Ein Pool von 5 Millionen Dollar, ein Hebel von 1000x und ein Preis, der beim Nachbarn abgeschrieben wird. Papertrade, eine neue Plattform für Perpetual Futures auf Basis von Hyperliquid, öffnete am Samstag, 10. Oktober, ihre Tore. In der Nacht zog gemäss Journal du Coin bereits eine Wallet mit 1.28 Millionen Dollar Gewinn davon. Ganz ohne Hack: Der Trader hat schlicht den Kurs von Ether auf Hyperliquid um 0.12 Prozent nach oben gedrückt.

Ein Pool gegen alle, ein Preis von anderswo

Gemäss Journal du Coin beruht das Modell von Papertrade auf zwei Entscheidungen. Erstens gibt es weder Orderbuch noch Market Maker: Ein gemeinsamer USDC-Pool tritt als Gegenpartei aller Trader auf. Gewinnt ein Trader, zahlt der Pool. Verliert er, kassiert der Pool, und der Verlierer erhält zum Trost ein paar PAPER-Token.

Zweitens der Preis. Papertrade berechnet ihn nicht selbst: Die Plattform übernimmt ihn von Hyperliquid und verwendet den Mittelwert zwischen dem besten Kauf- und dem besten Verkaufsangebot. Bei 1000x löscht jedoch eine Bewegung von 0.1 Prozent die Marge auf der einen Seite aus und verdoppelt sie auf der anderen. Das Fazit von Journal du Coin: Wer den Preis von Hyperliquid bewegen kann, bestimmt jenen von Papertrade.

Der Mechanismus, Minute für Minute

Der Ablauf gemäss Journal du Coin, das sich auf The Block stützt (New Yorker Zeit):

  • Zwischen 18:01 und 18:02 Uhr: Der Trader kauft rund 6060 ETH auf Hyperliquid. Der Preis steigt um rund 3 Dollar. Auf Long-Positionen mit 1000x entspricht das laut The Block mehr als 100 Prozent Marge.
  • Innerhalb der Minute: Er verkauft 5210 ETH wieder.
  • 18:06 Uhr: Er zieht 1.54 Millionen Dollar ab.
  • 19:13 Uhr: Er geht in die Gegenrichtung. Er eröffnet 30 Short-Positionen mit 660x, mit einem kumulierten Nominalwert von rund 297 Millionen Dollar, und verkauft dann innert drei Minuten 6590 ETH.
  • 22:31 Uhr: Seine Shorts werden liquidiert, was ihn rund 450'000 Dollar kostet.

Insgesamt kostete das Manöver den Trader, ebenfalls gemäss Journal du Coin, 52'000 Dollar an Gebühren bei 231 Millionen Dollar Handelsvolumen. Im Gegenzug zog er 2.48 Millionen von Papertrade ab, bei 1.2 Millionen Einzahlungen. Während der Operation sank der Pool laut einer Grafik von Papertrade von rund 5 auf 2.4 Millionen Dollar, bevor er sich wieder erholte. Und die Wallet ist alles andere als ein Neuling: Sie handelt seit Februar 2025 auf Hyperliquid und kommt auf 14.2 Milliarden Dollar Volumen und 13.1 Millionen Nettogewinn.

Papertrade verweist auf einen zu grosszügigen Start

In einer am Sonntag auf X veröffentlichten Nachricht erklärt Papertrade, die Obergrenzen für das Open Interest seien «äusserst permissiv» gewesen, um den Andrang beim Start aufzufangen. Das Team verspricht, sie zu verschärfen, ohne Zahlen zu nennen, und versichert, diese Versuche seien in einem während sechs Monaten vorbereiteten Mechanismus «kein Versehen» gewesen. Gemäss der Plattform soll der Trader fast alles über neue Konten zurückgegeben haben. The Block konnte dies nicht überprüfen: Laut den Registern der Plattform übersteigen die Abhebungen der Wallet ihre Einzahlungen weiterhin um 1.28 Millionen.

Für TechFlow, von Journal du Coin zitiert, löst ein Anziehen der Schrauben nur die Hälfte des Problems: Strengere Obergrenzen verringern den Gewinn des Angriffs, heilen aber nicht die Abhängigkeit von einem externen Preis. Hyperliquid, erinnert Journal du Coin, «kennt das Lied doch»: Sein HLP-Vault verlor im März 2025 rund 4 Millionen Dollar mit einer ETH-Position und im November dann 4.9 Millionen mit dem Token POPCAT. Von The Block angefragt, hatte Hyperliquid bis zur Veröffentlichung des Artikels nicht geantwortet.

Papertrade gibt seinerseits an, 25 Millionen Dollar an die Staker von PAPER ausgezahlt zu haben. TechFlow schreibt der Plattform knapp 70 Millionen Dollar TVL und mehr als 10'000 aktive Adressen zu.

Was die Episode über neue Plattformen verrät

Für Leserinnen und Leser in der Schweiz, die sich für DeFi interessieren, geht es bei dieser Affäre nicht um einen Fehler im Code, sondern um Architektur. Woher stammt der Preis, den die Plattform verwendet, und was kostet es, ihn zu bewegen? Wer bezahlt die Gewinne, und was geschieht, wenn dieser gemeinsame Pool an einem Abend um die Hälfte schmilzt? Welche Obergrenzen gelten für die Positionen, insbesondere am Tag eines Starts?

Journal du Coin erinnert daran: Produkte mit hohem Hebel setzen dem raschen und vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals aus. Bei 1000x genügt eine Abweichung von 0.1 Prozent in die falsche Richtung, um eine Position zu liquidieren. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

Quellen: «Crypto : Comment 3 dollars d'écart sur l'ETH ont rapporté 1,28 million à un trader», Journal du Coin, mit Verweis auf The Block, TechFlow und die auf X veröffentlichte Nachricht von Papertrade.