient und dass sich das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten wegen dessen umstrittener Rolle in Gaza für das Unternehmen interessierte. Im Juni 2026 akzeptierte Palantir das Urteil des Handelsgerichts Zürich im Rechtsstreit mit dem Magazin Republik und verzichtete auf einen Weiterzug.

Die Enthüllungen über die Armee reihen sich in diesen Kontext ein: Sie dokumentieren die Zurückhaltung eines Teils der Militärverwaltung gegenüber einem Anbieter, dessen Modell auf der massenhaften Verarbeitung sensibler Daten beruht. Wie es weitergeht, hängt nun weniger von den Journalisten ab als von den Entscheiden des VBS und des Parlaments.

Sources

  • SWI swissinfo.ch: «Swiss army rejected US tech firm Palantir on five occasions»