Smarte Brillen verkaufen sich in der Schweiz dieses Jahr deutlich besser, zumindest bei Galaxus. Der Onlinehändler meldet gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg der Verkäufe um 307 Prozent und gibt an, dass 87 Prozent der Käufe auf Männer entfallen. Gleichzeitig befeuern diese mit einer Kamera ausgestatteten Geräte eine politische Debatte über den Schutz der Privatsphäre, im Kanton Waadt und anderswo.

Worum geht es?

Smarte Brillen sehen aus wie gewöhnliche Brillen, enthalten aber Elektronik. Die Quelle nennt zwei Komponenten: eine Kamera und eingebaute Lautsprecher. Die Funktionen der einzelnen Modelle beschreibt sie nicht näher.

Laut Galaxus können diese Geräte Menschen mit Behinderungen nützlich sein. Dank Kamera und Lautsprechern könnten gehörlose Menschen einem Gespräch in Echtzeit folgen und sich leichter daran beteiligen. Blinde Menschen könnten eine mündliche Beschreibung ihrer Umgebung erhalten. Es handelt sich um Aussagen des Händlers: Die Quelle erklärt weder, wie diese Funktionen technisch funktionieren, noch welche Modelle sie anbieten.

Was die Zahlen von Galaxus sagen

In einer von swissinfo.ch zitierten Mitteilung gibt Galaxus bekannt, dass sich seine Verkäufe von smarten Brillen in diesem Jahr gegenüber der Vorjahresperiode vervierfacht haben, was einem Anstieg um 307 Prozent entspricht. Das Unternehmen gibt an, dass zwischen Januar und September «mehrere tausend Paare» bestellt wurden, und erklärt, die Brillen fänden «reissenden Absatz».

Ebenfalls laut dem Händler sind Ray-Ban, Xreal und RayNeo die meistverkauften Marken, gefolgt von Viture und Oakley. Die Käufer sind vor allem Männer, auf die 87 Prozent der Käufe entfallen. Der Lead der Agenturmeldung rundet diese Zahl auf «neun von zehn» auf.

Galaxus übernimmt zudem eine Schätzung der Hersteller, wonach bis 2026 weltweit Millionen smarter Brillen im Umlauf sein werden.

Die Grenzen dieser Zahlen

Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen. Sie stammen von einem einzigen Händler und aus einer Medienmitteilung und bilden daher nicht den gesamten Schweizer Markt ab. Die Quelle nennt keine genaue Zahl verkaufter Einheiten, sondern nur «mehrere tausend Paare» in neun Monaten. Ein Anstieg um 307 Prozent kann also von einer bescheidenen Basis ausgehen. Die Quelle erklärt auch nicht, wie der Männeranteil berechnet wurde und welchen Anteil smarte Brillen am gesamten Verkauf von Galaxus ausmachen. Schliesslich stammt die weltweite Schätzung von den Herstellern, die ein direktes Interesse am Wachstum dieses Marktes haben.

Die Privatsphäre im Zentrum der Kontroverse

Galaxus räumt ein, dass diese Technologie in der Kritik steht. Manche Personen nutzen die Brillen, um andere ohne deren Einwilligung zu filmen, und verbreiten die Aufnahmen anschliessend illegal im Internet.

Im Kanton Waadt hat der grüne Grossrat Raphaël Mahaim im Kantonsparlament eine Motion eingereicht, die einen neuen gesetzlichen Rahmen verlangt. Gemäss seinem Vorschlag:

  • müsste jede Person, die mit smarten Brillen Bild, Stimme oder biometrische Daten anderer aufzeichnet, dies klar kenntlich machen;
  • würde eine Aufnahme als widerrechtlich gelten, wenn das Gerät keine sichtbare und nicht deaktivierbare Aufnahmeanzeige hat;
  • müssten die Hersteller vor der Markteinführung nachweisen, dass ihre Geräte Garantien zum Schutz der Privatsphäre erfüllen.

In den letzten Monaten gab es auch in anderen Kantonen politische Vorstösse zum Thema, namentlich in Zürich, Luzern, Basel-Stadt und St. Gallen. Die Debatte dreht sich grösstenteils um ein mögliches Verbot dieser Brillen in Schwimmbädern. Die Befürworter sind der Ansicht, ein Verbot würde verhindern, dass Personen in Badekleidern, insbesondere Kinder, junge Mädchen und Frauen, mit eingebauten Kameras unbemerkt und ohne ihre Einwilligung gefilmt werden. In manchen Fällen werden diese Aufnahmen anschliessend im Internet veröffentlicht. Die Quelle gibt nicht an, wie weit diese verschiedenen Vorstösse gediehen sind.

Das Wichtigste in Kürze

Die Zahlen von Galaxus zeigen ein wachsendes Interesse an smarten Brillen in der Schweiz, vor allem bei Männern. Um den nationalen Markt zu messen, reichen sie jedoch nicht aus. Die Debatte über die Privatsphäre hat bereits zu einer Motion im Waadtländer Grossen Rat und zu politischen Vorstössen in mehreren anderen Kantonen geführt. Zu verfolgen bleibt folgende Frage: Wird der Schutz der gefilmten Personen über Nutzungsregeln, über technische Vorgaben für die Hersteller oder über beides erreicht?

Quellen